Tatorte ohne Questmarker untersuchen, eigene Schlussfolgerungen formulieren und Verdächtige mit ihren Lügen konfrontieren: Code: 9 von Entwickler und Publisher Riding Turtles zeigt sich im GamingUp Showcase 2026 mit seinem ungewöhnlichen Ansatz für ein Detektivspiel. Statt aus vorgegebenen Antworten auszuwählen, schreibst du deine Schlussfolgerungen und Antworten selbst. Ein Sprachmodell bewertet anschließend deine Eingaben und entscheidet, ob deine Argumentation zum Fall und den gefundenen Beweisen passt.
Code: 9 verbindet dieses System mit einer dystopischen Geschichte rund um das Regime von Aeterna. Im Mittelpunkt steht Johann, dessen Leben zusammenbricht, nachdem seine Geliebte vom neuen Regime getötet wird. Auf der Suche nach Antworten schließt er sich einer Widerstandsgruppe aus Ermittlern an. An seiner Seite befindet sich allerdings noch jemand: die intelligente Entität K.L.A.R.A.. Johann wurde mithilfe aeternischer Technologie mit ihr verbunden. K.L.A.R.A. verfolgt gleichzeitig ihre eigenen Ziele und will diejenigen vernichten, die einst versucht haben, sie zu versklaven.
Bei den Ermittlungen verzichtet Riding Turtles bewusst auf viele Hilfsmittel, die Spieler aus anderen Adventures kennen. An einem Tatort erscheinen keine Questmarker, die direkt auf den nächsten wichtigen Gegenstand zeigen. Stattdessen musst du die Umgebung selbst untersuchen und entscheiden, welche Details für den aktuellen Fall tatsächlich relevant sind. Dabei können Gegenstände genauer untersucht, versteckte Bereiche entdeckt und verschiedene Rätsel gelöst werden. Nicht jede Information ist automatisch ein entscheidender Hinweis. Genau hier setzt das Deduktionssystem an.
Hast du mehrere Beweise gefunden und glaubst, einen Zusammenhang erkannt zu haben, wählst du nicht einfach eine von drei vorbereiteten Schlussfolgerungen aus. Du musst selbst in eigenen Worten erklären, warum die gefundenen Informationen für den Mordfall relevant sind. K.L.A.R.A. bewertet anschließend deine Argumentation. Nur wenn die Schlussfolgerung ausreichend mit den vorhandenen Beweisen übereinstimmt, kannst du damit bei der Untersuchung weiterkommen. Zusätzlich versteckt Riding Turtles geheime Deduktionen in den Fällen. Wer einen Tatort besonders gründlich untersucht und Zusammenhänge erkennt, die nicht zwingend für den normalen Fortschritt notwendig sind, kann dadurch zusätzliche Informationen und Möglichkeiten erhalten.
