Für das erfolgreiche MMO „The Elder Scrolls Online“ (TESO) zeichnet sich eine bedeutende Veränderung ab. Nachdem bekannt wurde, dass die weltweiten Entlassungswellen bei Microsoft und Xbox das zuständige Studio Zenimax Online hart getroffen haben, hat sich nun ein langjähriger Ex-Entwickler zu Wort gemeldet. Er äußert sich kritisch über Bethesda.
Die Berichterstattung zu The Elder Scrolls Online ist derzeit von einer gewissen Negativität geprägt. Während die Community noch damit beschäftigt ist, die Nachrichten über die umfangreichen Stellenstreichungen bei Zenimax Online zu verarbeiten, sorgt nun ein ehemaliger hochrangiger Entwickler für Aufmerksamkeit. Seine Aussagen lassen den Schluss zu, dass das Studio sein profitabelstes Projekt möglicherweise zugunsten anderer Titel vernachlässigt hat.
„Es ist wirklich kaum noch jemand übrig“
Andrew Young, der von 2012 bis 2024 als Senior Content Designer an TESO tätig war, äußerte auf der Plattform X (ehemals Twitter) seinen Unmut. Er zeigte sich besorgt über die jüngsten Entwicklungen und betonte, wie viel Herzblut und Kraft das Team über die Jahre in das Spiel gesteckt habe – eine Leistung, die von außen kaum zu ermessen sei.
Besonders besorgniserregend ist Youngs Einschätzung zur aktuellen Situation bei Zenimax. Nach Gesprächen mit ehemaligen Kollegen ist er zu dem Schluss gekommen, dass nur noch wenige Personen übrig sind. Dies deckt sich mit Berichten, wonach bis zu 50 Prozent des aktiven TESO-Teams von den Entlassungen betroffen sein könnten.
Senior Content Designer Katherine Souza relativierte diese Zahl zwar leicht, ihre Klarstellung ist jedoch kaum beruhigender: Der Schnitt von „der Hälfte des Teams“ beziehe sich primär auf die aktiven Entwickler, die direkt für Updates, Events und Dungeons verantwortlich sind. Für ein Live-Service-Spiel, das von stetigem Nachschub lebt, stellt dies einen drastischen Einschnitt dar.
Cashcow ohne Ressourcen?
Der Kern von Youngs Kritik zielt auf den Umgang von Bethesda mit den Einnahmen des Spiels ab. Er äußert die Ansicht, dass das eigene Team bei TESO andere, scheiternde Projekte finanzieren musste, während das Team bei anderen Projekten die für einen straffen Veröffentlichungsrhythmus notwendigen Ressourcen nicht erhielt.
Zwar nannte Young keine konkreten Namen, in Branchenkreisen wird jedoch vermutet, dass er auf inzwischen eingestellte Ableger wie The Elder Scrolls: Blades oder das Kartenspiel The Elder Scrolls: Legends anspielt.
Dieser Vorwurf ist von besonderer Schwere, insbesondere vor dem Hintergrund der beachtlichen finanziellen Erfolge des MMOs. Es wird berichtet, dass TESO seit seinem Start im Jahr 2014 mehr als 2 Milliarden US-Dollar eingespielt hat. Für viele Fans stellte das Spiel in den vergangenen Jahren den lebendigsten Teil des Franchises dar und bot die einzige regelmäßige Gelegenheit, in die Welt von Tamriel zurückzukehren, während es um die Hauptreihe (The Elder Scrolls VI) sehr still blieb.
Die Zukunft von TESO: Roadmap muss überarbeitet werden
Die aktuelle Situation ist sicherlich besorgniserregend, jedoch bedeutet dies nicht das sofortige Ende für das Rollenspiel. Community Managerin Jessica Folsom hat im offiziellen Forum versichert, dass das Studio weiterhin hinter TESO steht. Der Start von „Saison Eins“ soll wie geplant stattfinden.
Dennoch sind die Entlassungen spürbar und haben Konsequenzen für die Spieler:
- Verzögerungen: Die bereits vorgestellten Roadmaps könnten überarbeitet werden.
- In Bezug auf die Neuplanung ist das verbleibende Team derzeit damit beschäftigt, zu prüfen, welche Inhalte unter den neuen, erschwerten Umständen noch realistisch umsetzbar sind.
- Die Situation ist derzeit noch ungewiss, aber es besteht die Möglichkeit, dass der gewohnte Rhythmus von regelmäßigen Kapiteln, neuen Dungeons und Events mit einer derart dezimierten Belegschaft nur schwer aufrechtzuerhalten ist. Ein aktualisierter Zeitplan wird zu einem späteren Zeitpunkt bereitgestellt.
Die treue Community hat sich womöglich eine andere Vorstellung von der Zukunft ausgemalt. TESO wird zwar fortgeführt, doch die Entlassungswelle betrifft ausgerechnet jenes Entwicklerteam in seinem Kern, das Bethesda über ein Jahrzehnt lang finanziell stark mitgetragen hat.

