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inFamous: Second Son Review (PS4)

Games Review Review Games PS4
9.1

Genial

inFAMOUS: Second Son findet 7 Jahre nach dem zweiten Teil der inFAMOUS Serie statt. Es gibt einen neuen Helden. Der kühle und nicht gesprächige Cole MacGrath wurde durch den schlagfertigen Delsin Rowe ersetzt. Delsin ist nicht der typische Actionheld. Er ist leidenschaftlicher Sprayer, trägt eine „coole“ Mütze und kommt rebellisch rüber.

Dazu kommt das Delsin im Schatten seines Bruders Reggie steht, denn dieser ist der Stolz der Familie als Polizist und Held in seiner Heimatstadt. Deswegen versucht Delsin mit  Graffitis auf sich aufmerksam zu machen und so seine Botschaft an die Welt zu verbreiten. Hierbei wird er des Öfteren von seinem Bruder erwischt und festgenommen. Auch, wo die Geschichte von inFAMOUS: Second Son beginnt, finden sich beide in dieser Situation wieder. Doch diesmal wird das Bruderduo von einem verunglückten Militärtruck gestört. Nachdem Delsin einer unter Trümmern liegenden Person hilft, verändert sich sein Leben für immer. Von nun an hat er die Fähigkeit Rauch aus seinen Händen zu schießen oder sich als Rauchwolke durch Lüftungsschächte zu bewegen.

Wenn man das erste Level im Spiel, eine Art Tutorial, gemeistert hat, verlagert sich das Umfeld von einem beschaulichen Indianerdörfchen in die Großstadt Seattle. Hier möchte Delsin die Antagonistin Augustine aufspüren um seine Freunde und Familie in seiner Heimatstadt zu retten. Seattle ist überfüllt mit Augustines Soldaten, welche „Conduits“ aufspüren sollen. Conduits sind Menschen mit übernatürlichen Kräften und Fähigkeiten. Normale Menschen fürchten sich vor den Conduits und nennen diese „Bio-Terroristen“. Augustine nimmt sich diese Furcht zu Nutze und betreibt ein ganzes Gefängnis, in dem die Insassen allesamt Conduits sind.

Vorweg sei schon mal eines gesagt, inFAMOUS ist grafisch eine wahre Pracht. Die Charaktermodels strotzen nur so vor Polygone und Details. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es konsolentechnisch alles bisherige in den Schatten stellt. Neben dem grandiosen Charakterdesign, liegt eine weitere Stärke bei den Partikeleffekten, welche vor allem bei späteren Kräften einfach nur beeindruckend aussehen. Auch wissen Gebäude und Umgebung grafisch zu gefallen, und bieten für ein Open World Game unglaubliche Details und Texturqualität. Grafisch gesehen ist inFAMOUS momentan im Konsolenbereich die Referenz, da können auch Killzone Shadowfall und Ryse nicht mithalten.

Das Spiel läuft in einer Full HD 1080p Auflösung und bietet durchschnittlich 30-40 FPS. Wünschenswert wäre eine gelockte Framerate auf 30 FPS gewesen. Durch den stetigen Wechsel zwischen 30 und 40 FPS können kleine Ruckler enstehen, welche manchmal den Spielfluss ein wenig trüben. Dafür überzeugt inFAMOUS auch beim Antialiasing, das Bild ist sehr sauber und es sind kaum bis keine Kanten vorhanden. Grafisch gesehen macht Second Son fast alles richtig, was man richtig machen kann. Überzeugt es aber auch im Gameplay?

Die Steuerung geht leicht von der Hand und wird schnell erklärt. Sie funktioniert bei jeder der vier verschiedenen Fähigkeiten gleich und braucht nicht für jede neue Fähigkeit von neuem erlernt werden. Jedoch wirkt die Steuerung bei Sprung und Kletterpassagen manchmal ungenau, sodass es öfter ein Glückspiel ist, wo Delsin sich festhält oder hinspringt. Auch ist Seattle sehr leblos. Es herrscht auf den Straßen kaum Interaktion und es sind nur wenige Menschen unterwegs. Anders als bei einem Grand Theft Auto V wirkt die offene Welt eher alibimäßig und kommt über den Anblick einer Fassade kaum hinaus. Hier hätte ich mir, wie bei besagten GTA V, mehr spontane Aktionen gewünscht, wie z.B. einem Kampf zwischen Conduit und Polizei. InFAMOUS fehlt es an dieser Spontanität und darunter leidet besonders die Glaubwürdigkeit der offenen Welt. Das schöne Seattle ist praktisch nur da um von Mission zu Mission zu kommen und dient nur als Mittel zum Zweck. Jedoch macht die Geschichte rund um Delsin und Reggie sehr viel Spaß und gleichen die fehlende Interaktion in der Stadt ein wenig aus.

