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Wild West Pioneers – Early Access Review (PC)

© Toplitz Productions

Wild West Pioneers – Early Access Review (PC)

by Paul Motek
9. Oktober 2026
in Games Review, Review
© Toplitz Productions

Ein eigenes Stück Land, ein paar mutige Siedler und der Traum vom großen Glück. Der Wilde Westen bietet eigentlich die perfekten Voraussetzungen für ein Aufbauspiel. Doch wie schwierig kann es schon sein, aus einer Handvoll Zelten eine florierende Stadt mit Saloon, Geschäften und einer funktionierenden Wirtschaft zu errichten? Genau dieser Herausforderung stellen wir uns in Wild West Pioneers.

Das Entwicklerstudio EmpireCraft Studios schickt uns gemeinsam mit Publisher Toplitz Productions auf eine Reise in den amerikanischen Westen. Statt mit Revolvern und Pferden für Recht und Ordnung zu sorgen, kümmern wir uns um den Aufbau unserer eigenen Siedlung. Dabei müssen wir Ressourcen beschaffen, Produktionsketten organisieren und die Bedürfnisse unserer stetig wachsenden Bevölkerung erfüllen. Gleichzeitig erwartet uns eine persönliche Geschichte, die uns weit über die Grenzen unserer ersten Siedlung hinausführt.

Doch wie viel Wilder Westen steckt tatsächlich in diesem City Builder? Und kann Wild West Pioneers bereits im Early Access überzeugen, oder benötigt das Aufbauspiel noch etwas Zeit, bis aus der kleinen Siedlung eine echte Westernstadt wird?

Auf der Suche nach einem neuen Leben

Der amerikanische Westen verspricht Freiheit, Wohlstand und die Möglichkeit, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Genau diese Hoffnung treibt auch die Siedler in Wild West Pioneers an. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Pionieren brechen wir auf, um fernab der bestehenden Städte eine neue Heimat aufzubauen. Allerdings verfolgen wir dabei auch ein persönliches Ziel: Wir wollen herausfinden, was mit unserem verschollenen Vater geschehen ist, der während des Goldrausches aufgebrochen und anschließend nicht mehr zurückgekehrt ist.

Bevor unsere Reise beginnt, entscheiden wir uns für einen von vier spielbaren Charakteren. Die Auswahl hat allerdings keinen Einfluss auf die Handlung oder die spielerischen Möglichkeiten. Es handelt sich lediglich um eine kosmetische Entscheidung. Unabhängig davon, wen wir auswählen, verfolgen wir dieselben Ziele und erleben die gleichen Ereignisse.

Unsere Geschichte beginnt mit der Gründung einer kleinen Siedlung namens Dust Creek. Zwischen zwei Flüssen finden wir ein fruchtbares Stück Land, das sich für den Aufbau einer neuen Heimat anbietet. Anfangs stehen uns nur wenige Möglichkeiten zur Verfügung. Unsere Siedler müssen sich mit einfachen Zelten zufriedengeben, während wir die ersten Gebäude errichten und eine grundlegende Versorgung sicherstellen. Aus diesem bescheidenen Anfang soll im Laufe der Zeit eine florierende Stadt entstehen.

Allerdings geht es in Wild West Pioneers nicht ausschließlich darum, immer größere Gebäude zu errichten und die Bevölkerung wachsen zu lassen. Die Entwickler versuchen, den klassischen Siedlungsbau mit einer fortlaufenden Geschichte zu verbinden. Immer wieder treten Bewohner mit persönlichen Anliegen an uns heran, die wir im Rahmen kleiner Story-Quests bearbeiten können. Dabei erfahren wir mehr über einzelne Charaktere und erhalten zusätzliche Aufgaben, die uns neben dem eigentlichen Stadtmanagement beschäftigen.

Diese Geschichten sind meist überschaubar und schnell abgeschlossen. Große emotionale Momente oder besonders komplexe Entscheidungen sollten wir deshalb nicht erwarten. Vielmehr handelt es sich um kleine Anekdoten, die den Alltag unserer Siedlung auflockern. Die Aufgaben sind in der Regel verständlich aufgebaut und lassen uns nur selten darüber rätseln, wie wir vorgehen müssen. Auch die Auswirkungen unserer Entscheidungen bleiben häufig vorhersehbar.
Dennoch gefällt uns grundsätzlich der Ansatz, den Siedlern eine größere Bedeutung zu geben. In vielen Aufbauspielen beschränken sich die Bewohner auf ihre Funktion als Arbeitskräfte oder auf statistische Werte. Hier sollen sie zumindest gelegentlich eigene Geschichten erzählen und uns daran erinnern, dass hinter unserer wachsenden Stadt auch persönliche Schicksale stehen.

