Die gamescom zieht jedes Jahr hunderttausende Spielefans nach Köln. Doch wie familienfreundlich und barrierefrei ist die weltweit größte Messe für Computer- und Videospiele im Jahr 2026? Wir haben uns angesehen, welche Maßnahmen die Veranstalter in den Bereichen Jugendschutz, Awareness und Barrierefreiheit ergreifen.
Die Gaming-Community ist vielfältig, und das soll sich auch auf der gamescom widerspiegeln. Der Anspruch der Messe ist klar formuliert: Alle Besucherinnen und Besucher sollen sich sicher, respektiert und willkommen fühlen – unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder körperlichen Fähigkeiten. Aber wie sieht das in der Praxis aus?
Jugendschutz im Fokus: „FSK-Mama“ ist hier machtlos
Ein zentrales Thema für Familien auf der gamescom ist der Jugendschutz. Wer sich durch die vollen Messehallen bewegt, stößt unweigerlich auf Spiele, die (noch) nicht für jedes Alter geeignet sind. Hier kommt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ins Spiel.
Alterskennzeichen: Mehr als nur Inhaltsprüfung
Die USK prüft Spiele in Deutschland und vergibt die bekannten Altersfreigaben. Wichtig zu wissen: Es geht dabei schon lange nicht mehr nur um Gewaltdarstellungen oder heikle Inhalte. Die USK bewertet auch kritische Spielmechaniken wie Chatfunktionen, In-Game-Käufe oder Lootboxen, die für Kinder und Jugendliche problematisch sein können. Für Eltern sind diese Kennzeichen eine essenzielle Orientierungshilfe, um informierte Entscheidungen zu treffen und Geräte entsprechend altersgerecht einzurichten.
Die „retro & family area“: Anlaufstelle für Eltern und Kids (Halle 10.2)
In der Halle 10.2 finden Familien die „retro & family area“. Die USK ist hier mit einem eigenen Stand (C-009) vertreten und bietet ein umfangreiches Informationsangebot:
- Tägliche Talks: Einblicke in die Arbeit der USK.
- Beratung: Antworten auf Fragen zu Alterskennzeichen und praktische Tipps für einen sicheren Umgang mit digitalen Spielen.
- Entertainment: Ein Game-Quiz, bei dem man das aktuelle USK-Shirt gewinnen kann.
Wichtiger Hinweis für den Messebesuch: Die farbigen Altersbändchen, die man benötigt, um Zugang zu altersbeschränkten Spielen zu erhalten, gibt es nicht am USK-Stand. Die Ausgabestellen dafür befinden sich direkt vor den Eingängen zum Messegelände. Und hier zählt nicht dass Papa oder Mama mit dabei sind. Ist das Kind z.B. unter 12, dann sind alle Bereiche und Spiele ab 12 tabu! Hier zählt das Gesetz! Gilt auch für jugendliche Besucher:innen!
Awareness: Sicherheit und Wohlbefinden haben Priorität
Um das Versprechen eines positiven und geschützten Erlebnisses einzulösen, setzt die gamescom auf eine strenge „Safer Space Policy“. Belästigung oder Übergriffe werden nicht toleriert.
Das Awareness-Team: „Talk to us!“
Über das gesamte Messegelände verteilt, sowie bei Events wie der Opening Night Live und der Ausstellerparty, sind speziell geschulte Awareness-Teams im Einsatz. Sie sind die erste Anlaufstelle für alle, die sich unwohl fühlen, eine unangenehme Situation erleben oder Hilfe benötigen.
- Erkennungsmerkmal: Die Teams tragen gelbe T-Shirts mit der Aufschrift „Awareness Team. Your Safety matters. Talk to us!“. Andere Ansprechpersonen, die weiterhelfen können, tragen gelbe „Erstkontakt Awareness“-Buttons.
- Kontakt: Das Team ist telefonisch unter +49 221 821 2018 erreichbar. Die zentrale Anlaufstelle befindet sich in der Passage 10/11 (Counter 1-3).
- Hilfe vor Ort: An Infocountern und in den Toiletten hängen Plakate mit QR-Codes, um schnell Hilfe anzufordern. Für den Notfall stehen zudem geschützte Räume als Rückzugsorte zur Verfügung.
Barrierefreiheit: Bemühungen mit Herausforderungen
Die gamescom möchte auch für Menschen mit Behinderungen einen selbstbestimmten Aufenthalt ermöglichen. Doch die Realität einer so großen Messe bringt Herausforderungen mit sich. Die Veranstalter weisen ehrlich darauf hin, dass nicht alle Bereiche des Geländes vollständig barrierefrei zugänglich sind und Wege je nach Auslastung variieren können.
Orientierung und Infrastruktur
- Hilfe bei der Wegfindung: Infopersonal vor Ort unterstützt bei der Orientierung und begleitet bei Bedarf.
- Anreise: Für Rollstuhlfahrende wird die Anreise über den Eingang Nord empfohlen (hier halten auch Taxen). Bei Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Eingänge Süd oder Ost besser geeignet. An allen drei Eingängen gibt es Sonderparkplätze.
- Vor Ort: Rollstuhlgerechte Toiletten sind in allen Hallen vorhanden und im Hallenplan verzeichnet, ebenso wie die barrierefrei nutzbaren Aufzüge. (Achtung: Die Option, Rollstühle über die Messe zu reservieren, ist aktuell leider schon ausgeschöpft).
- Selbstverpflichtung der Aussteller: Um die Zugänglichkeit weiter zu verbessern, gibt es für Aussteller „Accessibility Guidelines“, die eine Selbstverpflichtung für einen stufenfreien Zugang zu den Standflächen vorsehen.
Reizüberflutung: Ein wichtiges Thema
Ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird: Barrierefreiheit betrifft nicht nur die physische Zugänglichkeit. Die gamescom warnt ausdrücklich vor unregelmäßigen, intensiven Licht- und Soundeffekten (inklusive Stroboskopen) sowie schnell wechselnden visuellen Reizen auf dem gesamten Gelände. Für Menschen mit Epilepsie, PTBS, Migräne oder hoher Sensibilität kann dies problematisch sein. Der Besuch erfolgt hier ausdrücklich auf eigene Verantwortung.
Aber nehmt auf diese Mitmenschen auch Rücksicht.
All-Gender-Toiletten
Die All-Gender-Toiletten findest du in der entertainment area auf dem P8 Halle 9.1.

