Nach Jahren im tristen, deprimierenden Liberty City packte Rockstar Games die Koffer und flog zurück in den sonnigen Bundesstaat San Andreas. Aber das Los Santos aus Grand Theft Auto V (2013) war nicht mehr das von Gangster-Rapper CJ. Es war eine bissige Satire auf Hollywood, den amerikanischen Konsumwahn, Reality-TV und korrupte Regierungsorganisationen.
Das Spiel hat alle Konventionen gebrochen, indem es nicht nur einen, sondern gleich drei spielbare Protagonisten eingeführt hat. Ihre Geschichten verflechten sich zu einem wahnwitzigen Heist-Movie, das wie eine Mischung aus Heat und Pulp Fiction inszeniert ist.
Der Prolog: Blut im Schnee von North Yankton
Die Geschichte beginnt neun Jahre vor der eigentlichen Handlung, im Jahr 2004, im verschneiten Ludendorff (North Yankton). Drei Bankräuber, die ihr Handwerk verstehen, sind auf der Flucht vor der Polizei: Michael Townley, der cholerische Trevor Philips und ihr Kumpel Brad.
Der Fluchtplan geht total schief. Ein Scharfschütze trifft erst Brad und dann Michael. Michael bittet Trevor, zu fliehen, bevor die Cops ihn auch noch schnappen. Trevor entkommt nur knapp in die eisige Wildnis. Es gibt eine Beerdigung für Michael Townley. Trevor glaubt, sein bester Freund sei tot und Brad sitze im Gefängnis.
Aber die Realität sieht anders aus: Der Raub war abgekartet. Michael hatte eine geheime Abmachung mit dem korrupten FIB-Agenten Dave Norton. Michael hat seinen Tod vorgetäuscht, seine Komplizen im Stich gelassen und ist mit seiner Familie durch ein inoffizielles Zeugenschutzprogramm unter neuem Namen („De Santa“) in Los Santos untergetaucht.
Akt 1: Die Midlife-Crisis und der junge Hustler
Los Santos, 2013. Michael De Santa lebt in einer Luxusvilla in Rockford Hills (Beverly Hills), ist aber eigentlich ein unglücklicher Mensch. Seine Frau betrügt ihn, sein Sohn hängt den ganzen Tag vor dem Bildschirm, seine Tochter strebt erfolglos in die Pornoindustrie und Michael selbst hängt am Pool ab und lässt sich in teure Therapiestunden fluten.
Die Lethargie endet, als Michael auf Franklin Clinton trifft. Franklin ist ein junger Gangster, der aus dem Ghetto kommt. Er arbeitet als Schuldeneintreiber für einen zwielichtigen Autohändler und versucht, aus dem Milieu rauszukommen. Michael sieht Potenzial in dem Jungen und wird sozusagen sein Mentor.
Der Wendepunkt: Michael erwischt seine Frau im Bett mit ihrem Tennistrainer. In einem Wutanfall jagen Michael und Franklin den Trainer zu einer Villa in den Vinewood Hills. Michael reißt kurzerhand den Balkon des Hauses mit einem Pickup-Truck ein. Das war ein Fehler, denn das Haus gehörte nicht dem Trainer, sondern dem mächtigen mexikanischen Kartellboss Martin Madrazo. Um die Reparaturkosten wieder reinzuholen, muss Michael das tun, was er am besten kann: Er geht wieder in Rente und überfällt mit Franklin einen Juwelier.
Akt 2: Der Psychopath kehrt zurück
Der Juwelenraub war ein voller Erfolg. Während des Überfalls zitiert Michael seinen Lieblingsfilm gegenüber einer Geisel: „Du vergisst jeden Tag tausend Dinge. Sorge dafür, dass dies eines davon ist.“
Hunderte Kilometer entfernt, in der staubigen Wüste von Blaine County, schaut Trevor Philips die Nachrichten. Trevor ist inzwischen der Boss eines brutalen Meth-Imperiums. Er ist extrem gewalttätig, unberechenbar und psychotisch. Als er diesen Satz hört, wird ihm ganz anders. Er weiß sofort, dass sein bester Freund nicht vor neun Jahren im Schnee gestorben ist.
Trevor kämpft sich durch rivalisierende Biker-Gangs nach Los Santos und steht plötzlich in Michaels Wohnzimmer. Die Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen. Michael hat panische Angst vor Trevors Wut, und Trevor ist stinksauer auf Michael, weil der ihn so lange angelogen hat. Trotzdem halten sie zusammen, denn sie haben ein echtes Problem.