Mehr als nur eine einzelne Siedlung

© Toplitz Productions

Mit zunehmendem Fortschritt beschränkt sich unser Einflussgebiet nicht mehr auf Dust Creek. Über Expeditionen und Erkundungsmissionen können wir weitere Regionen entdecken und nach geeigneten Standorten für zusätzliche Siedlungen suchen. Dadurch entwickelt sich unser anfänglich kleines Bauprojekt allmählich zu einem größeren Vorhaben, bei dem wir mehrere Orte erschließen und wirtschaftlich weiterentwickeln können.

Diese Erweiterung ist für den langfristigen Spielumfang besonders interessant. Statt lediglich eine einzelne Stadt immer weiter auszubauen, erhalten wir die Möglichkeit, neue Landschaften zu erschließen und unsere Präsenz im Westen zu vergrößern. Auch die Suche nach unserem Vater führt uns über die Grenzen unserer ersten Siedlung hinaus.

Der Fortschritt ist dabei eng mit dem Baugeschehen verknüpft. Neue Gebäude, zusätzliche Möglichkeiten und weitere Entwicklungsstufen werden erst nach und nach freigeschaltet. Dadurch entsteht eine recht klare Abfolge von Aufgaben, die uns durch die ersten Spielstunden begleitet. Wer bereits Erfahrung mit City Buildern gesammelt hat, wird allerdings feststellen, dass sich das Spiel zunächst viel Zeit nimmt, bevor umfangreichere Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
Die Geschichte selbst bleibt trotz der verschiedenen Ereignisse eher oberflächlich. Zwar gibt es regelmäßig neue Gesprächspartner und kleinere Überraschungen, eine besonders tiefgründige Handlung entwickelt sich daraus bislang jedoch nicht. Auch die Entscheidungen, die wir beispielsweise bei der Besetzung bestimmter Ämter treffen, könnten spürbarere Auswirkungen auf unsere Siedlung haben.

Für den Early Access ist bereits eine ordentliche Grundlage vorhanden. Neben den Story-Quests erwarten uns verschiedene Entwicklungsstufen, zahlreiche Gebäude, ein umfangreicher Ideenbaum und die Möglichkeit, zusätzliche Regionen zu erkunden. EmpireCraft Studios plant außerdem, das Spiel während der weiteren Entwicklung um neue Quests, Gebäude, Ressourcen und Landschaftstypen zu erweitern. Auch zusätzliche Regionen für die Strategiekarte und Wettereffekte wurden angekündigt.

Zwischen Ressourcenmanagement und Siedlerwünschen

Spielerisch orientiert sich Wild West Pioneers an klassischen Aufbaustrategiespielen. Wir beginnen mit einer kleinen Gruppe von Siedlern und müssen zunächst die wichtigsten Voraussetzungen für eine funktionierende Gemeinschaft schaffen. Dazu gehören Unterkünfte, eine zuverlässige Lebensmittelversorgung und ausreichend Baumaterial, um unsere Stadt Stück für Stück zu erweitern.

Unsere ersten Bauvorhaben sind entsprechend überschaubar. Wir errichten ein Rathaus, stellen einfache Wohnzelte auf und kümmern uns anschließend um Holzfäller, Lagerhäuser und weitere Produktionsgebäude. Mit jeder neuen Einrichtung wächst unsere Siedlung, gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an unsere Wirtschaft.

Die grundlegenden Mechaniken dürften erfahrenen Genre-Fans schnell vertraut vorkommen. Ressourcen müssen gesammelt, verarbeitet und zu den jeweiligen Gebäuden transportiert werden. Gleichzeitig benötigen unsere Bewohner eine funktionierende Versorgung, damit sie langfristig in unserer Stadt bleiben und ihre Arbeit erledigen können.

Einsteiger werden dabei nicht allein gelassen. Auf Wunsch können wir ein Tutorial aktivieren, das uns die wichtigsten Funktionen erklärt. Darüber hinaus dienen die zahlreichen Quests als Leitfaden, der uns schrittweise an neue Mechaniken heranführt. Dadurch fällt der Einstieg vergleichsweise leicht, selbst wenn wir bislang nur wenig Erfahrung mit komplexeren Aufbauspielen gesammelt haben.

Freier Siedlungsbau mit einigen Einschränkungen

© Toplitz Productions

Eine der angenehmen Eigenschaften von Wild West Pioneers ist das rasterlose Bausystem. Wir sind nicht an ein starres Gitternetz gebunden und können unsere Gebäude relativ frei in der Landschaft platzieren. Dadurch haben wir die Möglichkeit, unsere Stadt nach eigenen Vorstellungen zu gestalten und beispielsweise kleinere Straßenzüge oder zusammenhängende Wohngebiete anzulegen.

