Ein Fischertukan segelt über die Köpfe der Besucher hinweg, im Becken nebenan zieht eine Echte Karettschildkröte ihre Bahnen. Stundenlang haben wir an Felsen, Wasserläufen und Pflanzen gefeilt, damit sich unsere Tiere wohlfühlen. Und die Besucher? Die suchen die nächste Toilette, stehen am Imbiss Schlange und werfen ihren Müll ins Gebüsch. Im Winter jammern sie dann über die Kälte. Willkommen in Planet Zoo 2.
Knapp sieben Jahre nach dem ersten Teil schickt uns das britische Studio Frontier Developments erneut hinter die Kulissen eines Tierparks. Der Nachfolger bringt erstmals Aquarien und Volieren in die Reihe. Dazu kommen Wildreservate, in die wir unsere Tiere auswildern können. Doch reicht das für einen echten Nachfolger? Oder bekommen wir vor allem ein schöneres Planet Zoo?
Vom Karrierezoo zum Online-Franchise

Mit Planet Zoo 2 setzt Frontier seine Reihe von Aufbau- und Managementspielen fort. Das Studio aus Cambridge steht auch hinter Planet Coaster und Jurassic World Evolution, alle Titel laufen auf der hauseigenen Cobra-Engine. Der erste Planet Zoo erschien 2019 und galt als geistiger Nachfolger von Zoo Tycoon. Über die Jahre wuchs er mit 21 Erweiterungen auf mehr als 200 Tierarten an.
Wie im Vorgänger planen wir Gehege, kümmern uns um das Wohl der Tiere und halten gleichzeitig die Besucher bei Laune. Dafür stehen drei Spielmodi bereit: Karriere, Franchise und Sandbox. Verbunden werden sie durch den neuen Planet Hub. Über diese Weltkarte verwalten wir alle Zoos und Reservate, verfolgen die Forschung und starten Artenschutzprojekte.
In der Karriere schlüpfen wir in die Rolle des neuen Artenschutz-Koordinators im Netzwerk FEN, kurz für Fauna and Ecosystems Network. Unsere Reise führt uns rund um den Globus, eine Reihe von Figuren treibt die Handlung voran. Insgesamt umfasst die Karriere 18 Szenarien in vier Kapiteln. Für erfüllte Ziele gibt es Bronze-, Silber- und Goldmedaillen, die wiederum neue Schauplätze freischalten.
Manche Szenarien beginnen auf einer leeren Baufläche, andere in einem bestehenden Zoo mit Problemen. In Neuengland etwa sanieren wir die Finanzen eines verschuldeten Tierparks und zahlen seinen Kredit zurück. Damit dient die Karriere zugleich als ausführliches Tutorial. Schritt für Schritt lernen wir Tieradoption, Zucht, Gehegebau, Aquarien, Volieren und Wildreservate kennen.
Ganz ehrlich: Die komplette Karriere haben wir für diesen Test nicht abgeschlossen. Wir sind bis ins zweite Kapitel vorgedrungen. Danach hat es uns zu sehr in den Fingern gejuckt, endlich eigene Zoos zu bauen. Außerdem kosteten uns einige Bugs in der vergleichsweise kurzen Testzeit wertvolle Stunden, dazu später mehr.
Die Geschichte und ihre Figuren hinterlassen einen gemischten Eindruck. Einige Dialoge lockern die Aufgaben angenehm auf, andere hätten wir gern übersprungen. Etwas störend: Die FEN-Figuren melden sich nicht nur in der Karriere zu Wort, sondern auch in den anderen Modi. Wer einfach nur in Ruhe an seinem eigenen Zoo bauen will, hätte auf diese Einwürfe gut verzichten können.

Als Kern des Spiels gilt der Franchise-Modus. Hier bauen wir ein Netzwerk aus Zoos und Wildreservaten auf. Die meisten Tiere bezahlen wir nicht mit Geld, sondern mit Artenschutz-Credits. Diese verdienen wir unter anderem durch Auswilderungen, Artenschutzprojekte und Community-Herausforderungen. Über einen gemeinsamen Tiermarkt handeln wir zudem mit anderen Spielern.
Der Haken: Franchise funktioniert nur mit Internetverbindung. Für eine Aufbausimulation, die wir im Grunde allein spielen, ist dieser Online-Zwang ärgerlich. Zum echten Problem wird er, sobald die Server streiken. Genau das ist uns im Test passiert. Frontier hat die Probleme inzwischen eingeräumt. Mit Update 1.0.5 entschuldigte sich das Studio für die Stabilitätsprobleme im Franchise-Modus und erhöhte die Serverkapazität.
