Wer den klassischen N64-Shootern der späten 90er Jahre nachtrauert und sich nach den Zeiten sehnt, in denen Polygon-Gegner noch kantig und die Fadenkreuze klobig waren, könnte mit Agent 64: Spies Never Die eine gute Wahl treffen. Das Spiel orientiert sich von der ersten Sekunde an an seinen Vorbildern und fängt den legendären Vibe von GoldenEye 007 nahezu exakt ein. Meine persönliche Vorliebe galt damals eher „The World Is Not Enough“ (TWINE), da es meiner Meinung nach eine filmischere Inszenierung und eine dichtere Atmosphäre bot. Dennoch spüre ich in jeder Zeile von „Code“ die Hingabe der Entwickler an die goldene Ära der Konsolen-Shooter.
Gameplay & Sound: „On point gekocht“ und herrlich nostalgisch
In Bezug auf das reine Spielgefühl der Waffen ist der Titel durchaus überzeugend. Ich denke, dass sowohl das Gunplay als auch die gesamte Soundkulisse sehr gut gelungen sind. Die Geräuschkulisse erinnert an die Ära der Röhrenfernseher: Die schallgedämpften Pistolen erzeugen ein präzises Klangbild, die Sturmgewehre verströmen einen charismatischen Lo-Fi-Charme, und das charakteristische Auto-Aim-Gefühl vergangener Tage wurde auf bemerkenswerte Weise in die Moderne übertragen. Das Schießen fühlt sich angenehm flüssig und befriedigend an. Der Retro-Shooter erweist sich als durchaus herausfordernd.
Mehr Rambo als James Bond: Das Problem mit dem Stealth
Wenn es einen Aspekt gibt, den ich am Missions-Design des Spiels am meisten bedauere, dann ist es die fast völlige Abwesenheit echter Stealth-Elemente. Wer bei einem Agentenspiel leise durch Gänge schleichen, Wachen lautlos ausschalten, Sichtkegeln ausweichen oder Kameras geschickt umgehen möchte, könnte in diesem Spiel enttäuscht werden. Ich kann bestätigen, dass der Schalldämpfer auf der Pistole zwar eine gewisse Kultstatus besitzt, in der Praxis jedoch oft nur eine kosmetische Funktion erfüllt.
Statt clevere, unauffällige Routen zu planen oder Alarme taktisch zu vermeiden, arteten die Level fast immer in offene Feuergefechte aus. Das Spielerlebnis erinnert stellenweise an einen düsteren Agenten-Thriller. In diesem Spiel bewegt man sich in erster Linie von Raum zu Raum und hat die Möglichkeit, Objekte zu eliminieren, die sich bewegen. Das unkomplizierte Run-and-Gun-Spielprinzip mag zwar mechanisch reizvoll sein, es verfehlt jedoch das Gefühl, ein elitärer Spion zu sein, der im Verborgenen operiert. Es ist ein Arcade-Shooter entstanden, der den Spionage-Aspekt leider vernachlässigt.

Zu sauber für echte Spione
Das World-Building könnte zudem noch optimiert werden. Die Level erwecken durch die verwendete moderne Engine leider manchmal den Eindruck, als seien sie allzu glatt poliert, steril und stellenweise seltsam leer. Moderne Beleuchtung könnte hier möglicherweise eher kontraproduktiv sein. Es fehlt dieser kleine, dreckige Detailgrad, der Räume erst richtig lebendig macht – die verpixelten Kaffeetassen auf den Schreibtischen oder die vollgestopften Aktenregale. Es entsteht bisweilen der Eindruck, durch eine frisch geputzte Filmkulisse zu laufen, anstatt durch eine belebte Militärbasis zu gehen.
Fazit & Multiplayer: Die Rettung auf der Couch
Der Multiplayer-Modus vermag das Spielerlebnis jedoch wieder erheblich zu bereichern. Dieser erinnert auf charmante Weise an das gemütliche Couch-Gefühl vergangener Zeiten. Vier Personen sitzen gemeinsam vor einem Bildschirm, beobachten heimlich den Bildschirm des Gegners und platzieren strategisch Minen – eine nostalgische Erfahrung.
The Review
Review - Agent 64: Spies Never Die (PC)
Eine klare Empfehlung an alle, die einfach nur nostalgisch und schnörkellos losballern wollen. Wer aber ein echtes Spionage-Erlebnis mit Schleichpassagen und cleveren Levelstrukturen erwartet, ist hier leider im falschen Film.
PROS
- Gunplay und Soundkulisse sind meisterhaft und extrem befriedigend umgesetzt.
- Der legendäre GoldenEye-Vibe der späten 90er wurde optisch perfekt eingefangen.
- Großartiger, spaßerprobter Multiplayer-Modus für lokale Matches.
CONS
- Kaum bis keine Stealth-Mechaniken – das Spiel verkommt viel zu schnell zum reinen Run-and-Gun-Shooter.
- Die Spielwelt wirkt durch die moderne Engine zu steril, leer und glatt poliert.
- Das Missions-Design bietet kaum echtes Agenten-Feeling.