Akt 3: Marionetten der Regierung und der Traum vom großen Wurf
Michaels Rückkehr in die Kriminalität hat das FIB (Dave Norton und sein skrupelloser Vorgesetzter Steve Haines) auf den Plan gerufen. Haines zwingt Michael, Franklin und Trevor, gefährliche Geheimoperationen für das FIB durchzuführen, um seine eigene Korruption zu vertuschen und die rivalisierende CIA (im Spiel „IAA“ genannt) zu schwächen. Gleichzeitig werden sie von dem Milliardär Devin Weston für einen Autodiebstahl-Ring rekrutiert, der sie am Ende um ihren Lohn betrügt.
Die drei Hauptfiguren planen derweil den „Big Score“ – den Überfall auf die Union Depository, die am stärksten bewachte Bank der Welt. Ihr Plan: Mit Millionen in den endgültigen Ruhestand zu gehen.
Aber die Spannungen im Team werden immer größer. Trevor findet heraus, wer im Sarg in North Yankton liegt. Er fliegt dahin, gräbt das Grab auf und findet statt Michaels Leiche die Überreste von Brad. Die Gruppe ist total geschockt, weil Michael sie so krass verraten hat. Nur durch Franklins Vermittlung und die Notwendigkeit, den Big Score durchzuziehen, reißen sie sich noch einmal zusammen.
Der Überfall auf die Union Depository gelingt. Sie haben über 200 Millionen Dollar in Goldbarren erbeutet. Doch der Frieden währt nur kurz.
Das Finale: Die Entscheidung (A, B oder C)
Das FIB und der Milliardär Devin Weston wollen die Sache zu Ende bringen. Weil sie Michael und Trevor für unkontrollierbar halten, wenden sie sich an Franklin. Devin Weston befiehlt Franklin, Michael zu töten. Steve Haines befiehlt Franklin, Trevor zu töten. Der Spieler steht vor der entscheidendsten Wahl der Serie:
Option A: Etwas Vernünftiges (Trevor töten)
Franklin entscheidet sich, Trevor an das FIB zu verraten. Michael hilft ihm dabei. Sie jagen Trevor in eine Ölraffinerie, wo er in eine Pfütze aus Benzin stürzt. Franklin feuert, und Trevor wird bei lebendigem Leib verbrannt. Michael und Franklin teilen die Beute und gehen getrennte Wege. Aber der eiskalte Verrat zerstört für immer ihre Freundschaft.
Option B: Die Zeit ist reif (Michael töten)
Franklin entscheidet sich, seinen Mentor an Weston zu verraten. Er hetzt Michael auf das Dach einer Fabrik. Michael fällt über die Brüstung und Franklin lässt ihn in den Tod stürzen. Trevor ist stinksauer auf Franklin und reagiert auf den Verrat mit dem Abbruch jeglicher Kontakte. Franklin bleibt reich, aber völlig allein zurück.
Option C: Todeswunsch (der dritte Weg)
Das ist das kanonische und wahre Ende von GTA V. Franklin will seine Freunde nicht verraten. Er ruft Michael und Trevor an und die drei beschließen, den Spieß umzudrehen. In einer heftigen Schießerei in einer Gießerei schlagen sie die kombinierten Armeen von FIB und Söldnern zurück.
Danach teilen sie sich auf, um alle Feinde einzeln auszuschalten. Michael hat Franklins alten Gang-Rivalen Stretch umgebracht. Franklin hat den Triaden-Boss Wei Cheng beseitigt. Trevor hat dem korrupten Steve Haines, während der eine TV-Show moderiert hat, eine Kugel in den Kopf gejagt.
Zuletzt stürmt Trevor das Haus von Devin Weston, wirft ihn gefesselt in den Kofferraum seines eigenen Autos und fährt ihn zu den Klippen am Ozean.
Der Epilog: Sonnenuntergang über dem Pazifik
Die drei Männer treffen sich an den Klippen. Weston fleht um sein Leben, aber das Trio hat genug von den Reichen und Mächtigen, die die Welt wie ihr Spielzeug behandeln. Michael, Franklin und Trevor schieben das Auto mit Devin Weston über die Klippe. Es kracht krachend auf den Felsen im Meer.
Ihre Feinde sind jetzt tot. Die haben Millionen auf den Konten. Trevor und Michael schließen einen wackligen Frieden, und Franklin hat bewiesen, dass er der Kleinkriminalität endgültig entwachsen ist. Während die Sonne über dem Pazifischen Ozean und der glitzernden Skyline von Los Santos untergeht, gehen die drei als freie Männer getrennte Wege.