Zusätzlich bremst das neue Akkreditierungssystem. Zu Beginn eines Franchise ist ein Großteil der Arten gesperrt. Erst wenn unser erster Zoo drei Sterne Ruf erreicht, steigt die Akkreditierung auf die nächste Stufe. Weitere Stufen folgen mit wachsendem Erfolg. Das sorgt für einen langen Fortschrittsbogen, kann sich unter Umständen aber sehr lange hinziehen. Wer sich auf seine Lieblingstiere freut, braucht hier viel Geduld.
Auch eine Obergrenze für Besucher ist uns im Franchise-Modus auf dem PC begegnet. Bei ambitionierten Großprojekten wirkt das unnötig einschränkend.
Wer ohne Geldsorgen und gesperrte Inhalte loslegen möchte, greift zum Sandbox-Modus. Dort steht von Anfang an alles zur Verfügung, verschiedene Voreinstellungen passen das Erlebnis an. Zoos aus der Karriere lassen sich hier sogar weiterführen. Für unseren Test haben wir uns jedoch auf Karriere und Franchise konzentriert.
Insgesamt bietet Planet Zoo 2 drei Modi für unterschiedliche Spielertypen. Die Karriere führt Schritt für Schritt in die vielen Systeme ein, das Franchise setzt auf langfristigen Fortschritt. Online-Zwang, Serverprobleme und eine zähe Freischaltung neuer Arten trüben jedoch den Eindruck.
Ein Zuhause für Fell, Flossen und Federn

Das Grundprinzip bleibt vertraut: Wir bauen Gehege, adoptieren Tiere und sorgen dafür, dass es ihnen gut geht. Jede Art stellt eigene Ansprüche an Gelände, Wasser, Pflanzen und Rückzugsorte. Gleichzeitig müssen die Finanzen stimmen. Eintrittsgelder, Shops und Spenden bezahlen Personal, Forschung und neue Gehege. Erst die Balance aus Tierwohl und Besucherzufriedenheit sorgt für einen guten Ruf und damit für höhere Einnahmen.
Für uns liegt der größte Reiz von Planet Zoo 2 im Bauen. Ein Gehege so zu gestalten, dass es schön aussieht und den Tieren ein artgerechtes Zuhause bietet, motiviert enorm. Jeder Felsen, jeder Baum und jeder Wasserlauf trägt dazu bei. Erkunden die Tiere dann ihr neues Revier, hat sich die Mühe gelohnt.
Die größte Neuerung sind die Aquarien. Erstmals in der Reihe halten wir Arten, die vollständig im Wasser leben. Wir legen Süß- oder Salzwasserbecken an und besetzen sie etwa mit Schwarzspitzen-Riffhaien, Echten Karettschildkröten oder Mondfischen. Für die Pflege schlüpfen unsere Tierpfleger in Neoprenanzüge und gelangen über Schleusen ins Becken. Bau und Betrieb der Aquarien sind sehr gut gelungen. Wo im Vorgänger eine Lücke klaffte, entstehen jetzt eindrucksvolle Unterwasserwelten.
Ähnlich überzeugend fallen die Volieren aus. Vögel können nun tatsächlich fliegen, statt nur am Boden herumzulaufen. Mit Barrieren, Stützpfeilern und anpassbaren Netzdächern bauen wir frei gestaltbare Anlagen. Auf Wunsch spazieren die Besucher sogar mitten hindurch. Fischertukan und Sekretär gehören zu den gefiederten Bewohnern. Auch hier hat Frontier sehr gute Arbeit geleistet.
Über die Zoogrenzen hinaus geht es in den neuen Wildreservaten. Erfüllen unsere Tiere bestimmte Voraussetzungen, wildern wir sie in Gruppen in weitläufige Ökosysteme aus. Die Reservate liegen rund um den Globus, etwa in Tansania oder Schweden, und lassen sich ebenfalls gestalten. Als Belohnung gibt es Artenschutz-Credits und Forschungsvorteile für unseren Zoo. Das passt gut zum Artenschutzgedanken der Reihe. Spielerisch empfinden wir die Reservate eher als nette Ergänzung denn als zentrale Neuerung.