Allerdings bedeutet die freie Platzierung nicht, dass wir unsere Gebäude völlig unabhängig voneinander errichten können. Viele Einrichtungen benötigen bestimmte natürliche Ressourcen oder müssen innerhalb des Einflussbereichs anderer Gebäude liegen.

Wohnzelte benötigen beispielsweise eine Wasserversorgung. Diese kann durch einen nahe gelegenen Fluss oder durch unterirdische Wasservorkommen sichergestellt werden. Holzfäller müssen in der Nähe geeigneter Wälder arbeiten, während Jagdhütten auf entsprechende Tiervorkommen angewiesen sind. Um geeignete Standorte zu finden, können wir in eine spezielle Kartenansicht wechseln, die uns unter anderem Wasserquellen und Pilzvorkommen anzeigt. Hinzu kommen verschiedene Logistikgebäude. Produktionsstätten benötigen Lagerflächen, während unsere Bewohner beispielsweise durch Lebensmittelgeschäfte oder einen Saloon versorgt werden. Entscheidend ist dabei häufig der Einflussradius der jeweiligen Einrichtung.

Genau hier zeigt Wild West Pioneers allerdings eine seiner größten spielerischen Schwächen. Die Reichweiten vieler Gebäude fallen zunächst ausgesprochen gering aus. Selbst ein Brunnen oder ein Barbier kann ohne entsprechende Verbesserungen nur einen kleinen Bereich unserer Siedlung abdecken. Wie groß dieser Bereich tatsächlich ist, hängt unter anderem von der Anzahl der zugewiesenen Arbeitskräfte ab.

Das führt dazu, dass wir unsere Stadt teilweise sehr eng bebauen müssen, um möglichst viele Gebäude innerhalb der notwendigen Versorgungsbereiche unterzubringen. Alternativ errichten wir mehrere Einrichtungen derselben Art, was wiederum zusätzliche Ressourcen und Arbeitskräfte verschlingt.

Gerade in den ersten Spielstunden kann dadurch ein recht unorganisches Stadtbild entstehen. Zwar können wir Gebäude nachträglich relativ unkompliziert versetzen, dennoch hätten wir uns bei einigen Einrichtungen großzügigere Grundreichweiten gewünscht. Erst durch entsprechende Upgrades lassen sich diese Einschränkungen teilweise ausgleichen.

Arbeitskräfte sind unsere wichtigste Ressource

© Toplitz Productions

Besonders interessant ist die Verwaltung unserer Siedler. In Wild West Pioneers müssen wir nicht nur dafür sorgen, dass ausreichend Arbeitsplätze vorhanden sind, sondern auch entscheiden, wie viele Bewohner wir den einzelnen Betrieben zuweisen.

Je nach Einrichtung können wir mehrere Siedler beschäftigen, teilweise zwischen fünf und zehn Personen. Die Anzahl der Arbeitskräfte beeinflusst dabei die Produktivität und bei bestimmten Einrichtungen auch den Versorgungsradius. Allerdings müssen wir unsere Bewohner nicht dauerhaft an einen Arbeitsplatz binden. Stattdessen können wir sie jederzeit zwischen verschiedenen Betrieben verschieben und dadurch flexibel auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren.

Benötigen wir beispielsweise dringend Holz für ein neues Gebäude, können wir zusätzliche Siedler beim Holzfäller einsetzen. Sobald ausreichend Baumaterial vorhanden ist, ziehen wir einen Teil der Arbeitskräfte wieder ab und beschäftigen sie in anderen Bereichen. Auf diese Weise lässt sich unsere Wirtschaft an den aktuellen Bedarf anpassen.

Dieses System gefällt uns, weil es dem Ressourcenmanagement eine zusätzliche taktische Komponente verleiht. Nicht immer ist es notwendig, sofort eine weitere Produktionsstätte zu errichten. Häufig reicht es bereits aus, vorhandene Betriebe vorübergehend mit mehr Personal auszustatten.

Gleichzeitig müssen wir darauf achten, unsere Arbeitskräfte nicht unnötig zu verschwenden. Wenn ein Lager bereits vollständig gefüllt ist, bringt es uns wenig, weiterhin sämtliche verfügbaren Siedler in der entsprechenden Produktion zu beschäftigen. Sinnvoller ist es, diese vorübergehend in anderen Betrieben einzusetzen.

