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Industria 2 – Fortsetzung ändert Konzept

Industria 2 – Review (PC)

by Fabian Kloster
26. Mai 2026
in Games Review, Review

Knapp fünf Jahre ist es nun schon her, seitdem das Berliner Indie Studio Bleakmill den Shooter Industria rausgebracht hat. Ende April kam nun endlich die langersehnte Fortsetzung. Allerdings gibt es einen Twist. Denn für die Fortsetzung hat sich das Team weg von hitzigen Feuergefechten begeben und lässt uns Spieler eher in einer immersive Welt voller Gefahren eintauchen. Wir haben uns Industria 2 mal geschnappt und geschaut, ob das Konzept aufgeht.

Bevor wir loslegen gibt es wie immer noch zwei kleine Dinge vorweg zu klären. Zum einen die Info, dass ich euch lediglich in die erste halbe Stunde der Geschichte mitnehmen werde und zum anderen den gewählten Schwierigkeitsgrad. Aus vier Optionen können wir nämlich zum Beginn des Abenteuers wählen, wie schwer wir es dabei gerne hätten. Trotz keiner weiteren Erklärung wie sich die verschiedenen Optionen ausspielen werden, habe ich mich mit „Brutal“ für den schwierigsten Weg entschieden. Ob das aber eine grosse Auswirkung hat, darüber sprechen wir auf jeden Fall auch noch.

Verloren in der Fremde

Bevor wir mit der Geschichte starten, bekommen wir nochmal eine kleine Zusammenfassung über die Handlung des ersten Teils. Gleich darauf starten wir in Kapitel 1 mit dem Titel „Hoffnungsschimmer“. Dieser lässt sich aber erstmal nicht erkennen. Denn wir wachen nach zahlreichen Schüssen in der Ferne an einer Küste in Langebbe auf und müssen erstmal klar kommen.

Zum Glück finden wir in unserer provisorischen Unterkunft auch eine Notiz, welche ein wesentliches Element im Spiel darstellen. Diese Zettel geben uns nämlich wie andere Gegenstände auch Wissen zur Welt, in der wir uns gerade befinden. Was auch direkt ein gutes Stichwort ist. Denn bei Langebe handelt es sich nicht etwa um eine Ortschaft um den Osten Berlins herum. Unsere Protagonistin Nora Sohlheim befindet sich nämlich in einer Parallelwelt.

Fernab der Heimat wütet dort ohne Kontrolle die ATLAS-KI, welche neben Walter Rebel auch von Nora mitentwickelt wurde. Die unkontrollierte KI hat dabei die echte Welt ziemlich ins Chaos gestürzt und auch Nora muss sich dieser dunklen Wahrheit nun stellen. Allerdings müssen wir uns gemeinsam erstmal auf den Weg machen, um der Ursache für die Schüsse in der Ferne auf den Grund gehen zu können.

Ein vertrautes Gesicht

Dabei treffen wir ziemlich bald auf ein vertrautes Gesicht in der fremden Welt. Dieses Gesicht gehört Marlene Welke. Eigentlich ist Marlene Systemadministratorin des Forschungskomplex-Extraterrestrik, kurz FKE. Marlene wurde jedoch mit einem Suchtrupp ausgesendet um Nora und auch Walter zu finden. Schnell stellt sich aber heraus, dass Marlene die letzte Überlebende des Suchtrupps ist und eigentlich zurück zum Hauptquartier wollte.

Was wahrscheinlich auch gelungen wäre, wenn die Parallelwelt nicht voller Roboter wäre, die nach sämtlichen Menschenleben trachten würden. Doch mit Nora an ihrer Seite schöpft sie neuen Mut, doch noch zurück zum Hauptquartier zu kommen. Dabei ist es auch nicht das erste Mal, dass die beiden sich zusammentun. Schon in der Vergangenheit haben sie für eine kurze Zeit am ATLAS-Programm zusammen gearbeitet. Also begeben sich die beiden zusammen auf die gefährliche Reise.

