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DayZ Review (PC)

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Tja, wer kennt das nicht. Man geht aus dem Haus und denkt sich nichts böses und schon kommt ein Zombie laut brüllend heran gestürmt. Nach einer kurzen Überlegung, ob es sich lohnen würde, mit bloßen Fäusten gegen den Untoten anzugehen, liegt wohl ein Gedanke nah: Flucht. Aber wohin kann man fliehen? Über die Straße um zu riskieren, von einem Scharfschützen getötet zu werden? Zwischen zwei Häusern hindurch um vielleicht einem weiteren Zombie in die Arme zu laufen? Oder vielleicht doch nach links, die Straße runter in den Wald?

Entscheidungen, die über Leben und Tod entscheiden.Und dabei handelt es sich dabei noch um eine der alltäglichen Situationen in Day Z, dem Zombie-Survival-Spiel von Bohemia Interactive. Schon seit der Mod-Version, die 2012 begann, Gamer auf seine Seite zu ziehen, gibt es eine große Fangemeinde zu diesem Spiel. Ende des letzten Jahres erschien dann endlich die Standalone Version.

Neue Grafik, Verbesserungen am Gameplay sowie am HUD wurden versprochen. Ob das Spiel diese Versprechungen halten kann, wollen wir heraus finden. Zunächst sei gesagt, dass sich das Spiel noch in einer frühen Alpha befindet. Die Entwickler nutzen die Early-Access Funktion von Steam, um diese Version öffentlich zu stellen.

Daraus resultieren viele Bugs und Fehler im Spiel, die teilweise wirklich störend sind. Entwickler und Publisher warnen jedoch vor solchen Problemen, also können wir hier keinen wirklichen Vorwurf machen. Wer aber ein fertiges Spiel erwartet, in dem alle Funktionen und Möglichkeiten vollständig enthalten sind, der sollte den Kauf überdenken.

Die Mod-Version von Day Z hatte mit einem unzugänglichen HUD zu kämpfen. Das Inventar, die Hunger- sowie Durstanzeige waren kryptisch und schwer zu verstehen. Dazu kam das Fehlen einer Schnellauswahlleiste und die umständliche Bedienung aller Funktionen. Das wurde in der Standalone stark verbessert. Das Inventar lässt sich nun sogar im Laufen per einfachem Tastendruck öffnen. Es zeigt alle angelegten Taschen und Kleidungsstücke und stellt sie in einer Diablo-artigen Form dar.

Dazu gibt es nun eine Schnellauswahlleiste mit zehn Slots, auf der sich beliebige Gegenstände fixieren lassen, um sie mit einem einzigen Druck auszuwählen. Sehr schön! Hunger, Durst, Verletzungen und sonstige Probleme, die die Spielfigur hat, werden ebenfalls direkt dort angezeigt. Das sorgt dafür, dass der Überblick auch in stressigen Situationen nicht verloren geht.

Und das ist überlebenswichtig! Denn stressige Situationen kommen zumeist plötzlich und unerwartet. Die Welt von Day Z wirkt zwar aufgrund der aufpolierten Grafik und schöner Landschaft sehr ansehnlich, ist jedoch lebensfeindlich wie kaum ein anderer Ort unserer momentanen Videospielgeneration. Zombies stellen noch das geringste Problem dar. Sie können einem zwar in einer Stadt schnell zum Verhängnis werden und gerade für Einsteiger gefährlich sein, allerdings sind sie leicht abzuschütteln und auch leicht zu töten.

Andere Spieler sind die wirkliche Gefahr. Denn wer in Day Z stirbt, der bleibt tot und muss sich einen neuen Charakter erstellen. Klingt frustrierend? Oh ja, das ist es auch. Aber auf eine gut Art. Denn so gehen wir niemals leichtfertig mit unserem virtuellen Leben um. Genau so wie uns freuen kann, wenn wir einen anderen Spieler in einen fiesen Hinterhalt locken, ärgern wir uns auch, wenn wieder mal ein Sniper mit einem einzigen Schuss den „Du bist tot“- Bildschirm auf unseren Monitor projizieren lässt.

Essen und Trinken müssen ebenfalls bedacht werden, so auch das Blutlevel des Körpers. Isst man zu wenig, verhungert man. Trinkt man zu wenig, verdurstet man. Soweit so klar. Und das geht verdammt schnell! Das Blut-Gesundheitssystem ist recht komplex und schwer zu durchschauen. In groben Zügen dargestellt, regeneriert man nur, wenn man genug gegessen und getrunken hat.

