Was passiert, wenn man das ohnehin schon bunte und chaotische Mario-Universum noch weiter aufdreht, direkt ins Weltall? Genau diese Frage stellt sich Der Super Mario Galaxy Film und liefert darauf eine Antwort, die gleichermaßen unterhaltsam wie auch etwas zwiespältig ausfällt. Wir haben uns den Film angesehen und können sagen: Wer ein visuelles Feuerwerk und jede Menge Fanservice erwartet, wird definitiv bedient. Wer aber noch mehr wissen will, sollte den kompletten Artikel lesen.
Viel Spektakel, wenig Tiefe
Die grundlegende Handlung setzt auf ein klassisches Abenteuer-Setup: Eine Bedrohung im Weltall zwingt Mario, Peach, Luigi und Co. dazu, sich erneut zusammenzutun und eine Reise durch verschiedene Planeten anzutreten. Dabei werden bekannte Figuren erweitert und neue Charaktere eingeführt, darunter Yoshi, Rosalina und sogar Elemente aus anderen Nintendo-Universen.
Was uns direkt auffällt: Der Film verliert kaum Zeit. Nach einer kurzen Einführung geht es praktisch ohne Pause von einem Set-Piece zum nächsten. Diese hohe Taktung sorgt zwar für Tempo, lässt aber kaum Raum, um einzelne Storystränge wirklich zu vertiefen. Viele Szenen wirken eher wie lose miteinander verbundene Episoden, die primär dazu dienen, die nächste Action-Sequenz oder Referenz einzuleiten.
Gerade hier zeigt sich der größte Schwachpunkt: Die narrative Struktur wirkt stellenweise unfokussiert. Beziehungen zwischen Figuren – etwa innerhalb der Antagonisten oder auch bei neuen Charakteren, werden angerissen, aber nicht konsequent ausgearbeitet. Einige Entwicklungen erscheinen dadurch unlogisch oder zumindest nicht vollständig durchdacht. Auch neue Figuren werden teilweise sehr schnell integriert, ohne dass ihre Rolle oder Motivation ausreichend erklärt wird.
Gleichzeitig muss man aber sagen: Der Film versteht es, Fans abzuholen. Die Vielzahl an Easter Eggs, Anspielungen und bekannten Elementen aus der Mario-Historie sorgt für einen konstanten Wiedererkennungswert. Besonders kleinere Nebenhandlungen, etwa rund um Yoshi, können durchaus emotional oder charmant wirken und bleiben positiv im Gedächtnis.
Unterm Strich ergibt sich ein klares Bild: Die Story erfüllt ihren Zweck als Rahmen für das Abenteuer, bleibt aber insgesamt oberflächlich. Es fehlt ein klarer emotionaler Kern, der die Handlung wirklich trägt.
Solide Performance mit kleinen Highlights
In puncto Vertonung liefert der Film eine insgesamt überzeugende Leistung ab. Die bekannten Stimmen fühlen sich inzwischen deutlich sicherer in ihren Rollen an, wodurch die Figuren natürlicher und gefestigter wirken. Besonders die Dynamik zwischen Mario und Luigi funktioniert erneut gut und bringt eine gewisse Vertrautheit mit.
Auch die Antagonisten profitieren von starken Sprecherleistungen. Vor allem Bowser bleibt eine präsente Figur, auch wenn seine Darstellung inhaltlich nicht immer konsequent wirkt. Seine emotionale Bandbreite schwankt teilweise stark, was eher auf das Drehbuch als auf die Performance zurückzuführen ist.
Neue Figuren wie Yoshi oder Rosalina fügen sich grundsätzlich gut ins Gesamtbild ein, bleiben aber in ihrer Charaktertiefe begrenzt. Yoshi etwa ist zwar sympathisch und visuell ein Highlight, bekommt jedoch wenig Raum, sich wirklich zu entfalten. Ähnliches gilt für andere Neuzugänge, die eher als Ergänzung denn als echte Charaktere mit Entwicklung wirken.
Ein interessantes Element ist zudem der Einsatz bekannter Stimmen für Cameo-Auftritte und zusätzliche Figuren. Diese sorgen für Abwechslung und verstärken den Fanservice-Aspekt, ohne jedoch nachhaltig Einfluss auf die Handlung zu nehmen.
Insgesamt bleibt die Vertonung eine der stabileren Säulen des Films: Sie trägt die Figuren zuverlässig, kann aber die inhaltlichen Schwächen der Story nicht vollständig ausgleichen.
Visuelles Feuerwerk mit beeindruckender Detailverliebtheit
Technisch spielt der Film klar in der oberen Liga moderner Animationsproduktionen. Die Darstellung der verschiedenen Planeten, die Nutzung von Perspektiven und Schwerelosigkeit sowie die kreative Inszenierung der Action-Sequenzen gehören zu den größten Stärken des Films.
Besonders auffällig ist die Detailverliebtheit: Jedes Bild ist vollgepackt mit Referenzen, kleinen Gags und visuellen Spielereien. Für langjährige Fans entsteht dadurch ein regelrechtes „Suchspiel“, bei dem man ständig neue Anspielungen entdeckt. Diese Dichte an Inhalten sorgt dafür, dass der Film visuell nie langweilig wird.
Auch die Action-Sequenzen sind hervorragend umgesetzt. Kämpfe sind dynamisch, gut choreografiert und teilweise überraschend komplex inszeniert. Einzelne Szenen erinnern fast an große Blockbuster-Produktionen und zeigen, wie viel Erfahrung das Studio in diesem Bereich mitbringt.
Ein weiteres Highlight ist die musikalische Untermalung. Der Score greift ikonische Melodien der Spielreihe auf und interpretiert sie neu, wodurch eine starke Verbindung zur Vorlage entsteht. Der bewusste Verzicht auf zu viel lizenzierte Musik wirkt sich hier positiv aus und lässt den klassischen Mario-Sound stärker zur Geltung kommen.
Allerdings hat diese visuelle und technische Stärke auch ihre Kehrseite: Der Fokus liegt so stark auf Spektakel und Fanservice, dass die erzählerische Tiefe oft in den Hintergrund rückt. Der Film fühlt sich stellenweise wie eine Themenpark-Fahrt an, beeindruckend, kurzweilig, aber nicht unbedingt nachhaltig.
The Review
Der Super Mario Galaxy Film
Der Super Mario Galaxy Film ist ein klassischer Fall von „größer, bunter, lauter“, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Wir bekommen spektakuläre Bilder, starke Action und eine enorme Menge an Fanservice, die besonders für langjährige Mario-Fans ein echtes Highlight darstellt. Gleichzeitig fehlt es dem Film an einer klaren, emotionalen Grundlage. Die Story wirkt oft wie ein Mittel zum Zweck, um die nächste Szene oder Referenz zu erreichen. Dadurch bleibt das Gesamtbild zwar unterhaltsam, aber nicht besonders nachhaltig. Am Ende steht ein Film, der genau das liefert, was viele erwarten: kurzweilige Unterhaltung mit hohem Wiedererkennungswert. Kein Meisterwerk, aber definitiv ein Erlebnis, das man sich anschauen kann, besonders wenn man mit Mario groß geworden ist.

