Kann sich ein jährlicher Sporttitel noch wie ein echtes Upgrade anfühlen, oder reicht es, einfach das bewährte Gameplay zu behalten? Genau diese Frage haben wir uns bei MLB The Show 26 gestellt. Nach vielen Stunden auf dem virtuellen Baseballfeld wird schnell klar: Die Stärken der Reihe sind weiterhin klar erkennbar, doch rund um das Spielfeld zeigen sich deutliche Schwächen.
Viel Inhalt, aber ohne echten Fortschritt
MLB The Show 26 bietet auf dem Papier wieder eine große Auswahl an Spielmodi, die wir bereits aus den Vorgängern kennen. Dazu gehören unter anderem Road to the Show (RTTS), Franchise Mode, Diamond Dynasty sowie die Storylines rund um die Negro Leagues. Ergänzt wird das Ganze durch kleinere Modi wie Moments, Home Run Derby oder Online-Angebote.
Besonders hervorzuheben ist weiterhin der dokumentarische Ansatz der Negro Leagues Storylines, die geschichtliche Inhalte mit spielbaren Momenten verbinden. Allerdings fällt der Umfang dieses Jahr deutlich kleiner aus. Mit nur wenigen Storylines und geringerer Produktionsqualität wirkt dieser Modus eher wie eine Pflichtaufgabe statt wie ein echtes Highlight. Die emotionale Tiefe und Inszenierung früherer Teile wird nicht mehr erreicht.
Im Franchise Mode fällt vor allem eine große Änderung auf: Der beliebte March to October-Modus wurde komplett gestrichen. Stattdessen gibt es eine abgespeckte, „streamlined“ Saisonstruktur innerhalb des Franchise-Modus. In der Praxis wirkt diese jedoch komplizierter und weniger motivierend. Zwar bringt der neue Trade Hub frischen Wind ins Management, indem wir Transfers besser verfolgen und steuern können, doch insgesamt fehlt es dem Modus an Dynamik und Atmosphäre.
Road to the Show bleibt grundsätzlich ein Langzeitmotivator, vor allem durch den Weg vom Highschool-Spieler bis in die MLB. Neue Inhalte wie zusätzliche Colleges und eine erweiterte Anfangsphase sorgen für etwas mehr Tiefe. Dennoch fehlt es weiterhin an echter Immersion: Wir erleben keine glaubwürdige Karriere mit Entscheidungen, Emotionen oder Interaktionen, sondern arbeiten uns eher mechanisch von Spiel zu Spiel.
Auch Diamond Dynasty kehrt zurück und integriert Inhalte wie den World Baseball Classic. Allerdings bleibt der Modus stark auf Karten, Fortschrittssysteme und teilweise Mikrotransaktionen ausgelegt. Viele interessante Inhalte, etwa klassische Teams oder besondere Events – sind weiterhin exklusiv hier eingebunden, was die Gesamtstruktur des Spiels einschränkt.
Unterm Strich wirkt der Umfang zwar groß, aber wenig weiterentwickelt. Viele Modi stagnieren oder wurden sogar zurückgebaut.
Eine weiterhin herausragende Simulation
Wenn wir das Spielfeld betreten, zeigt MLB The Show 26 sofort, warum die Reihe seit Jahren als Referenz gilt. Das Gameplay ist präzise, flüssig und vor allem unglaublich befriedigend. Jeder Pitch, jeder Swing und jede defensive Aktion fühlt sich durchdacht und authentisch an.
Besonders das Hitting-System wurde sinnvoll erweitert. Mit Big Zone Hitting und anpassbarer PCI Sensitivity haben wir deutlich mehr Kontrolle beim Schlag. Das führt zu realistischeren Ergebnissen wie Line Drives und Ground Balls, während unnötige Pop-Ups reduziert wurden. Das Timing fühlt sich besser denn je an, und ein perfekt getroffener Ball sorgt weiterhin für diese unvergleichliche Zufriedenheit.