Allerdings funktioniert die Warenwirtschaft noch nicht immer so reibungslos, wie wir es uns wünschen würden. Besonders der Transport von Ressourcen kann ausgesprochen langsam ausfallen. Selbst wenn ausreichend Arbeitskräfte vorhanden sind und die Wege zwischen Produktionsstätten und Lagerhäusern kurz ausfallen, dauert es teilweise überraschend lange, bis benötigte Materialien tatsächlich am Ziel ankommen.

Dadurch entstehen gelegentlich unnötige Wartezeiten. Gerade in der Anfangsphase, in der wir für nahezu jedes neue Gebäude größere Mengen Holz benötigen, kann das den Spielfluss erheblich ausbremsen.

Produktionsketten und Wirtschaft erfordern Geduld

© Toplitz Productions

Mit wachsender Bevölkerung müssen wir unsere wirtschaftlichen Abläufe immer genauer im Auge behalten. Es reicht nicht mehr aus, lediglich Holz zu beschaffen und einige Zelte aufzustellen. Unsere Bewohner benötigen Lebensmittel, verschiedene Dienstleistungen und zunehmend komfortablere Unterkünfte.

Dafür müssen wir neue Produktionsstätten errichten und dafür sorgen, dass die benötigten Waren zuverlässig zur Verfügung stehen. Lagerhäuser übernehmen dabei eine wichtige Rolle, da sie unsere Ressourcen aufnehmen und die Versorgung der umliegenden Einrichtungen unterstützen.

Viele Probleme werden uns durch kleine Symbole über den jeweiligen Gebäuden angezeigt. So erkennen wir beispielsweise, wenn Arbeitskräfte fehlen, ein Lagerhaus zu weit entfernt liegt oder die Lagerkapazitäten erschöpft sind. Allerdings ist die Kommunikation nicht durchgehend gelungen. Manche Produktionsabläufe setzen zusätzliche Arbeitsschritte voraus, die das Spiel nur unzureichend erklärt. Ein Beispiel sind Felder, die wir separat anlegen müssen, bevor bestimmte landwirtschaftliche Betriebe überhaupt mit ihrer Arbeit beginnen können.

Übersehen wir solche Voraussetzungen, kann es passieren, dass eine Produktionskette stillsteht, obwohl wir auf den ersten Blick alle notwendigen Gebäude errichtet haben. Hier fehlt es stellenweise an verständlichen Hinweisen, die uns schneller auf die Ursache aufmerksam machen.

Auch das Wirtschaftswachstum benötigt einiges an Geduld. Während immer neue Siedler auf der Suche nach einer Heimat eintreffen, müssen wir gleichzeitig sicherstellen, dass unsere vorhandenen Ressourcen für die Versorgung ausreichen. Können wir zusätzliche Bewohner momentan nicht aufnehmen, dürfen wir sie zunächst abweisen. Das verschafft uns Zeit, unsere Wirtschaft weiterzuentwickeln und zusätzliche Unterkünfte bereitzustellen.

Unsere Einnahmen erzielen wir unter anderem über städtische Einrichtungen wie Lebensmittelgeschäfte oder den Saloon. Dieses Geld benötigen wir wiederum für verschiedene Verbesserungen, mit denen wir die Effizienz unserer bestehenden Betriebe erhöhen können.

Trotz der zahlreichen Aufgaben bleibt Wild West Pioneers insgesamt ein vergleichsweise entspanntes Aufbauspiel. Wir stehen nur selten unter einem derart hohen Druck, dass wir permanent auf drohende Katastrophen reagieren müssen. Stattdessen können wir uns Zeit nehmen, unsere Wirtschaft beobachten und bei Bedarf kleinere Anpassungen vornehmen.

Das hat allerdings auch eine Kehrseite. Besonders am Anfang entwickelt sich das Spiel recht langsam und bietet nur wenige Herausforderungen, die erfahrene Genre-Fans ernsthaft beschäftigen dürften. Die zunehmende Komplexität entsteht eher schrittweise, ohne dass wir ständig vor besonders schwierige Entscheidungen gestellt werden.

Der Ideenbaum bestimmt unseren Fortschritt

© Toplitz Productions

Eine zentrale Rolle übernimmt der sogenannte Ideenbaum. Über dieses umfangreiche Fortschrittssystem schalten wir neue Gebäude und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten frei. Anders als in manchen Aufbauspielen stehen uns nicht sämtliche Einrichtungen von Beginn an zur Verfügung. Stattdessen müssen wir bestimmte Aufgaben erfüllen, Gebäude errichten oder andere Voraussetzungen abschließen, um neue Ideenpunkte zu erhalten.

Diese Punkte investieren wir anschließend in weitere Freischaltungen. Dadurch erweitert sich unser Bauangebot nach und nach um zusätzliche Produktionsstätten, Versorgungsgebäude und Einrichtungen, mit denen wir unsere Siedlung attraktiver gestalten können.

