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Watch Dogs Review (PS4)

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7.6

Gut

Kaum ein Spiel hat in letzter Zeit soviel Aufmerksamkeit generiert wie Watch Dogs. 2012 die Enthüllung auf der E3 und es herrschte überschwängliche Begeisterung. Es sollte das Spiel der nächsten Generation und und die Grafikreferenz werden. E3 2013 leichte Ernüchterung, die Grafik schaut nicht mehr so gut aus und das Spiel wird verschoben auf Mai 2014. Jetzt ist es endlich soweit, was bleibt noch vom Spiel aus der Präsentation von 2012 oder bietet uns Ubisoft nur eine Light-Version von dem damals versprochenen Spiel?

Eins vorweg, Watch Dogs bietet lange Unterhaltung. Alleine der Hauptstrang ohne Nebenmissionen unterhält für 20 bis 25 Stunden, was heutzutage ziemlich viel ist für ein Spiel. Bei der Hauptstory gibt es Stärken und Schwächen. Angetrieben wird die Geschichte von Rache. Aiden Pearce, der Protagonist und Meister-Hacker, verliert seine Nichte, weil es zwielichtige Gestalten auf ihn abgesehen haben. Logisch, dass er sich der Sache annimmt und ihren Tod rächen möchte. Zu Gute kommt ihn die Organisation ctOS, welche die ganze Stadt vernetzt haben. So kann er alle elektronischen Gegenständen nach seinen Belieben manipulieren.

Die Grundgeschichte rund um Rache bietet viel Potenzial. Leider wird dieses nicht immer genutzt, denn am Anfang wirkt man deplatziert und ins kalte Wasser geworfen. Erst ab der ca. achten Spielstunde ergibt das Gesamtbild mehr Sinn und ein roter Faden bringt Kohärenz hinein.

Zudem fehlt es Aiden ziemlich an Charisma. Der Rächer Chicagos bleibt farblos und entwickelt sich im Laufe der Story kaum weiter. Schade, denn hier hätte man im eigenen Haus abgucken können. Ezio aus Assassins Creed 2 wäre ein Charakter-Beispiel gewesen, welches man sich gut für Aiden hätte vorstellen können.

Ferner kommen auch viele Nebencharaktere zu kurz. Während man bei GTA jeden Charakter ins Herz schließt, erfährt man hier von Aidens Kumpanen einfach zu wenig. Zwar werden manche Charakter in imposantes Cutscenes vorgestellt, verschwinden dann aber von dem Bildschirm für mehrere Stunden. Hier macht es der Genre-Primus GTA einfach besser!

Trotzdem weiß die Story zu gefallen, vor allem das Geschehen rund um das Hackernetzwerk überzeugt. Weiterhin sind die Kameraeinstellungen in den Zwischensequenzen sehr gut umgesetzt, sodass das ganze manchmal wie ein interaktiver Film wirkt.

Dafür kann Watch Dogs zumeist im Spielprinzip überzeugen. Vor allem die Missionen der Kampagne sind gut gestaltet und lassen Aiden viel Spielraum. Hier kann man entscheiden, ob man wie Rambo vorgeht und alles niedermäht was nicht bei drei hinter der Deckung ist oder, ob man nicht lieber wie der gute alte Sam Fisher schleicht und die Hacking-Fähigkeiten nutzt. Besonders diese machen das Spiel einzigartig, denn bei manchen Missionen fühlte ich mich wie ein Marionettenspieler, welcher die Gegner wie Marionetten in verschiedene Fallen führt. So kann man Elektroanlagen zum explodieren bringen oder die Last eines Krans auf den Gegner fallen lassen. Dort macht das Spiel alles richtig, denn das Prinzip fühlt sich frisch und neu an. Außerdem bietet Ubisoft hier ein großes Portfolio an verschiedenen Missionen. Von Bombenpräperationen bis hin zu Schleichmissionen wird alles geboten. Große Missionen enden wie GTA meist in einem Schusswechsel oder einer Verfolgungsjagd. Das Fahrverhalten ist hier einen Tick schlechter als bei dem Konkurrenten, da es mir persönlich ein wenig zu arcadig ist.

Apropos Fortbewegungsmittel, wie bei jedem Open-World Spiel gibt es eine Palette an Fahrzeugen, welche man auswählen kann. Neben Autos und LKWs dürft ihr auch Boote und Motorräder fahren. Leider dürft ihr euch nicht im Himmel herumtummeln. Es stehen keine Flugzeuge oder Helikopter zum selber fliegen zur Verfügung. Schade, denn bei anderen Sandbox-Games hat gerade das Erobern des Luftraumes immer viel Spaß bereitet.

Positiv ist auch, dass Chicago richtig lebendig wirkt. Passanten interagieren miteinander und auch mit Aiden. Bewaffnet sich Aiden, rennen die Passanten davon und man spürt förmlich deren Angst. Nicht selten zückt ein Passant auch das Telefon und ruft die Polizei. Ganz klar hier spielt Watch Dogs mit seinen Muskeln. Oft hört man die Passanten auch in verschiedenen Sprachen reden (Bisher gehört: Deutsch, Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch). Damit schafft Ubisoft beeindruckend die Illusion einer virtuellen Stadt. Nicht nur lebendig wirkt die Stadt, sondern auch detailreich und liebevoll aufgebaut.

