Nachdem wir gesehen haben, wie KI Hardware, Märkte und Machtverhältnisse verschiebt, wird nun klar, wer die Rechnung bezahlt. Denn jenseits von Aktienkursen und Tech-Demos hinterlässt der KI-Boom reale Schäden: einen blockierten Arbeitsmarkt, steigende Strompreise und einen gnadenlosen Wettlauf um Ressourcen. Die Kollateralschäden dieser Revolution treffen nicht irgendwann, sie sind 2026 bereits Alltag.
Im fünften Kapital behandeln wir, wie stark uns diese KI-Blase betrifft, vor allem in Bezug auf Berufseinstieg, Strompreise usw.
Während die Aktienkurse von Nvidia und Co. immer neue Höchststände erreichen, sieht es in der realen Welt düster aus. Die KI-Revolution 2026 ist nicht sauber, glänzend und digital. Sie ist schmutzig, hungrig und wirft unser Wirtschaftssystem durcheinander.
Der Arbeitsmarkt: „Game Over” für Einsteiger
Die Angst vor Massenarbeitslosigkeit hat sich im Jahr 2026 bewahrheitet, allerdings anders als gedacht. Wir sehen keine Entlassungswellen, sondern eine verstopfte Karriereleiter. Das Problem heißt „Junior-Lücke“. KI-Agenten übernehmen heute die Aufgaben, mit denen Berufseinsteiger früher ihre ersten Erfahrungen gesammelt haben: Recherche, einfache Code-Zeilen, Standard-Grafiken. Die Folge sind Unternehmen, welche kaum noch Junioren einstellen. Ein Senior-Entwickler schafft mit KI-Tools das Pensum eines ganzen Teams. Das Risiko dabei ist: Wer heute keine Berufseinsteiger mehr einstellt, hat in fünf Jahren keine Berufserfahrene. Es entsteht eine Kompetenzlücke, weil niemand mehr die Grundlagen von Grund auf lernt.
Gleichzeitig verschieben sich die Gehaltsgefüge massiv: Während reine Bürojobs unter Druck geraten, erleben Handwerker einen Goldrausch. KI kann keinen Server verkabeln oder eine Klimaanlage warten. Elektriker sind die neuen Helden des Arbeitsmarktes. Hinter den Kulissen schuften zudem Millionen Menschen im „Klick-Proletariat“. In riesigen Farmen im Globalen Süden labeln Arbeiter für Cent-Beträge Daten, um die Fehler westlicher KI-Modelle zu korrigieren. Die „Magie“ ist oft nichts anderes als menschlicher Schweiß zum Billigtarif.
Energiewende rückwärts: Kohle für den Chatbot
Das wohl größte Paradoxon im Jahr 2026 ist, dass die Technologie, die uns helfen sollte, den Klimawandel zu lösen, heizt ihn erst richtig an. Da Rechenzentren rund um die Uhr stabile Energie benötigen, die Wind- und Sonnenenergie ohne gigantische Speicher nicht liefern können, bleiben alte Kohle- und Gaskraftwerke länger am Netz als geplant. In den USA wurden Abschaltungen gestoppt, damit Amazon und Microsoft genug Strom haben.
Die Tech-Giganten flüchten sich in fast schon dystopische Lösungen. Microsoft finanziert die Reaktivierung des AKW Three Mile Island, „Fallout” lässt grüßen. Da neue Reaktoren aber Jahre brauchen, saugen die Rechenzentren erst einmal den Strom aus dem bestehenden Netz. Das Ergebnis für uns: Der Strompreis für den heimischen Gaming-PC und den Haushalt steigt, weil die Industrie alles wegkauft.
Real-Life Loot: Der Kampf um Rohstoffe.
Die „Cloud“ besteht nicht aus Wasserdampf, sondern aus Metall. Der KI-Boom hat einen globalen Run auf Rohstoffe ausgelöst. Ein KI-Rechenzentrum braucht bis zu 40 % mehr Kupfer als ein normales Rechenzentrum. Der Preis explodiert, alte, umweltschädliche Minen werden wiedereröffnet und Kabeldiebstahl wird zum Volkssport.
Ohne Gallium und Germanium und andere seltenen Erden, gibt es keine Chips. Da China 90 % der Verarbeitung kontrolliert und die Exporte beschränkt, versuchen die USA und die EU verzweifelt, eigene Vorkommen zu erschließen. Sehr häufig auf Kosten der Umwelt.
In trockenen Regionen wie Spanien oder Arizona heißt es mittlerweile Landwirtschaft vs. Serverfarm. Denn ein einziger Trainingslauf eines großen KI-Modells verbraucht so viel Wasser wie ein kleiner Ort im ganzen Jahr. Erste Kommunen verhängen bereits Baustopps für Rechenzentren, weil das Trinkwasser knapp wird.
Zudem, das Geld von Investoren fehlt an anderen Stellen, welche es jetzt schon bitter nötig haben: Soziale Bereiche, NGOs, Gaming-Entwickler, Umweltschutz und vieles mehr. Wenn diese Blase platzen sollte, reißt man alle anderen Branchen automatisch mit, die mit der KI-Branche im entferntesten was zu tun hatten.
Die Rechnung für die KI zahlen wir nicht nur an der Kasse, sondern auch durch verpasste Klimaziele, teureren Strom und einen chaotischen Arbeitsmarkt.