Besonders interessant ist, dass der Ideenbaum nicht ausschließlich neue Gebäude enthält. Bereits freigeschaltete Einrichtungen verfügen über zusätzliche Verbesserungsmöglichkeiten, die wir gegen Bargeld erwerben können. So lassen sich beispielsweise die Produktionsmengen bestimmter Betriebe erhöhen, Einflussbereiche vergrößern oder die Einnahmen unserer Geschäfte verbessern. Beim Saloon können wir etwa durch entsprechende Upgrades höhere Gewinne erzielen.

Damit stehen wir regelmäßig vor der Entscheidung, ob wir unsere vorhandene Infrastruktur verbessern oder lieber auf neue Gebäude hinarbeiten möchten. Gerade diese Abwägung gehört für uns zu den interessanteren Bestandteilen des Wirtschaftssystems. Eine zusätzliche Produktionsstätte benötigt Platz, Baumaterial und Arbeitskräfte. Manchmal ist es deshalb wirtschaftlicher, zunächst einen vorhandenen Betrieb aufzuwerten.

Der Ideenbaum fällt bereits recht umfangreich aus und bietet zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten. Allerdings kann die schrittweise Freischaltung den ohnehin gemächlichen Spielbeginn zusätzlich verlängern. Da bestimmte Gebäude erst nach dem Abschluss entsprechender Aufgaben verfügbar werden, müssen wir gelegentlich warten, obwohl wir die benötigten Ressourcen bereits besitzen.

Die Siedler haben auch persönliche Wünsche

© Toplitz Productions

Neben der wirtschaftlichen Versorgung müssen wir uns um die Zufriedenheit unserer Bewohner kümmern. Dafür verfügt Wild West Pioneers über das sogenannte Whims-System.

Mit zunehmender Entwicklung unserer Siedlung äußern die Bewohner persönliche Wünsche, die über ihre grundlegenden Bedürfnisse hinausgehen. Während anfangs ein einfaches Zelt und ausreichend Nahrung genügen, wünschen sie sich später komfortablere Häuser, zusätzliche Einrichtungen oder bestimmte Dekorationen.

Dabei geht es nicht immer nur um größere Bauprojekte. Manche Siedler interessieren sich beispielsweise für Haustiere oder Musikinstrumente, während andere bestimmte Verschönerungen innerhalb ihrer Nachbarschaft erwarten.
Erfüllen wir diese Wünsche, steigern wir ihre Zufriedenheit und geben unserer Siedlung gleichzeitig mehr Persönlichkeit.

Das gefällt uns besonders, weil die Bewohner dadurch nicht ausschließlich als Arbeitskräfte wahrgenommen werden. Wir müssen gelegentlich auch darüber nachdenken, wie angenehm das Leben in unserer Stadt eigentlich ist. Ein weiterer Bestandteil ist die Verbesserung bestehender Wohnhäuser. Aus einfachen Unterkünften entstehen mit der Zeit ansehnlichere Gebäude, die sich auch optisch deutlich von ihren Vorgängern unterscheiden. Allerdings steigen damit ebenfalls die Ansprüche der Bewohner. Neue Wohnstufen können zusätzliche Wünsche auslösen, wodurch wir weitere Dekorationen oder Einrichtungen bereitstellen müssen.

Das System verbindet den klassischen Städtebau mit kleineren persönlichen Aufgaben. Gerade für diejenigen, die ihre Siedlungen gerne bis ins Detail gestalten, entsteht dadurch eine zusätzliche Motivation.

Expeditionen führen uns über die Stadtgrenzen hinaus

© Toplitz Productions

Abwechslung vom eigentlichen Siedlungsbau bieten die Expeditionen. Dafür können wir einen Planwagen mit Vorräten ausstatten und unsere Scouts in bisher unbekannte Regionen schicken. Die Erkundung erfolgt über eine gezeichnete Strategiekarte, auf der wir verschiedene interessante Orte ansteuern können. Unterwegs erwarten uns Händler, zusätzliche Ressourcen, versteckte Schätze und kleinere Ereignisse. An bestimmten Schauplätzen wechseln wir in eine Art Wimmelbild-Ansicht, in der wir nach nützlichen Gegenständen und Rohstoffen suchen können. Diese nehmen wir anschließend mit zurück in unsere Siedlung. Darüber hinaus können sich aus einzelnen Entdeckungen kleinere Geschichten entwickeln, die uns über mehrere Schauplätze hinweg beschäftigen.