Kampf ums Überleben

Wie ich schon erwähnt habe, hat sich Bleakmill bei Industria 2 für ein neues Konzept entschieden. Anstatt die Roboter mit Blei vollzupumpen, finden wir uns in einem viel immersiverem Überlebenskampf wieder. Die wenigsten Roboter sind dabei mit Fernkampfwaffen ausgestattet. Wenn nicht gerade auf uns geschossen wird, werden wir entweder von den Metallköpfen bespuckt, aufgespiesst oder gerne auch einfach nur ordentlich verprügelt.

Ums uns zur Wehr zu setzen gibt es drei Möglichkeiten: schleichen um jedweder Konfrontation nach Möglichkeit zu entgehen. Mit einer Axt selbst in den Nahkampf gehen und mit geschickt gezeiteten Ausweichschritten einem Konter zu entgehen. Oder die Blechbüchse mit Blei vollpumpen. Das Arsenal ist dabei auch echt ansehnlich. Mit Pistole, Revolver, Repetiergewehr, Maschinenpistole und Schrotflinte können wir nicht nur aus fünf verschiedenen Waffen auswählen, sondern diese sogar an entsprechender Stelle aufwerten.

Am Fabrikator können wir nämlich auch Aufsätze an die Waffe schrauben oder die Werte erhöhen. Dazu benötigen wir lediglich die Flüssigkeit Petrichor, welche wir natürlich hauptsächlich von den Robotern bekommen. Diese reichen von kleineren Spinnenrobotern bis hin zu grösseren Exemplaren. Mal sind diese schnell, mal sind diese aber auch langsam. Eines hat sich aber trotz der höchsten Schwierigkeit fast durch das gesamte Spiel gezogen: eine extreme Herausforderung waren die Kämpfe nie wirklich. Auf niedrigeren Stufen wäre das ja auch noch verständlich, aber bei Brutal erwarte ich ehrlich gesagt schon namensgebende Kämpfe.

Trotz der grösstenteils leichten Gegner fand ich die Stimmung in Industria 2 sehr gelungen. Die Parallel-Dimension war schon sehr düster und die Roboter haben auch den Anklang eines Überlebenskampfes erweckt. Mit relativ gut verteilten Speicherstationen lässt sich auch der Fortschritt regelmässig sichern. Neben drei Autosaves gibt es auch viel Platz für manuelle Speicherpunkte.

Die düstere Welt

Industria 2 bietet uns nicht nur eine düstere Welt mit bedrückender Atmosphäre. Mit Notizen, Sammlungsgegenständen und Aufzeichnungen bekommen wir auch viel Hintergrundwissen zur Geschichte geboten. Natürlich gibt es auch viele Referenzen zum Vorgänger. Dank der kurzen Zusammenfassung zu Beginn ist es aber nicht zwangsweise nötig, den ersten Teil selbst gespielt zu haben.

Während wir uns durch die Parallel-Dimension begeben, hat sich aber auch am Gameplay im Vergleich zum ersten Teil viel getan. Neben der Möglichkeit unsere Waffen mit Aufsätzen zu versehen, können wir nämlich in der Fortsetzung auch nützliche Dinge herstellen. Von Verbänden über Bomben und Fallen bis hin zur Munition. Haben wir die nötigen Ressourcen in der Welt gefunden, können wir über unser Inventar jederzeit unseren Vorrat auffüllen.

Stichwort Inventar: dieses ist auch übersichtlich sortiert. Es gibt sowohl aktive als auch passive Zugriffsplätze für Waffen und Werkzeuge. Mit drei Schnellzugriffsplätzen in puncto Werkzeugen und zwei Plätzen für Waffen, können wir auch gut jederzeit unsere Ausrüstung bei Bedarf anpassen. Um einen leiseren Ansatz verfolgen zu können, können wir sogar kaputte Flaschen werfen, um die Aufmerksamkeit der Gegner dorthin zu lenken.

Viel Luft nach oben

Auch wenn ich bisher sehr viel löbliches zu Industria 2 geschrieben habe und die Stunden auch genossen habe, hat der Indie Titel dennoch sehr viel Luft nach oben. An erster Stelle fallen mir sofort etliche Bugs ein. Egal ob die Dialoge teilweise mit den Lippenbewegungen asynchron sind, Untertitel oftmals zu spät einsetzen, komische Animationen beim Klettern auftreten, Interaktions-Hinweise gar nicht erst angezeigt werden, angebliche Dialogoptionen mit Marlene zur Verfügung stehen sollten oder auch Datenbankeinträge bei den Sammlungsgegenständen nur in englischer Sprache zur Verfügung stehen. Industria 2 hat leider extrem viele Bugs, sodass wohl noch sehr viel Feinschliff nötig sein wird.