Leichter gesagt als getan in einer Zombieapokalypse, wo schon wegen einer Dose Bohnen ein Häuserkampf ausbrechen kann. Zu Beginn hatte ich eine kleine alltägliche Situation beschrieben, wie sie in DayZ nahezu durchgehend auftreten kann. Zum Schluss will ich nun noch einmal eine der weniger normalen Situationen erzählen, die mir genau so passiert ist. Ich glaube, auf diese Art versteht ihr besser, was an DayZ so faszinierend ist.

Nachdem ein Freund und ich die örtliche Feuerwache untersucht hatten, überquerten wir die Straße um ins nächste Haus zu verschwinden. Während ich schon an der Treppe nach oben stehe, hören wir Schüsse und kurz darauf eine ganze Salve. Eiligst rennen wir die Treppen hoch und bleiben im obersten Stockwerk an der Treppe stehen. Ich halte den Lauf meiner Waffe genau auf den Aufgang und bin bereit, jeden zu erschießen, der zu mir kommt.

Weitere Schüsse. Ein Spieler auf der Straße, der sofort tot umfällt. In der Feuerwache muss ein Sniper sitzen. Mein Kumpel hält die Waffe aus dem Fenster und kann ihn genau ansehen, doch einige Schüsse von der Straße zwingen ihn, sich zurück zu ziehen. Ich lasse mich nicht beirren und ziele weiter auf den einzigen Zugang zu unserem Versteck.

Plötzlich streckt ein unvorsichtiger Spieler den Kopf um die Ecke und ich drücke ab. Kurz Stille, dann hastige Schritte weiterer Spieler, die sich uns nähern. Ich lade sicherheitshalber schon mal nach, das könnte übel werden. Auf der Straße geht mittlerweile förmlich der Krieg los.

Schüsse und sterbende Spieler aus allen Gebäuden. Zwei größere Gruppen mussten sich wohl in die Haare gekriegt haben. Und wir sitzen mitten drin. Ein weiterer Spieler stürmt das Treppenhaus nach oben und schießt auf mich. Glücklicherweise kann ich ihn ausschalten, bevor er mich tötet.

Aber ich bin angeschossen. Muss mich verbinden. Mein Begleiter übernimmt. Er hat keine M4, sondern einen seltenen Karabiner mit reichlich Munition. Als ein dritter Spieler sich langsam in den Gang vorwagt, fällt ein gut gezielter Schuss und er liegt neben seinen beiden Freunden.

Auf der Straße kehrt Ruhe ein. Entweder, eine Partei hat gewonnen, oder wir bekommen gleich ein Problem. Vorsichtig wagen wir uns die Treppe hinunter um nach den toten Spielern zu sehen. Doch zwei weitere kommen gerade die untere Treppe hinauf und eröffnen das Feuer. Mein Kumpel wird getroffen und ist tot. Ich kann noch schießen und treffe einen der beiden, doch der andere schießt mit seiner Schrotflinte und mein Bild wird schwarz.

Das ist nur einer der epischen Momente, die man in DayZ immer wieder erlebt. Nicht immer ist man auf der Seite derjenigen, die Blut lange aushalten. Oft ist man auch der Erste der überhaupt in einem Gefecht stirbt. Doch irgendwann kennt man die Kniffe und weiß, wie man in einer Gefahrensituation überleben kann. Das ist auch der Reiz an diesem Spiel. Es ist zeitgleich real und beklemmend und doch eben nur ein Spiel. Das muss man sich vor Augen halten, wenn man nicht die Nerven verlieren will. Es ist also weniger eine objektive Ansammlung von Features und spielerischen Elementen, als ein freies Spiel. Tut was ihr wollt, solange ihr es könnt.

Und das gibt es in unserer Spielewelt nicht viel. Jemand, der geführt werden will, der ein zusammengehöriges Abenteuer mit festen Möglichkeiten sucht, der wird hier nicht fündig. Aber wer experimentieren und herausfinden will, wie er selbst spielen wird, der sollte sich DayZ dringend ansehen.

Im Moment fehlen noch viele Elemente, die im Laufe der Zeit dazu gepatcht werden. Dazu kommt der momentane Preis von ca. 24€. Aber wer diesem Prinzip auch nur ein Stück weit etwas abgewinnen kann und mit den Bugs und Fehlern leben kann, der wird eine lange Zeit beschäftigt sein. Meine Empfehlung bekommt die Day Z Standalone Version in jedem Fall!