Die Polizei agiert gegen euch aggressiv und ihr müsst kreativ sein um sie wieder los zu werden. Manchmal kann sich eine Verfolgungsjagd auf 20 Minuten hinziehen, deshalb solltet ihr euch lieber zweimal überlegen wie ihr zu Werke geht. Auch bietet Watch Dogs ein Reputationssystem. Begeht ihr gute Taten werdet ihr beliebt und die Stadt sieht euch als Helden. Handelt ihr schlecht hagelt es negative Presse und die Menschen achten den Rächer von Chicago.

Per Fuß unterwegs könnt ihr über das Smartphone-Profiling verschiedene Informationen über die Passanten erhalten. Darüber könnt ihr zum Beispiel einen Bankaccount hacken oder ein Verbrechen aufspüren. Manchmal bietet auch das Profiling auch witzige Informationen und bringen auch ein Schmunzeln ins Gesicht. Leider dürft ihr euch nicht in Telefongespräche einklinken und die Passanten auf ihre witzigen Geheimnisse aufmerksam machen. Ähnlich wie in Assassins Creed habt ihr nicht kompletten Zugriff auf die Karte und müsst diesen erst erspielen. Anders als bei den Assassinen müsst ihr nicht Aussichtstürme hochklettern, sondern ctOS Center hacken. Je mehr Center ihr unter Kontrolle habt, umso mehr Möglichkeiten habt ihr im jeweiligen Gebiet. Hacken könnt ihr diese, wenn ihr kleine Minispiele bewältigt, welche auch nicht aufgesetzt wirken, sondern auch Spaß bereiten.

Für noch mehr Langzeitmotivation sollen die etlichen Nebenmissionen sorgen. Diese können über das Profiling gestartet werden  oder finden sich auf der Karte wieder. Zusammenfassend ist es Genre-Standardkost und nichts weltbewegendes. Ihr schaltet entweder Ganganführer aus, oder rast mit dem Auto durch vorgegebene Wegpunkte. Dies hat es alles schon einmal gegeben und so erfindet Watch Dogs das Rad auch nicht neu. Für das Aufleveln von Aiden reicht es, wenn ihr auch an den Strang der Hauptstory haltet. Dort bekommt ihr genügend Punkte um euren Fähigkeitenbaum voll zu bekommen.

Nun kommen wir zum brisanten Thema. Sieht die Grafik wirklich schlecht aus? Sieht es noch so aus wie 2012? Beides mal muss man mit nein antworten. Die Grafik sieht sehr gut aus, aber leider kommt es nicht an die Qualität von 2012 ran. Wie schon bereits zuvor gesagt, die Stadt ist detailreich und wirkt lebendig. Ein Spiel mit schlechter Grafik kann diese Illusion nicht erzeugen. Meistens sind die Texturen scharf und knackig und nur selten finden sich matschige Texturen. Protagonist Aiden und wichtige NPCs sind schön gestaltet. Passanten in der Stadt wirken manchmal wie aus PS2 Zeiten, was aber bei der Vielzahl an Personen und dem Geschehen drumherum verständlich ist. Leider gibt es auch technische Schnitzer, welche bei der Playstation 4 nicht sein müssten. Zum Beispiel hat Aiden kein Spiegelbild und das Spiel bietet Tagsüber nur statisches Lightning. Deshalb wirkt Watch Dogs nur Nachts wirklich schön, wohingegen es Tags leider sehr steril wirkt. Insgesamt muss man aber trotzdem sagen, dass das Spiel technisch sehr gut ist. Bei der Framerate gibt es keine Einbrüche und es läuft durchgehend mit 30 FPS. Leider ist die Playstation 4 Version nicht in Full HD Auflösung, sondern läuft nur mit 900p. Vielleicht patcht Ubisoft die 1080p nach wie damals bei Assassins Creed. Ich bin mir sicher, mit mehr Optimierung hätte die PS4 auch die 1080p geschafft.

Jedoch hat Ubisoft mit der musikalischen Untermalung alles richtig gemacht. Der Sound passt zum ernsten und geheimnisvollen Setting. Zwar zieht man bei den Radiosendern den kürzeren gegenüber GTA, da es nur einen gibt. Dafür gibt es aktuelle und bekannte Titel.

Watch Dogs ist nicht die erhoffte Revolution des Genres aber es ist ein verdammt guter Einstieg in eine neue Marke. Man merkt, dass Ubisoft viel in das Spiel investiert hat und neues versucht hat. Leider gelingt nicht alles so wie sie es sich vorgestellt haben. Ingesamt wurde zu viel Potenzial bei der Story und Aiden verschwendet. Positiv ist das Großstadtfeeling und die lebendige Stadt, welche nur so vor Details strotzt. Außerdem macht das Hacken viel Spaß und bietet viele neue Möglichkeiten im Spiel. Darum ist Watch Dogs eine klare Empfehlung, welche für gut 25 Stunden in der Hauptstory und 40 Stunden für die Platin Trophy unterhält. Sollte Ubisoft die Kleinigkeiten verbessert, kann Watch Dogs 2 der erhoffte Messias des Genres werden.

7.6

Gut