Auch ärgerlich ist eigentlich die Tatsache, dass ein Spiel aus Deutschland keine deutsche Vertonung besitzt. Das man natürlich nicht als Indie Studio unbedingt sämtliche Sprachräume mit entsprechendem Ton abdecken kann ist natürlich verständlich. Aber neben der Weltsprache englisch hätte ich ehrlich gesagt schon eine deutsche Sprachausgabe erwartet.

Was ebenfalls ärgerlich am Spiel ist, ist die Tatsache, das wichtige Gegenstände für das Weiterkommen in der Geschichte nicht von anderen Gegenständen getrennt gelagert werden und entsprechend automatisch an der passenden Stelle eingefügt werden. Ich kann mich da beispielsweise an eine Stelle nach ein paar Stunden Spielzeit erinnern, bei dem zwei Sicherungen für einen Aufzug benötigt wurden. Während ich die erste sofort einsetzen konnte, hab ich minutenlang in der Spielwelt nach der zweiten gesucht und erst später festgestellt, dass ich diese in meinen passiven Zugriffsplätzen unter den Werkzeugen hatte und sie manuell extra in den aktiven Platz packen musste, um die Sicherung einsetzen zu können.

Oben erwähnte ich ja bereits, dass wir mit Notizen, Sammlungsgegenständen und Aufzeichnungen mehr zur Hintergrundgeschichte erfahren können. Mit Ausnahme von Audioaufzeichnungen, die ja sofort am Gerät abgespielt werden und Notizen, welche sofort gelesen werden können, ist das bei Sammlungsgegenständen ganz schön anstrengend. Denn statt neue Einträge mit einem Hinweis zu versehen, müssen wir uns merken was wir schon gefunden hatten und was neu dazugekommen ist. Mit einem zukünftigen Update sollte das auf jeden Fall vereinfacht werden. Denn natürlich möchte ich die ganze Hintergrundgeschichte kennen lernen, will aber auch nicht andauernd auswendig lernen, was ich schon vorher gefunden hatte.

Letzter Kritikpunkt vor dem Fazit bezieht sich auf das Ausdauer-System. Natürlich trägt es schon zur Immersion bei, wenn ich nicht unendlich lang sprinten kann. Das kann aber in einem gewissen Bosskampf dann schon nervig sein, wenn ich einer Horde von Robotern unterschiedlicher Bedrohungsnatur ausweichen muss, während ich mich noch vor einem Laser schützen soll und gleichzeitig auch noch den nötigen Loot in der Arena aufsammeln muss. Zwar ist es gut, dass sich die Ausdauer nicht so schnell leeren lässt, aber sollte diese mal leer sein, könnte die Regeneration durchaus einen ticken schneller sein. Vielleicht rächt sich aber auch einfach hier dann doch final die gewählte Schwierigkeit.

The Review

Industria 2 (PC)

Industria 2 hinterlässt mich mit gemischten Gefühlen. Zwar habe ich wirklich viel Spass in den paar Stunden mit dem Spiel und der Geschichte gehabt, aber zum jetzigen Zeitpunkt würde ich das Spiel noch nicht weiterempfehlen. Hier stehen sich derzeit eine gute Grafik und Geschichte samt stimmungsvoller Atmosphäre und gutem Gameplay einer riesigen Anzahl an Bugs und komischen Entwicklerentscheidungen gegenüber. Sobald diese aber in zukünftigen Updates gefixt wurden, kann ich das Spiel absolut empfehlen.

PROS

  • Gute Grafik
  • stimmungsvolle Amosphäre
  • gute Geschichte
  • Gameplay immersiv und spassig zugleich
  • viele neue Features

CONS

  • extrem viele Bugs
  • keine deutsche Vertonung
  • Neue Einträge in der Datenbank werden nicht markiert
  • Ausdauer-Regeneration zu langsam
  • wichtige Gegenstände fürs Weiterkommen werden nicht automatisch eingesetzt
Tags: BleakmillHeadup GamesIndustria 2
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Fabian Kloster

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