Eterium Review (PC)

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7

Gut

Wer hier gerne Weltraum-Shooter spielt, der hebe bitte die Hand. Aha, nicht sonderlich viele. Das überrascht mich nicht. Dieses Genre ist nun mal heutzutage nicht gerade populär. Unter den großen Spielen findet sich so etwas nicht mehr, was eigentlich schade ist. Es gibt auch immer noch einige, die sich die alten Tage von Elite und X-Wing zurück wünschen.

Genau diese Spieler könnten nun endlich wieder was zu tun bekommen. Eterium, ein kaum bekanntes Indie-Projekt, entwickelt von Rogue Earth LLC. Weil es eben ein Indie-Spiel ist, werde ich mit der Grafik nicht zu streng sein. Die handle ich direkt mal schnell ab.

Insgesamt sehen Menüs, Schiffe, Anzeigen und Umgebungen veraltet aus. Die Texturen sind unscharf und es fehlt an Polygonen. Dennoch sieht es neuer aus, als die letzten Spiele dieses Genres. Nach einer kurzen Zeit kommt man damit ganz gut zurecht, zumal es bei einem Spiel im Weltraum nicht zu sehr auffällt. Was sehr wohl stört, ist die fehlende Abwechslung innerhalb der Areale.

Zwar gibt es ein paar unterschiedliche Hintergründe und Ausblicke, aber etwas mehr Kreativität wären hier schön. Nebel, veränderte Lichteinstrahlung, Planeten am Horizont, Schiffswracks und so weiter. So wirken die Levels leider leblos und steril. Gut, man kann argumentieren, dass es sich um den Weltall handelt. Unendliche Weiten und damit verbunden auch Leere. Mehr Lebendigkeit würde uns Spieler aber sicherlich freuen.

Nun, kommen wir über die Grafik zur Story. Denn die erzählt sich sehr gewöhnungsbedürftig. Ach was, das ist untertrieben. Die Story ist in dieser Form uninteressant und absolut im Hintergrund. Man könnte fast denken, man befinde sich in einem Visual Novel. Alle Dialoge stehen in Textboxen, nichts ist vertont. Charakter, mit denen wir sprechen sind nur starre Anime-Bilder.

Am Anfang haben sie nicht viel zu erzählen und so kommt es schnell, dass man keine Lust mehr hat, die Texte zu lesen. Im Laufe der Geschichte bessert sich das ein Wenig, da zumindest inhaltlich der ein oder andere Kniff hinzu kommt. Das ändert aber kaum etwas daran, dass das Spiel wenig erzählt und mehr eine Aneinanderreihung von Missionen darstellt.

Aus diesem Grund sollten wir unser Augenmerk auf das Gameplay setzen. Dieses ist nämlich durchaus unterhaltsam und spaßig. Sehen wir uns das also näher an. Zunächst direkt vorweg ein Lob für die Steuerung. Das Spiel lässt sich komplett mit einem X-Box Controller steuern. Für ein solches Spiel wirklich sehr schön!

Man steuert seinen Raumjäger aus einer Cockpit-Ansicht. Einige Anzeigen und Kontrollen sind auf den Armaturen angebracht. Links eine Schadensanzeige am eigenen Schiff, rechts eine Zielanzeige. Dazwischen ein Radar mit praktischer Zielerfassung. Werden wir getroffen, sehen wir direkt an der linken Anzeige, wo und wie schwer wir angeschlagen wurden. Unsere Schilde werden in blau als Umrandung angezeigt und zerbrechen sie, geht es an die Materie.

Das ist soweit Standard in diesem Genre, aber die Umsetzung ist gut gelöst. Überhaupt ist das Schadensfeedback am eigenen Schiff sehr schön umgesetzt. Wird unser Heck zerschossen, fliegen wir langsamer. Frontale Treffer aufs Cockpit lassen unsere Armaturen bersten und zerstören Anzeigen. Fliegt uns eine Laserkanone ab, feuern wir nur noch mit der übrig gebliebenen.

Das sorgt dafür, dass man ein gutes Gespür dafür hat, wie viel Schaden man noch einstecken kann. Wobei es überhaupt tunlichst zu vermeiden ist, unnötig getroffen zu werden. Schäden an der Schiffshülle werden nämlich erst nach Abschluss einer Mission repariert. Unterschiedliche Waffensysteme an unterschiedlich schnellen Schiffen bieten hier auch ein Stück Variation.

Die Feinde treten ebenfalls in verschiedenen Formen auf. Zwar nicht in extrem vielen verschiedenen Schiffstypen, aber immerhin in Form von deutlich unterscheidbaren Kampfweisen. Leichte Jäger sind schnell und nervig, machen aber wenig Schaden. Mittlere Jäger sind langsamer und teilen besser aus. So geht das immer weiter, bis es später auch Schiffe gibt, die einen mit einer einzigen Salve ins Jenseits schicken.