Die Expeditionen bieten damit eine willkommene Abwechslung zu den Produktionsketten und Bauvorhaben. Allerdings bleibt der spielerische Anspruch dieser Erkundungen bislang recht überschaubar. Die meisten Aufgaben lassen sich ohne größere Schwierigkeiten erledigen, sodass die Entdeckungen eher von ihrer Atmosphäre und den kleinen Geschichten leben.

Langfristig eröffnen die Erkundungen jedoch zusätzliche Möglichkeiten. Wir können neue Siedlungsgebiete entdecken, weitere Orte erschließen und unser Handelsnetz ausbauen. Dadurch erhält die Entwicklung unserer ersten Stadt ein übergeordnetes Ziel.

Technisch noch nicht vollständig ausgereift

© Toplitz Productions

Dass sich Wild West Pioneers noch im Early Access befindet, bemerken wir an verschiedenen Stellen. Besonders die Bedienung könnte an einigen Punkten etwas komfortabler ausfallen. Das Platzieren bestimmter Gebäude und landwirtschaftlicher Flächen wirkt teilweise unnötig umständlich. Hinzu kommen die bereits angesprochenen Probleme bei den Gebäudereichweiten, gelegentlich stockende Produktionsketten und fehlende Hinweise auf bestimmte Voraussetzungen.

Auch die vielen Gesprächsereignisse können den Spielfluss beeinträchtigen. Neue Siedler, kurzfristige Versorgungsprobleme oder der Beginn einer Story-Quest führen regelmäßig dazu, dass sich NPCs bei uns melden. Teilweise folgen die Gespräche so schnell aufeinander, dass sich verschiedene Meldungen regelrecht überschneiden. Gerade wenn wir uns auf den Aufbau unserer Siedlung konzentrieren möchten, können diese ständigen Unterbrechungen störend wirken.

Größere technische Schwierigkeiten oder schwerwiegende Bugs stehen dagegen nicht grundsätzlich im Vordergrund. Vereinzelt können Quests hängen bleiben, ohne dass dadurch zwangsläufig der gesamte Spielfortschritt blockiert wird.
Dennoch gibt es beim Balancing, bei der Benutzerführung und beim allgemeinen Pacing noch einiges zu verbessern. Gerade die ersten Spielstunden könnten von einem flüssigeren Fortschritt profitieren, damit wir nicht unnötig lange auf neue Baumöglichkeiten warten müssen.

Zwischen idyllischer Landschaft und staubiger Westernstadt

Optisch setzt Wild West Pioneers auf eine vergleichsweise freundliche Darstellung des amerikanischen Westens. Statt ausschließlich trockene Wüsten, staubige Straßen und karge Felslandschaften zu präsentieren, beginnt unsere Reise in einer grünen und fruchtbaren Region.

Die Landschaft rund um Dust Creek ist von Flüssen und Vegetation geprägt. Das sieht grundsätzlich ordentlich aus, vermittelt allerdings zunächst nur wenig von der typischen Westernatmosphäre, die wir mit dem Setting verbinden.
Gerade zu Beginn könnten die ersten Gebäude und die umliegende Landschaft beinahe aus einem gewöhnlichen Aufbauspiel mit einem völlig anderen historischen Hintergrund stammen. Die charakteristische Westernoptik entwickelt sich erst, wenn wir unsere Siedlung weiter ausbauen und zusätzliche Einrichtungen freischalten.

Mit der Zeit entstehen aus einfachen Zelten ansehnliche Holzhäuser, während immer mehr Gebäude das Stadtbild prägen. Besonders Einrichtungen wie der Saloon oder eine rustikale Holzkirche tragen dazu bei, dass unsere Siedlung allmählich wie eine klassische Westernstadt aussieht.

Auch die unterschiedlichen Landschaftstypen machen einen deutlichen Unterschied. Während die grünen Gebiete zunächst recht unspektakulär wirken, vermitteln sandige und felsige Regionen in der Nähe von Minen wesentlich stärker das Gefühl, tatsächlich im amerikanischen Westen unterwegs zu sein.

Kleine Details sorgen für eine lebendige Stadt

© Toplitz Productions

Eine der optischen Stärken zeigt sich, wenn wir näher an unsere Gebäude heranzoomen. Hier entdecken wir zahlreiche Details, die aus der Vogelperspektive zunächst kaum auffallen. Unsere Bewohner bewegen sich durch die Straßen, gehen ihren Beschäftigungen nach und nutzen die Einrichtungen, die wir für sie errichtet haben. Dadurch entsteht mit zunehmender Größe der Stadt ein lebendiger Eindruck.