Zum Start bietet Planet Zoo 2 über 100 Arten, verteilt auf Gehege, Aquarien, Volieren und Ausstellungen. Erstmals sind auch Insekten dabei. Das klingt nach viel, doch Fans des Vorgängers sind inzwischen ein deutlich größeres Angebot gewohnt. Uns erscheint die Auswahl deshalb etwas knapp. Erfahrungsgemäß dürften weitere Tiere nach und nach als kostenpflichtige DLCs folgen. Die Deluxe Edition enthält bereits sechs zusätzliche Arten, darunter Axolotl und Großer Hammerhai.

Weniger Freude bereiten uns die Besucher. Gefühlt kommen sie aus jedem Grund in unseren Zoo, nur nicht wegen der Tiere. Sie wollen auf die Toilette, shoppen, essen und trinken. Ihren Müll verteilen sie großzügig auf den Wegen. Sobald der Winter einzieht, beschweren sie sich lautstark über die Kälte. Natürlich gehört die Versorgung der Gäste zum Managementteil dazu. Trotzdem fühlt sich der unlogische Besucherservice oft wie ein lästiges Pflichtprogramm an, das uns vom eigentlichen Bauen abhält.
Beim Bauen setzt Frontier auf das bewährte Baukastensystem der Planet-Reihe. Wir setzen Gebäude Stück für Stück aus Einzelteilen zusammen oder greifen auf fertige Blueprints zurück. Vier neue Themenwelten mit Architektur aus aller Welt und fünf bekannte Themen aus dem Vorgänger liefern das Material. Über den Frontier Workshop teilen wir unsere Kreationen nun auch plattformübergreifend.
Spürbare Fortschritte bei der Bedienung selbst sehen wir jedoch kaum. Die Werkzeuge fühlen sich nahezu genauso an wie im ersten Teil. Veteranen finden sich dadurch sofort zurecht. Wer sich dagegen mehr Komfort erhofft hat, wird enttäuscht. Zum Start fehlte sogar das Scrollen am Bildschirmrand, das erst Update 1.0.5 als Option zurückbrachte.
Die Lernkurve fällt entsprechend steil aus. Zahlreiche Menüs, Werte und Abhängigkeiten wollen verstanden werden. Die Karriere hilft zwar beim Einstieg, trotzdem brauchen Neulinge viel Geduld. Wer mit Planet Zoo oder Planet Coaster noch keine Erfahrung hat, sollte einige Stunden Einarbeitung einplanen.
Ärgerlich sind die Fehler im Tierverhalten. Immer wieder brechen Tiere aus ihren Gehegen aus. Andere landen ohne erkennbaren Grund wieder in ihrer Transportkiste. Beides hat uns im Test einiges an Zeit und Nerven gekostet. Frontier hat mit Update 1.0.4 bereits nachgebessert, unter anderem bei ausbrechenden Tieren. Auch nach Update 1.0.5 traten die Probleme bei uns aber weiter auf. Fehlerhaftes Tierverhalten steht inzwischen ganz oben auf der Prioritätenliste des Studios, ein weiterer Bugfix ist in Arbeit.
Insgesamt macht Planet Zoo 2 spielerisch viel richtig. Aquarien und Volieren schließen die größten Lücken des Vorgängers und sind hervorragend umgesetzt. Beim Bauen haben wir unheimlich viel Spaß. Kaum weiterentwickelte Werkzeuge, eine steile Lernkurve, nervige Besucher und Bugs im Tierverhalten verhindern jedoch einen rundum gelungenen Eindruck.
Prachtvolle Tiere, stabile Technik

Optisch macht Planet Zoo 2 einen großen Schritt nach vorn. Frontier verspricht detailreiches Fell, Federn und Schuppen sowie stimmungsabhängiges Verhalten. Zumindest optisch löst das Spiel dieses Versprechen ein. Die Tiere sehen richtig gut aus, egal ob Raubkatze, Hai oder Vogel. Auch die Pflanzen wirken detailreich und lebendig. Beim Verhalten hapert es dagegen noch, wie die erwähnten Bugs zeigen.
Getestet haben wir auf einem PC mit Linux Mint, einem Ryzen 9 5950X, 64 GB RAM und einer Radeon RX 6800. Eine native Linux-Version gibt es nicht, das Spiel lief bei uns über Steams Kompatibilitätsschicht Proton. Bereits vor Release war Planet Zoo 2 für das Steam Deck als verifiziert eingestuft.
Unser System liegt deutlich über den empfohlenen Anforderungen. Frontier empfiehlt einen Ryzen 7 5800X oder Core i7-10700K, eine Radeon RX 6700 XT oder GeForce RTX 3070 sowie 16 GB RAM. Als Minimum nennt das Studio einen Ryzen 5 3600 oder Core i7-8700K mit Radeon RX 5600 XT oder GeForce RTX 2060. Dazu kommen 40 GB Speicherplatz, eine SSD wird empfohlen.