Das gleiche Grundprinzip setzt Code: 9 bei Gesprächen fort. Die Dialoge selbst sind von den Entwicklern geschrieben. Statt während eines Gesprächs zwischen mehreren vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auszuwählen, kannst du jedoch eigene Antworten eintippen. Das Spiel bewertet anschließend, welche Bedeutung die Eingabe im jeweiligen Kontext besitzt und welcher Dialogpfad dazu passt. Dadurch sollen Verhöre stärker davon abhängen, welche Informationen du während deiner bisherigen Ermittlungen tatsächlich gesammelt hast. Wer beispielsweise eine geheime Deduktion entdeckt hat, kann dieses Wissen später einsetzen und damit zusätzliche Gesprächswege freischalten. Die Untersuchung eines Tatorts und die anschließenden Gespräche sind dadurch direkt miteinander verbunden. Übersehene Hinweise können bedeuten, dass bestimmte Argumente während eines Verhörs gar nicht zur Verfügung stehen. Gleichzeitig musst du selbst erkennen, wann ein Verdächtiger lügt und welche Beweise sich dazu eignen, dessen Aussage zu widerlegen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Large Language Model, kurz LLM. Riding Turtles grenzt dessen Aufgabe allerdings klar ein. Das Sprachmodell soll keine Dialoge oder andere Inhalte für Code: 9 generieren. Stattdessen wird es als eine Art Prüfer für die Texteingaben des Spielers verwendet. Das Modell kategorisiert, ob eine formulierte Schlussfolgerung richtig, falsch oder für die jeweilige Situation überhaupt relevant ist. Auch bei den frei eingegebenen Antworten während der Gespräche dient das System dazu, die Eingabe zu interpretieren und dem passenden handgeschriebenen Dialogpfad zuzuordnen. Grafiken, 2D- und 3D-Inhalte, Musik, Dialoge und Stimmen werden laut Riding Turtles nicht durch generative KI erstellt. Steam weist ausschließlich auf den Einsatz eines Large Language Models zur Bewertung der Deduktionen hin. Dafür verbindet sich Code: 9 mit dem Drittanbieter-Dienst OpenRouter. Für das Spiel ist deshalb auch eine Breitband-Internetverbindung in den Mindestanforderungen angegeben.
Die einzelnen Ermittlungen stehen gleichzeitig im Zusammenhang mit der übergeordneten Geschichte. Die Nation Aeterna befindet sich im Krieg mit den anderen Nationen der Insel und setzt dabei Technologien ein, die ihren Gegnern bislang unbekannt sind. Der Widerstand versucht herauszufinden, was hinter Aeterna und dessen technologischer Überlegenheit steckt. Johanns persönliche Motivation ist mit diesem Konflikt verbunden. Der Tod seiner Geliebten führt ihn zum Widerstand und damit zu seinen Ermittlungen gegen das Regime. Die einzelnen Mordfälle sollen deshalb nicht ausschließlich voneinander getrennte Kriminalgeschichten erzählen. Während Johann Tatorte untersucht, stößt er zunehmend auf Hinweise zu den Opfern, den Verbrechen Aeternas und einer größeren Verschwörung. Gleichzeitig bleibt K.L.A.R.A. ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Die Entität ist zwar Johanns Begleiterin und hilft ihm bei seinen Ermittlungen, verfolgt aber ihre eigene Agenda.
Damit muss Johann nicht nur herausfinden, was Aeterna verbirgt, sondern auch verstehen, was mit ihm selbst geschehen ist und welche Absichten K.L.A.R.A. tatsächlich verfolgt.
Code: 9 lässt sich bereits vor der Veröffentlichung ausprobieren. Riding Turtles veröffentlichte die kostenlose Demo am 3. Februar 2026 über Steam. Seitdem wurde die Testversion weiter überarbeitet. Erst im Juli 2026 erschien ein größeres Update, das auf dem bisherigen Feedback der Spieler basiert. Die überarbeitete Demo enthält unter anderem einen neuen Fall. Gleichzeitig wurden der Conversation Mode sowie der Deduction Mode und das Evidence Board überarbeitet. Riding Turtles plant weitere Anpassungen und möchte später im Jahr auch den ersten Fall noch einmal vollständig überarbeiten.
Damit dient die Demo gleichzeitig als Testfeld für die ungewöhnlichen Eingabesysteme. Gerade das freie Formulieren von Schlussfolgerungen muss schließlich erkennen können, wenn zwei Spieler denselben Zusammenhang mit vollkommen unterschiedlichen Worten beschreiben.
Code: 9 wird vollständig von Riding Turtles entwickelt und veröffentlicht. Aktuell ist das Detektiv-Adventure für Windows-PC angekündigt. Englisch, Deutsch und Japanisch sind für Benutzeroberfläche und Untertitel bestätigt. Das Spiel ist ausschließlich für Singleplayer ausgelegt.
Wann die vollständige Version von Code: 9 erscheint, ist derzeit noch offen.