Besonders gelungen finden wir die Möglichkeit, unsere Siedlung mit zahlreichen Dekorationen auszustatten. Zäune, Bänke, Blumentöpfe, Pferde und Hunde helfen dabei, den einzelnen Straßenzügen mehr Persönlichkeit zu verleihen.
Auch die Entwicklung der Wohnhäuser ist optisch nachvollziehbar. Wenn wir eine Unterkunft verbessern, verändert sich nicht nur ihr spielerischer Wert, sondern auch das äußere Erscheinungsbild. Aus einfachen Behausungen werden nach und nach deutlich komfortablere Häuser.

Für Schönbauer bietet Wild West Pioneers damit bereits einige interessante Möglichkeiten. Es macht durchaus Spaß, die eigene Siedlung wachsen zu sehen und anschließend einzelne Bereiche mit zusätzlichen Details aufzuwerten.
Allerdings ist die Gestaltung nicht durchgehend abwechslungsreich. Einige Produktionsgebäude unterscheiden sich optisch nur wenig voneinander, wodurch bestimmte Stadtbereiche recht eintönig wirken können.

Hinzu kommt, dass die kleinen Einflussradien verschiedener Versorgungsgebäude unsere gestalterischen Möglichkeiten einschränken. Statt die Stadt ausschließlich nach optischen Gesichtspunkten zu planen, müssen wir viele Gebäude möglichst dicht nebeneinander platzieren.

Das führt teilweise dazu, dass unsere Siedlung eher wie eine Ansammlung funktionaler Einrichtungen aussieht als wie eine organisch gewachsene Westernstadt.

Die Charakterporträts passen nicht immer zusammen

Weniger überzeugend fallen die Charakterporträts aus. Diese wurden zumindest in der frühen Entwicklungsfassung mithilfe generativer KI erstellt und besitzen einen recht auffälligen, teilweise uneinheitlichen Stil.
Gerade wenn verschiedene Charaktere unmittelbar hintereinander in Dialogen auftreten, fallen die Unterschiede in der Darstellung auf. Ein einheitlicher visueller Stil, der die Figuren glaubwürdig miteinander verbindet, ist nicht immer erkennbar.

Das wirkt sich auf die Präsentation der Geschichte aus, weil die Porträts einen großen Teil der persönlichen Begegnungen ausmachen. Anstatt die Charaktere durch ein stimmiges Erscheinungsbild näherzubringen, wirken manche Darstellungen austauschbar.

Laut den Angaben zur frühen Fassung sollen diese KI-generierten Inhalte lediglich als Platzhalter dienen. Entscheidend wird deshalb sein, wie die Entwickler die Präsentation während des Early Access weiterentwickeln. Insgesamt besitzt Wild West Pioneers eine solide grafische Grundlage, die besonders bei größeren Siedlungen ihre Stärken zeigt. Die belebten Straßen und zahlreichen Dekorationsmöglichkeiten sorgen dafür, dass wir gerne einmal näher an das Geschehen heranzoomen.

Allerdings schöpft das Spiel sein Westernsetting optisch noch nicht vollständig aus. Gerade die Anfangsregionen könnten mehr charakteristische Elemente vertragen, um bereits in den ersten Spielminuten eine unverwechselbare Atmosphäre aufzubauen.

Entspannte Westernmusik trifft auf künstliche Dialoge

© Toplitz Productions

Akustisch versucht Wild West Pioneers, die ruhige Atmosphäre des Siedlungsbaus mit der musikalischen Stimmung eines klassischen Westerns zu verbinden. Die Hintergrundmusik orientiert sich am Setting und begleitet uns während der verschiedenen Bau- und Verwaltungsaufgaben. Besonders die ruhigen Stücke passen gut zum gemächlichen Spieltempo. Gerade wenn unsere Wirtschaft funktioniert und wir nicht unmittelbar mit neuen Bauvorhaben beschäftigt sind, können wir uns zurücklehnen, die Musik genießen und beobachten, wie unsere Bewohner ihrem Alltag nachgehen.

Diese entspannte musikalische Untermalung trägt dazu bei, dass sich Wild West Pioneers weniger hektisch anfühlt als manche anderen Genrevertreter. Statt ständig mit dramatischen Klängen auf Probleme aufmerksam gemacht zu werden, können wir uns in Ruhe mit der Entwicklung unserer Stadt beschäftigen.

Allerdings gibt es bei der akustischen Präsentation auch einen erheblichen Kritikpunkt. In der frühen Fassung setzt das Spiel bei der Musik und den gesprochenen Dialogen auf generative KI. Während die musikalische Untermalung durchaus zur Atmosphäre passen kann, fällt die Qualität der Sprachausgabe deutlich schwächer aus.

