Nachdem wir im zweiten Kapitel gezeigt haben, wie sich die KI-Industrie finanziell selbst antreibt, wird nun deutlich, warum dieser Wettlauf längst über Bilanzen hinausgeht. Künstliche Intelligenz ist 2026 zu einem geopolitischen Machtfaktor geworden, bei dem nicht mehr Code, sondern Rohstoffe, Energie und Versorgungssicherheit entscheiden und genau hier prallen digitale Ambitionen und physische Realität ungebremst aufeinander.
Was wenn Wasser, Kupfer und Strom wichtiger werden als Code, dies beantworten wir euch in diesem Kapitel.
Im Jahr 2026 ist KI längst kein reines Software-Thema mehr, über das nur Programmierer diskutieren. Sie hat sich zu einer massiven Ressourcenfalle und einem nationalen Sicherheitsrisiko entwickelt. Wir erleben derzeit einen Wettlauf dreier Weltmächte, die völlig unterschiedliche Strategien verfolgen. Dabei kollidiert der digitale Traum hart mit der physischen Realität.
Die Welt hat sich in drei geopolitische Blöcke aufgeteilt, die um die Vorherrschaft kämpfen:
- USA: Gigantismus. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. So soll das Projekt „Stargate“, ein geplanter Supercomputer der Superlative, allein 500 Milliarden Dollar kosten. Dank des CHIPS Act flossen bereits 400 Milliarden Dollar in die heimische Fertigung. Das Ziel ist klar: Unabhängigkeit von Taiwan und Vorbereitung auf den Ernstfall.
- China: Der effiziente Autarkist. Trotz US-Sanktionen geht China seinen eigenen Weg. Mit einem 56-Milliarden-Dollar-Fonds wird die Unabhängigkeit von westlicher Hardware forciert. Der Clou: China bietet im „Globalen Süden“ (Afrika, Asien) KI-Pakete an, die bis zu 70 % günstiger sind als die der US-Konkurrenz. So sichert es sich den Zugriff auf die Daten der Zukunft.
- Europa: Besser spät als nie. Die EU versucht mit der „KI-Champions-Initiative“ (150 Mrd. Euro) Schadensbegrenzung zu betreiben. Deutschland und Frankreich arbeiten an einer autonomen Verwaltungs-KI, um Bürgerdaten vor dem Zugriff US-amerikanischer Server zu schützen.
Kupfer ist das neue Gold. Doch all diese ambitionierten Pläne könnten an simpler Physik scheitern. So benötigt ein modernes Rechenzentrum etwa 25 Tonnen Kupfer pro Megawatt Leistung und das allein für Verkabelung und Strom. Der aktuelle KI-Boom wird 2026 für eine Mehrnachfrage von fast 400.000 Tonnen sorgen. Das werden auch wir im Alltag spüren: Wenn Kupfer teurer wird, steigen die Preise für alles, was ein Kabel hat, vom Netzteil für den Gaming-PC bis zum Elektroauto. Die Ironie dabei ist, dass die KI-Industrie genau die Rohstoffe absaugt, die wir eigentlich für die Energiewende bräuchten.
Neben dem Rohstoffhunger ist der Energiebedarf das nächste große Problem. Weil Wind und Sonne die gigantische Grundlast der KI-Server oft nicht decken können, erleben Atom- und Gaskraftwerke ein Comeback. In US-Tech-Hochburgen zahlen Rechenzentren mittlerweile fast das Doppelte für Strom (15 Cent pro kWh statt 8 Cent). Noch kritischer ist die Situation beim Wasser: Das Training eines einzigen großen Modells verbraucht rund eine Million Liter Trinkwasser zur Kühlung. In trockenen Regionen wie Arizona ist der Kampf um Wasser zwischen Tech-Giganten und Landwirten bereits Realität.
Hinzu kommt ein absurdes Kostenproblem bei der Nutzung: Während China auf Effizienz setzt, geht der Trend im Westen zum „langen Denken“ (Chain-of-Thought). Neue KI-Modelle „überlegen” intern bis zu 30 Sekunden, bevor sie eine komplexe Frage beantworten. Das mag schlau wirken, kostet aber bis zu 0,50 Dollar an Strom und Rechenleistung pro Antwort. Ein Geschäftsmodell, bei dem jede Nutzeranfrage so viel kostet wie ein kleiner Schokoriegel, steht finanziell auf extrem wackeligen Beinen.

