Kann BioWare doch noch gerettet werden? In Kanada fordert der Chef der Oppositionspartei NDP, dass die Belegschaft das Studio mit staatlicher Unterstützung übernimmt.
Die Schließung von BioWare durch Electronic Arts erreicht jetzt die kanadische Politik. Avi Lewis, Vorsitzender der New Democratic Party (NDP), hat in den sozialen Medien gefordert, dass die Entwicklerinnen und Entwickler das Studio selbst kaufen dürfen. Dabei solle die Bundesregierung sie unterstützen.
Was fordert Avi Lewis?
Lewis zufolge wissen die Leute bei BioWare am besten, wie man das Studio führt. Deshalb sollten sie zuerst die Chance bekommen, es zu übernehmen. Gleichzeitig kritisiert er Private-Equity-Investoren scharf. Diese würden Unternehmen aufkaufen und für kurzfristige Gewinne zerschlagen. Kanada müsse solche Käufer deshalb fernhalten.
Ein konkretes Modell, etwa eine Genossenschaft, nannte Lewis allerdings nicht. Auch eine Reaktion der kanadischen Regierung oder von EA gibt es bislang nicht. Die NDP ist im Parlament in der Opposition, die Forderung hat daher vorerst eher symbolischen Charakter.
Hintergrund: Das Aus für BioWare
Electronic Arts hatte am 21. Oktober angekündigt, BioWare in Edmonton zu schließen. Zugleich streicht der Publisher rund 400 Stellen. Das nächste Mass Effect, an dem zuletzt etwa 50 Personen arbeiteten, wurde eingestellt. Es ist die erste große Studioschließung seit der rund 55 Milliarden Dollar schweren Übernahme von EA durch ein Konsortium um den saudischen Staatsfonds PIF.
Zum Käuferkonsortium gehören neben PIF auch der Finanzinvestor Silver Lake sowie Affinity Partners, die Firma von Jared Kushner. Als Gründe für die Schließung gelten die hohen Schulden aus der Übernahme und die schwachen Ergebnisse von Anthem und Dragon Age: The Veilguard. Ob neben BioWare auch weitere kanadische EA-Studios wie EA Vancouver oder Motive in Montreal von den Stellenstreichungen betroffen sind, ist bislang offen.
BioWare stand über 30 Jahre für Rollenspiele wie Baldur’s Gate, Knights of the Old Republic, Mass Effect und Dragon Age. Das Studio wurde mehrfach als einer der besten Arbeitgeber Kanadas ausgezeichnet.
Wie realistisch ist eine Übernahme?
Ob EA zu einem Verkauf bereit wäre, ist offen. Die Rechte an Mass Effect und Dragon Age dürften ohnehin beim Publisher bleiben. Eine übernommene Belegschaft müsste also vermutlich mit neuen Marken starten.

