Leute, die auf Filme und Serien stehen, haben bei Disney+ in Deutschland gerade einen bösen Überraschungsmoment erlebt. Wer visuelle Highlights wie Avatar, Deadpool & Wolverine oder aktuelle Serien-Releases in voller Pracht genießen möchte, blickt aktuell in die Röhre. Voll überraschend hat der Streaming-Riese die Wiedergabe in 4K-Auflösung und mit mehr Dynamik (HDR) auf allen Geräten und für alle Tarife erstmal komplett deaktiviert.
Ein Patentstreit als Ursache der Einschränkung
Hintergrund dieser Maßnahme ist eine juristische Auseinandersetzung. Ein Patentstreit mit dem Unternehmen InterDigital ist eskaliert. InterDigital hält zentrale Patente an der HEVC-Videokompressionstechnik. Diese Technologie ist essenziell, um hochauflösende Videodaten bei moderatem Datenverbrauch effizient über das Internet zu streamen.
Nach Auffassung des Lizenzinhabers bildet diese Kompression die Grundlage für das hochwertige Seherlebnis, mit dem Streaming-Anbieter wie Disney höhere Abogebühren rechtfertigen. InterDigital fordert daher eine Beteiligung an den Einnahmen. Nachdem die Düsseldorfer Lokalkammer des Einheitlichen Patentgerichts (UPC) eine entsprechende Verfügung erlassen hat, sah sich Disney+ zum Handeln gezwungen. Das Streaming-Unternehmen erklärte, die Entscheidung zu bedauern und die Frustration der Kundschaft zu teilen, aufgrund der Rechtslage jedoch keinen anderen Ausweg gesehen zu haben.
Voller Abopreis trotz reduzierter Bildqualität
Für die Abonnenten heißt das, dass sie Abstriche im Heimkino machen müssen. Sogar die Nutzer des Premium-Tarifs für 16 Euro im Monat kriegen Inhalte derzeit nur noch in einer maximalen Auflösung von 1080p (Full HD) und im Standard-Dynamikumfang (SDR). Schon in der Vergangenheit gab es wegen des Streits zeitweise Ausfälle von Formaten wie Dolby Vision oder 3D, aber der aktuelle Schritt betrifft alle hochauflösenden Formate.
Was den Ärger noch schlimmer macht, ist, dass der Anbieter nicht richtig kommuniziert. Disney hat seine Kundschaft nicht vorab über die plötzliche Qualitätsreduzierung informiert. Außerdem wird das Premium-Abo in der offiziellen Übersicht immer noch mit 4K-Inhalten beworben, aber Hinweise auf HDR-Unterstützung sind jetzt weg.
Verbraucherschützer prüfen rechtliche Schritte
Jetzt gerät der Konzern aber in Schwierigkeiten, weil die Bildqualität nicht so gut ist, wie sie eigentlich sein sollte. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen prüft gerade, ob sie Disney+ juristisch belangen kann. Schon bei früheren Leistungseinschränkungen haben Verbraucherschützer den Betroffenen geraten, die Monatsgebühren wegen des reduzierten Angebots selbst zu mindern und Differenzbeträge zurückzufordern. Wann sich die beiden Parteien einigen und ob 4K sowie HDR auf Disney+ in Deutschland zurückkehren, ist aktuell noch völlig offen.