Das bringt uns direkt zum Schwierigkeitsgrad, der durchaus nicht zu unterschätzen ist. Zwar bieten die kleinen Jäger nach einiger Zeit der Eingewöhnung kaum mehr eine Herausforderung, aber an manchen Stellen im Spiel treffen wir unweigerlich auf Gruppen von Feindschiffen, an denen wir uns die Zähne aus beißen.

Besonders ärgerlich ist unser Ableben natürlich, wenn es in der letzten Phase einer Mission geschieht. Die Aufträge sind nämlich in mehrere Areale unterteilt, in denen geschlossene Kämpfe statt finden. Hat man ein Areal abgeschlossen, aktiviert man seinen Autopilot und gelangt so per Schnellreise ins Nächste. Das stört den Spielfluss ein Wenig, da es auch Areale gibt, in denen einfach gar nichts passiert und die man nur betritt, um sie direkt wieder zu verlassen.

Wirklich schlimm ist das allerdings auch nicht. Lange dauert diese Reise nicht und so kommen wir schnell wieder in den nächsten Bereich. Es gibt auch Stellen innerhalb von Missionen, bei denen man nicht gegen Feinde kämpft, oder überhaupt wirklich schießen muss. Mancherorts ist es von Nöten, durch ein Asteroidenfeld, oder eine Ansammlung von Minen zu manövrieren.

Sind erstere noch nicht das größte Problem, setzen die Minen uns schon schnell zu, da sie uns im Bogen durch die Gegend schleudern und bei jedem Aufprall verdammt viel Schaden verursachen. Eine direkte Berührung mit ihnen ist also tunlichst zu vermeiden. Haben wir eine Mission beendet, müssen wir nur noch auf der Basis landen und werden automatisch zur Auswertung gebracht.

Hier zeigt uns das Spiel unsere Präzision und einige weitere Statistiken an. Schon stehen wir wieder im Korridor der Basis und haben die Auswahl – mit Leuten sprechen, oder direkt die nächste Mission machen? Natürlich wollen wir die nächste Mission machen, wichtige Tipps oder gar eine Handlung haben die NPCs uns ohnehin nicht mitzuteilen.

Und schon geht es los mit der nächsten Aufgabe. Es funktioniert erstaunlich gut, uns von einem Einsatz zum nächsten zu schicken. Die Motivation, gegnerische Schiffe vom Himmel zu holen ist höher, als man zunächst erwarten könnte. Und das obwohl die meisten Missionen nach dem gleichen Schema ablaufen. Fliege raus, schieße ein paar Feinde ab, fliege weiter. Eskortiere ein Schiff, wehre Feinde ab, lande auf dem Mutterschiff.

Nur selten gibt es Abwechslung, wie das schnelle Abwehren von Gegnerwellen in einem festen Zeitrahmen. Das Mutterschiff wartet dort ein paar Minuten bis es davon springt. Man muss sich also beeilen, wieder rechtzeitig zu landen. An diesem Punkt wäre eine Vertonung im Spiel sehr nützlich, denn man kann leicht das Textfenster übersehen, in dem überhaupt erst gesagt wird, dass man nur begrenzt Zeit hat.

Überhaupt ist die Atmosphäre nicht so dicht, wie sie hätte sein können. Funksprüche von anderen Piloten, oder einfach nur mehr Soundeffekte wären eine gute Ergänzung. Auch Mechanisch fehlen mir Kommunikationsmöglichkeiten mit meinen Helfern. Von daher fühlen wir uns nie so richtig in der Materie, wie es zum Beispiel bei Spielen der X-Reihe der Fall ist.

Stellen wir also nochmal alle Punkte gegenüber. Die Grafik ist zweckmäßig, aber eintönig. Man sieht ihr an, dass das Budget nicht das Größte ist. Das stört aber nicht zu sehr. Dialoge und allgemeine Handlung sind praktisch unerheblich und nicht interessant. Dafür sind Steuerung und Handhabung sehr schön flüssig und eingängig.

Die Soundkulisse ist zu steril und leblos. Auch hier spürt man das geringe Budget deutlich heraus. Dafür macht die gute Schadensanzeige und Darstellung des Schiffsaufbaus vieles wieder wett. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er bereit ist, sich Eterium zu kaufen. Für Fans dieses Spielprinzips ist es auf jeden Fall ein gutes Spiel, aber für einen Nicht-Kenner von Weltraum-Shootern fehlt es an Atmosphäre. Zumal abseits der Story nicht viele Spielmodi existieren.

Von mir bekommt das Spiel also eine eingeschränkte Empfehlung. Oldschool Fans sollten sich Eterium ansehen, alle anderen vielleicht noch einmal überlegen. Für Zwischendurch als schnellen Kampfsimulator im Weltraum ist es in jedem Fall unterhaltsam. In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Nacht!

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Gut