Die Synchronisation benötigt noch viel Feinschliff

Die zahlreichen Charaktergespräche gehören zu den auffälligsten Bestandteilen der Soundkulisse. Immer wieder melden sich Bewohner zu Wort, um uns über neue Ereignisse zu informieren oder persönliche Anliegen vorzubringen.
Die englische Sprachausgabe versucht dabei, mit ausgeprägten regionalen Akzenten und einem breiten Südstaatendialekt das Westernsetting zu unterstreichen.

Allerdings wirken die KI-generierten Stimmen häufig mechanisch und wenig natürlich. Besonders bei emotionaleren oder längeren Dialogen fehlt es an einer überzeugenden Betonung, wodurch die Gespräche teilweise ausgesprochen künstlich klingen.

Das ist vor allem deshalb problematisch, weil Wild West Pioneers seine Geschichte zu einem großen Teil über diese Unterhaltungen vermittelt. Wenn die Charaktere nicht glaubwürdig klingen, fällt es schwerer, sich auf ihre persönlichen Anliegen einzulassen.

Hinzu kommt die hohe Frequenz der Gespräche. Nicht selten meldet sich bereits der nächste Bewohner, während wir gedanklich noch mit der vorherigen Aufgabe beschäftigt sind. Teilweise überschneiden sich die Dialoge sogar. Dadurch verlieren die Gespräche zusätzlich an Wirkung und werden mit der Zeit eher zu einer Unterbrechung des eigentlichen Spielflusses.

Gerade weil die Entwickler versuchen, den Siedlern durch persönliche Geschichten und Wünsche mehr Persönlichkeit zu geben, wäre eine natürlichere Sprachausgabe besonders wichtig. Auch hier bleibt abzuwarten, wie sich die angekündigte Überarbeitung der Platzhalterinhalte auf die finale Präsentation auswirkt.

Die musikalische Untermalung kann uns insgesamt durchaus in eine entspannte Westernstimmung versetzen. Bei den Dialogen besteht dagegen noch erheblicher Verbesserungsbedarf. Eine glaubwürdigere Synchronisation und eine bessere Abstimmung der Gesprächsereignisse würden der gesamten Atmosphäre zugutekommen.

The Review

Wild West Pioneers (PC)

Wild West Pioneers bietet bereits im Early Access eine solide Grundlage für ein gemütliches Aufbauspiel im Wilden Westen. Besonders das flexible Arbeitskräftesystem, der umfangreiche Ideenbaum und die Erkundung neuer Regionen gefallen uns. Allerdings bremsen der langsame Spielfortschritt, kleinere Schwächen bei den Produktionsketten und die wenig überzeugenden KI-generierten Dialoge den Spielspaß. Auch das Westernsetting könnte stärker zur Geltung kommen. Wer gerne ohne großen Zeitdruck seine eigene Siedlung aufbaut, kann bereits einige unterhaltsame Stunden verbringen. Bis Wild West Pioneers sein volles Potenzial ausschöpft, ist allerdings noch einiges an Feinschliff notwendig.

PROS

  • Entspannter Spielfluss ohne großen Zeitdruck
  • Umfangreicher Ideen- und Technologiebaum
  • Rasterloses Bausystem
  • Expeditionen mit kleinen Geschichten und Entdeckungen
  • Zusätzliche Regionen und weitere Siedlungen erschließbar

CONS

  • Sehr langsamer Spielfortschritt zu Beginn
  • Unnötig kleine Gebäudereichweiten
  • Wenig anspruchsvolles Wirtschaftssystem
  • Mechanisch klingende KI-Synchronisation
  • Westernatmosphäre nicht überall überzeugend
Tags: EmpireCraft StudiosToplitz ProductionsWild West Pioneers
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Paul Motek

Paul Motek

Motek ist Chefredakteur und Gründer dieses Online-Gaming Magazin. 2013 gründete er im Rahmen seiner Ausbildung das Gaming TV & Online Magazin G-activity, das heutige MotekGames und MotekTV. Motek ist Leidenschaftlicher Gamer, zockt gerne Sport und Simulationsspiele und ist begeisterter Fußball & Motorsport-Fan.

MotekGames ist ein deutsches Online Gaming Magazin für News und Reviews. Seit dem Jahr 2013 veröffentlicht die Redaktion aktuelle News & Tests, über PC-, Videospiele, eSport, Hardware, Klemmbausteine & Boardgames. Auch ist die Redaktion auf verschiedenen Events der Branche vertreten, wie zum Beispiel der gamescom, devcom, DEP, DCP, IFA, VBL oder IEM. Auch werden unsere News zweimal pro Woche als Podcast (bei iTunes, Amazon, Spotify, Deezer und Google) veröffentlicht und monatlich als TV-Format auf dem TV-Sender NRWision.

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