Nachdem wir im ersten Kapitel die physischen Grenzen der KI-Revolution beleuchtet haben, rückt nun das finanzielle Fundament in den Fokus. Denn hinter explodierenden Hardware-Kosten verbirgt sich ein System, das sich zunehmend selbst antreibt: Milliardeninvestitionen, die im Kreis fließen, künstlich aufgeblähte Bewertungen und ein Wettlauf, der unangenehme Parallelen zur Finanzkrise von 2008 weckt.
Im zweiten Kapitel behandeln wir, wie die Tech-Giganten sich gegenseitig reich rechnen und warum das Finanzsystem an das Jahr 2008 erinnert.
Ein Blick auf das finanzielle Fundament der aktuellen KI-Infrastruktur genügt, um ein Déjà-vu zu erleben: Das komplexe Geflecht aus Cloud-Anbietern, Chipherstellern und Investmenthäusern ähnelt auf erschreckende Weise dem undurchsichtigen Immobilienmarkt kurz vor dem Crash von 2008. Es ist ein System, in dem Geld oft nur im Kreis geschoben wird, um die Bewertungen künstlich in die Höhe zu treiben und mittendrin stecken die „Big Four“.
Die „Big Four“ im Kaufrausch: Microsoft, Google, Amazon und Meta pumpen Geld in den Markt, als gäbe es kein Morgen. Für das Jahr 2026 sind Investitionen von bis zu 240 Milliarden US-Dollar geplant, ein Anstieg von 45 Prozent gegenüber 2024.
Dieses Geld fließt fast ausschließlich in Hardware. Dabei entstehen absurde Kreisläufe, wie das Beispiel Microsoft und OpenAI zeigt. Microsoft investiert Milliarden in OpenAI. OpenAI nutzt dieses Geld (bzw. die Cloud-Credits), um auf Microsofts Servern zu rechnen. Microsoft wiederum kauft für Milliarden Nvidia-Chips, um diese Server zu bauen. Das Geld fließt also von den Investoren zu Microsoft, weiter zu Nvidia und am Ende sollen wir alle für die teureren Produkte zahlen.
Noch wilder treibt es Nvidia selbst. Der Konzern sitzt Anfang 2026 auf einem Bargeldberg von 85 Milliarden Dollar und nutzt eine Strategie, die im Gaming als „Infinite Money Glitch“ bezeichnet würde, Finanzexperten nennen sie „Circular Funding“.
Das Prinzip ist simpel: Nvidia investiert direkt in über 40 KI-Start-ups. Diese Firmen nutzen das frische Kapital, um damit Nvidia-Chips oder mieten Server, in denen Nvidia-Hardware steckt. Es ist ein finanzielles Perpetuum Mobile. Schätzungen zufolge generiert Nvidia bis zu 15 % seines Umsatzes indirekt durch Firmen, an denen der Konzern selbst beteiligt ist. Die Tech-Giganten finanzieren somit ihre eigene Nachfrage. Also eine Wette auf die Zukunft, bei der die Einsätze immer höher werden.

