Was passiert, wenn wir eine kleine Gruppe Überlebender in eine raue Welt schicken, ohne klare Story, aber mit nahezu grenzenlosen Möglichkeiten? Kommt dir bekannt vor? Ja, vielleicht denkst du dabei direkt an RimWorld. Genau hier setzt Going Medieval von Foxy Voxel an, greift dieses Konzept auf und stellt uns vor die Herausforderung, in einer mittelalterlichen Welt aus dem Nichts eine funktionierende Siedlung aufzubauen.
Wir kümmern uns nicht nur um einfache Gebäude, sondern erschaffen ein komplexes System aus Nahrung, Verteidigung, Forschung und Wachstum. Doch kann uns dieses Konzept langfristig fesseln?
Eine Welt ohne festen Weg
Going Medieval spielt in einem düsteren, vom Untergang gezeichneten mittelalterlichen England, in dem eine verheerende Seuche große Teile der Bevölkerung ausgelöscht hat. Wir übernehmen die Kontrolle über eine kleine Gruppe Überlebender, die sich eine neue Existenz aufbauen will. Dabei starten wir meist mit nur wenigen Ressourcen und müssen uns Schritt für Schritt eine sichere Heimat erschaffen.
Eine klassische Story, die uns durch das Spiel führt, gibt es jedoch nicht. Stattdessen setzt das Spiel vollständig auf ein Sandbox-Prinzip. Wir bestimmen selbst, welche Richtung unsere Siedlung einschlägt, ob wir uns auf friedliches Wachstum konzentrieren oder militärisch expandieren. Dadurch entsteht unsere ganz eigene Geschichte, die sich aus unseren Entscheidungen und den Ereignissen im Spiel zusammensetzt.
Der Umfang entsteht vor allem durch die Vielzahl an Möglichkeiten, die uns geboten werden. Unterschiedliche Startbedingungen sorgen dafür, dass sich jede Partie anders anfühlt. Zufällig generierte Karten und Szenarien verstärken diesen Effekt zusätzlich. Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich umfangreich anpassen, wodurch wir das Spielerlebnis an unseren eigenen Stil angleichen können. Gerade diese Freiheit sorgt dafür, dass wir uns unseren eigenen roten Faden schaffen müssen, was anfangs ungewohnt sein kann, langfristig aber motiviert.
Komplex, fordernd und motivierend
Das Gameplay von Going Medieval ist komplex und verlangt uns einiges ab. Wir kümmern uns gleichzeitig um den Aufbau unserer Siedlung, die Versorgung unserer Bewohner und die Erforschung neuer Technologien. Dabei greifen alle Systeme ineinander, sodass jede Entscheidung Auswirkungen auf andere Bereiche hat.
Zu Beginn wirkt das Spiel noch überschaubar, doch schnell merken wir, wie viele Aspekte wir gleichzeitig im Blick behalten müssen. Nahrung muss angebaut und gelagert werden, Gebäude müssen geplant und stabil errichtet werden und unsere Siedler brauchen feste Tagesabläufe, die wir selbst festlegen. Gleichzeitig erforschen wir neue Technologien, um weitere Möglichkeiten freizuschalten und unsere Siedlung effizienter zu gestalten.
Besonders auffällig ist die Tiefe der Simulation. Die Spielwelt besteht aus mehreren Ebenen, wodurch wir nicht nur an der Oberfläche bauen, sondern auch unterirdisch arbeiten können. Wir graben Ressourcen aus, erschließen Wasserquellen und formen die Landschaft nach unseren Vorstellungen. Mit zunehmender Größe unserer Siedlung entsteht ein komplexes System aus Arbeitsabläufen, das wir immer weiter optimieren können. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn wir irgendwann zusehen, wie unsere Siedlung nahezu eigenständig funktioniert.
Gleichzeitig fordert uns das Spiel regelmäßig heraus. Unerwartete Ereignisse, neue Bewohner oder feindliche Angriffe sorgen dafür, dass wir unsere Planung immer wieder anpassen müssen. Diese Dynamik macht einen großen Teil des Reizes aus, da wir ständig auf neue Situationen reagieren müssen.