Auch beim Pitching gibt es Anpassungen. Systeme wie PitchCom wurden integriert, wirken aber eher wie eine Rückkehr bekannter Features statt echte Innovation. Neue Ansätze wie Bare Down Pitches hingegen haben kaum spielerischen Einfluss und dienen eher der Inszenierung als der Mechanik.
Positiv bleibt die enorme Anpassbarkeit: Wir können nahezu jeden Aspekt des Spiels individuell einstellen, von Schwierigkeitsgraden bis hin zu Automatisierungen einzelner Spielbereiche. Dadurch eignet sich das Spiel sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Spieler. Das Fielding und Baserunning funktionieren weiterhin solide, auch wenn hier kaum Fortschritte spürbar sind. Insgesamt bleibt das Gameplay das klare Highlight: realistisch, tiefgehend und motivierend, selbst nach vielen Stunden.
Solide Momente, aber deutlich veraltet
Grafisch zeigt sich MLB The Show 26 zwiegespalten. In bestimmten Situationen, etwa bei Abendspielen mit dynamischen Lichtverhältnissen, entstehen durchaus realistische und atmosphärische Szenen. Auch einige Spieler-Scans sind gelungen und kommen ihren realen Vorbildern sehr nahe.
Doch insgesamt merkt man dem Spiel sein Alter deutlich an. Die Engine wirkt veraltet, viele Assets scheinen seit Jahren unverändert. Spieler-Modelle außerhalb der Topstars wirken generisch, Animationen wiederholen sich sichtbar und Details wie Jersey-Texturen oder Hautdarstellung bleiben hinter aktuellen Standards zurück.
Technisch gibt es zudem Probleme: Clipping-Fehler, fehlende Logos oder unsaubere Kanten (fehlendes Anti-Aliasing) trüben das Gesamtbild. Auch die Farbpalette wirkt oft blass und wenig kontrastreich. Trotz einzelner Verbesserungen, wie neuen Animationen, fehlt es an einem echten grafischen Neustart. Der Sprung zur aktuellen Konsolengeneration ist kaum spürbar.
Gute Atmosphäre, schwache Kommentatoren
Akustisch liefert MLB The Show 26 ein gemischtes Bild. Die Stadion-Atmosphäre ist gelungen: Die Fans reagieren dynamisch auf das Spielgeschehen und sorgen für eine glaubwürdige Kulisse, besonders in wichtigen Momenten.
Ein Highlight bleibt der Sound beim Ballkontakt. Der Schlag des Schlägers auf den Ball ist präzise und vermittelt ein starkes Feedback, ein kleines Detail mit großer Wirkung. Weniger überzeugend ist dagegen das Kommentatoren-Team. Die Sprecher wirken oft emotionslos und liefern teilweise unpassende oder verzögerte Kommentare. Dadurch geht viel Spannung verloren, gerade in entscheidenden Spielsituationen.
Auch der Soundtrack wirkt austauschbar und wenig thematisch passend. Statt Baseball-Atmosphäre entsteht eher der Eindruck einer zufälligen Playlist. Zusätzlich treten technische Probleme auf, etwa fehlerhafte Audio-Zuordnungen oder unpassende Kommentare, die die Immersion weiter stören.
The Review
MLB The Show 26 (PS5)
MLB The Show 26 bleibt spielerisch eine absolute Top-Simulation und liefert auf dem Feld genau das, was wir von der Reihe erwarten und lieben. Doch außerhalb des eigentlichen Gameplays zeigt sich deutlich, dass der Serie aktuell frische Ideen fehlen. Während das Gameplay weiterhin begeistert, wirken Modi, Präsentation und Technik wie stehengeblieben. Wer einfach nur Baseball spielen möchte, bekommt hier eine der besten Erfahrungen im Genre. Wer jedoch echte Weiterentwicklung erwartet, wird enttäuscht.
PROS
- Sehr realistisches Gameplay
- Präzises Ballgefühl
- Umfangreiche Spielmodi
- Verbesserter Karriere-Start
- Lebendige Stadionatmosphäre
CONS
- Kaum neue Innovationen
- Veraltete Grafik
- Technische Probleme
- Wirkt wie Update
- Schwache Kommentatoren