Auf diesem System lief das Spiel erfreulich rund. Selbst in größeren Zoos haben wir keine wahrnehmbaren Ruckler festgestellt. Einen Absturz gab es dennoch: Der Tierhandel hing sich auf und riss das Spiel mit sich. Ein Einzelfall in 30 Stunden, aber ein weiterer Hinweis auf die Baustellen im Online-Teil.
Für schwächere Rechner bietet das Spiel die Upscaling-Verfahren DLSS und FSR an. Laut Frontier funktionieren beide allerdings erst seit Update 1.0.4 korrekt. Wir haben im Test darauf verzichtet. Update 1.0.5 verbesserte zudem das Nachladen von Texturen, damit Objekte seltener sichtbar aufploppen.
Insgesamt hinterlässt Planet Zoo 2 technisch einen guten Eindruck. Tiere und Pflanzen sind das optische Highlight des Spiels. Auf leistungsstarker Hardware läuft die Simulation flüssig, selbst unter Linux. Abzüge gibt es lediglich für den Absturz im Tierhandel.
Auch auf einem Windows System haben wir gespielt und sahen uns mit denselben Problemen konfrontiert.
Deutsche Stimmen, eintönige Klänge

Die Musik stammt von Komponist JJ Ipsen. Auf Dauer wirkt sie für uns jedoch zu eintönig. Irgendwann haben wir die Hintergrundmusik deshalb abgeschaltet. Bei einer Aufbausimulation, die auf viele Stunden angelegt ist, hätten wir uns mehr Abwechslung gewünscht.
Positiv überrascht hat uns die deutsche Sprachausgabe. Die Figuren der Karriere sind auf Deutsch vertont, und die Sprecher machen ihre Sache sehr gut. Selbst wenn uns nicht jede Szene inhaltlich überzeugt, klingt sie zumindest gut.
Auch die Tiergeräusche sind gelungen. Brüllen, Zwitschern und Rufe klingen glaubwürdig und passen zu den jeweiligen Arten. Unsere Besucher unterhalten sich dagegen in einer Art Fantasiesprache. Sie erinnert stark an das Simlish aus Die Sims. Das ist Geschmackssache.
Kaum wahrnehmbar sind die Umgebungsgeräusche. Wind, Wasser oder das Rauschen der Bäume hätten die Atmosphäre deutlich bereichert. So wirkt die Klangkulisse abseits von Tieren und Besuchern oft leer.
Insgesamt erfüllt der Sound seinen Zweck mit Abstrichen. Die deutsche Sprachausgabe und die Tierstimmen überzeugen. Eintönige Musik und fehlende Umgebungsgeräusche lassen jedoch Potenzial liegen.
The Review
Planet Zoo 2
Mit Planet Zoo 2 liefert Frontier einen guten Nachfolger ab, der die größten Wünsche der Fans erfüllt. Aquarien und Volieren sind hervorragend umgesetzt, Tiere und Pflanzen sehen prachtvoll aus. Wer gerne baut und seinen Tieren ein schönes Zuhause schaffen möchte, hat unheimlich viel Spaß. Leider bringt der Zoo zum Start jede Menge Bugs mit – und die stehen nicht als neue Insektenart in der Zoopedia. Ausbrechende Tiere, Serverprobleme und der Online-Zwang im Franchise-Modus trüben den Eindruck. Auch die kaum veränderten Bauwerkzeuge und die steile Lernkurve kosten Punkte. Die Tierauswahl fällt zudem etwas knapp aus, Nachschub dürfte nach und nach per DLC folgen. Wer Geduld mitbringt oder noch ein paar Patches abwartet, bekommt für 49,99 Euro dennoch eine wunderschöne Zoosimulation. Die Deluxe Edition kostet 64,99 Euro. Und unsere Besucher? Die stehen vermutlich immer noch Schlange vor der Toilette.
PROS
- Hervorragend umgesetzte Aquarien und Volieren
- Prachtvolle Tiere und Pflanzen
- Motivierender Gehegebau mit viel Gestaltungsfreiheit
- Sehr gute deutsche Sprachausgabe
- Läuft flüssig, auch unter Linux
CONS
- Online-Zwang und Serverprobleme
- Bugs wie ausbrechende Tiere
- Bauwerkzeuge kaum weiterentwickelt
- Etwas knappe Tierauswahl, langsame Freischaltung im Franchise