Allerdings zeigt sich auch, dass nicht alles reibungslos funktioniert. Die KI unserer Siedler verhält sich teilweise unlogisch, was gerade zu Beginn eines Spiels und in kritischen Momenten frustrierend sein kann. Dazu kommen kleinere technische Probleme und fehlende Komfortfunktionen, die den Spielfluss beeinträchtigen. Auch das Kampfsystem wirkt nicht immer ausgereift, da sich Gegner oft mit einfachen Verteidigungsstrategien austricksen lassen.
Trotz dieser Schwächen bleibt das Gameplay der größte Pluspunkt. Es ist die Mischung aus Planung, Optimierung und Beobachtung, die uns immer wieder motiviert, weiterzuspielen und unsere Siedlung zu verbessern.
Mittelalter aus Voxeln
Optisch setzt Going Medieval auf eine 3D-Voxel-Grafik, die dem Spiel einen eigenen Stil verleiht und gleichzeitig funktional bleibt.
Unsere Gebäude entstehen Schicht für Schicht, wodurch wir sowohl in die Höhe als auch in die Tiefe bauen können. Gerade dieser Aufbau sorgt für einen besonderen Reiz, da wir unsere Siedlung sehr individuell gestalten können. Es fühlt sich fast so an, als würden wir mit virtuellen Bausteinen arbeiten und nach und nach unsere eigene Festung errichten.
Technisch präsentiert sich das Spiel insgesamt solide. Auf moderner Hardware läuft es flüssig und unterstützt auch hohe Auflösungen ohne Probleme. Besonders die Effekte können überzeugen, vor allem Feuer wirkt erstaunlich realistisch und trägt zur Atmosphäre bei.
Dennoch stößt die Technik mit wachsender Siedlung an ihre Grenzen. Je komplexer unsere Bauwerke werden, desto stärker wird die Performance gefordert. Zusätzlich fallen kleinere Bugs und Schwächen in der Benutzeroberfläche auf, die zwar nicht spielentscheidend sind, aber den Gesamteindruck etwas schmälern.
Ruhig, funktional, ausbaufähig
Das Sounddesign von Going Medieval bleibt eher im Hintergrund und erfüllt vor allem einen funktionalen Zweck. Die Geräusche der Umgebung und der Siedlung unterstützen die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Allerdings wird schnell deutlich, dass hier noch Potenzial nach oben besteht. Wiederkehrende Soundeffekte können auf Dauer störend wirken, vor allem wenn sie sich häufig wiederholen. Dazu kommt, dass die Einstellungsmöglichkeiten begrenzt sind, wodurch wir bestimmte Sounds nicht individuell anpassen oder abschalten können.
Insgesamt sorgt der Sound für eine passende Untermalung, bleibt aber hinter den Möglichkeiten zurück und trägt nur bedingt zur Immersion bei.
The Review
Going Medieval (PC)
Going Medieval ist ein Spiel, das uns fordert, aber gleichzeitig mit viel Freiheit belohnt. Wir bauen nicht einfach nur eine Siedlung, sondern erschaffen ein komplexes System, das wir Stück für Stück optimieren. Die fehlende Story wirkt dabei nicht wie ein Mangel, sondern unterstreicht den Sandbox-Charakter. Wir schreiben unsere eigene Geschichte und bestimmen selbst, welchen Weg wir einschlagen. Auch wenn KI, Technik und Komfortfunktionen noch Luft nach oben haben, bleibt ein klarer Eindruck bestehen: Going Medieval bietet schon jetzt eine fesselnde Aufbau-Erfahrung mit großem Potenzial für die Zukunft.
PROS
- Motivierender Aufbau
- Stimmiger Grafikstil
- Solide Performance
- Dynamische Ereignisse
- Hoher Wiederspielwert
CONS
- Schwache KI
- Einfaches Kampfsystem
- Komplexer Einstieg
- Fehlender Komfort