Die Synchronsprecher der beiden Hauptpersonen haben besonders im englischen Original wunderbare Arbeit geleistet und es macht Spaß die meist lustigen Zwischensequenzen zwischen den beiden zu verfolgen. Bei den Hauptmissionen kommt keine Langeweile auf. Zwar wiederholen sich manche Vorgänge, jedoch macht das Spielprinzip viel richtig, indem es den Spieler immer wieder neugierig macht und mit neuen Fähigkeiten belohnt. So wird man zum weiterspielen motiviert und man verfolgt gespannt die Hauptgeschichte des Spiels. Leider kann man nicht dasselbe über die Nebenmissionen sagen. Hier kommt schnell Langeweile auf, weil sich die Missionen bis auf Nuancen meist wiederholen und nicht die Motivation einer Hauptmission bieten. Hier hätte Sucker Punch die Langzeitmotivation deutlich durch bessere Nebenmissionen aufbessern können. Trotzdem bietet das Spiel einen überaus hohen Wiederspielwert, denn das Spiel bietet einem Entscheidungen, welche man entweder als Bösewicht oder Held entscheiden kann. Man kann das Spiel also einmal komplett als Schurke und einmal komplett als Held durchspielen.

Diese Entscheidung verändern auch Dialoge und Missionen im späteren Verlauf der Geschichte, sodass man praktisch zweimal ein unterschiedlich Spielerlebnis hat. Nebenbei sind die Bossgefechte zumeist fordernd und machen unglaublich Spaß. Durch eine üppige Lebensenergieleiste sind die Endgegner alles andere als Kanonenfutter und erfordern vom Spieler eine Strategie und Geschick, denn die Gegner verwenden gewisse Angriffsmuster, welche erst vom Spieler herausgefunden werden müssen. Da Delsin jedoch über Schnellheilungskräfte verfügt, regeneriert sich die Energieleiste in kritischen Fällen nach ca. 10-15 Sekunden wieder. So werden die Kämpfe gegen größere Gegner auch nicht unmöglich gestaltet. Im Laufe des Spiels erlangt Delsin vier verschiedene Superkräfte, welche er im Kampf gegen Augustine einsetzen kann. Die Kräfte erlangt man alle nach dem Beenden gewisser Hauptmissionen.

Wie sich die Kräfte weiterentwickeln kann man selbst entscheiden und hängen auch davon ab, wie man das Spiel spielt. So bieten sich viele Möglichkeiten von Upgrades, welche Delsin in verschiedene Richtungen entwickeln lassen können. Hier wurde dem Spieler freie Möglichkeit gewährt, Delsin nach seinen Wünschen zu verstärken. Zudem hat man nicht unendlich Energie seine Kräfte zu benutzen. Vielmehr muss er sich an verschiedenen Punkten wieder aufladen um seine Fähigkeiten wieder einsetzen zu können. Dadurch wirken die Fähigkeiten von ihm nicht zu stark und man kommt im Kampf gegen Gegner schon mal ins Schwitzen.

Ferner ist Delsin trotz aller Bedenken im Vorfeld ein überaus sympathischer Charakter. Er ist schlagfertig, mutig und ist nicht auf den Mund gefallen. Zwar stellt er nicht den typischen Actionhelden so eines Spiels dar, jedoch kann man sich gut in den Charakter hineinversetzen und es macht von der ersten Minute an Spaß Delsin im Spiel zu steuern. Auch die anderen Charaktere haben ein gutes Design und passen wie die Faust aufs Auge in das inFAMOUS Universum.

Wenn man nur die Hauptmissionen spielt, bietet das Spiel eine Spielzeit von sieben bis acht Stunden. Für ein Open World Spiel ist das arg wenig. Da auch die Nebenmissionen nicht zum spielen einladen, ist die effektive Spielzeit also sehr gering.

Ich persönlich hätte gerne nochmal 7 weitere Stunden im wunderschön designten Seattle verbracht. Das Ende fühlt sich einfach viel zu schnell und überstürzt an und man fühlt sich, als ob man erst die Hälfte des Spiels geschafft hat. Auch hier wird das sonst sehr gute Spielerlebnis von inFAMOUS: Second Son ein wenig getrübt.

Insgesamt ist inFAMOUS ein sehr gutes Spiel, welches auch deutlich die besonders grafischen und technischen Möglichkeiten der Playstation 4 zeigt. Jedoch ist inFAMOUS kein perfektes Spiel, sondern hat Ecken und Kanten, welche auch nicht zu übersehen sind. Wer jedoch mit diesen leben kann, findet hier ein Spiel in welchem er wunderbar für sieben bis acht Stunden mit Action vom Feinsten unterhalten wird. Für den Nachfolger sollte Sucker Punch eine lebendigere Welt bieten, und das System der Nebenmissionen komplett überarbeiten. Wenn das bewerkstelligt wird, und die guten Seiten des Spiels beibehalten werden, wird das nächste inFAMOUS ein noch größerer Hit. Ich persönlich hatte sehr viel Spaß bei dem Abenteuer mit Delsin in Seattle und bereue keine Sekunde der gespielten Zeit, sondern hätte mir noch mehr Zeit in Seattle gewünscht. Darum freue ich mich schon auf den Nachfolger und einem neuen Abenteuer im inFAMOUS Universum.

9.1

Genial

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