Gute Nachrichten für alle Open-Source-Fans: Die deutsche Sovereign Tech Agency hat der KDE-Community eine Förderung in Höhe von 1,3 Millionen Euro aus dem Sovereign Tech Fund zugesagt. KDE ist vielen Nutzern vor allem durch das Steam Deck bekannt, auf dem es als Standard-Desktop läuft. Aber dahinter steckt noch mehr: Deutschland und Europa wollen unabhängiger von den großen US-Tech-Konzernen werden.
Was ist das KDE-Projekt?
KDE ist eine weltweite Entwickler-Community, die seit mittlerweile 30 Jahren freie und quelloffene Software (FOSS) bereitstellt und sitzt mit als Verein in Deutschland. KDE Plasma ist das bekannteste Aushängeschild des Projekts. Es ist eine der beiden großen Linux-Desktop-Umgebungen (neben GNOME). Plasma ist nicht nur auf dem Steam Deck vorinstalliert, sondern gehört bei vielen beliebten Linux-Distributionen wie Fedora, Kubuntu oder openSUSE zur ersten Wahl.
Neben der Benutzeroberfläche entwickelt KDE auch noch eine Menge anderer Software, zum Beispiel den Dateimanager Dolphin, das Videoschnittprogramm Kdenlive, die Kunst- und Zeichen-App Krita und den Software-Store Discover.
Was ist die Sovereign Tech Agency?
Die Sovereign Tech Agency sieht sich als staatlich geförderter „Maschinenraum der digitalen Souveränität“. Die Agentur verfolgt einen pragmatischen Ansatz: Heutzutage basiert fast jede moderne digitale Technologie auf Open-Source-Softwarekomponenten. Dieser offene Code ist das Rückgrat unserer Wirtschaft, des Staates und der Gesellschaft. Aber oft fehlt das Geld, um ihn instand zu halten.
Die Agentur versucht, dem Marktversagen mit gezielten, langfristigen Investitionen entgegenzuwirken. Wir wollen diese wichtigen Bausteine sichern, die Machtkonzentration im digitalen Raum aufbrechen und einseitige Abhängigkeiten verhindern.
Wofür wird die Förderung verwendet?
Die bereitgestellten 1,3 Millionen Euro fließen direkt in die Weiterentwicklung und Absicherung der KDE-Infrastruktur, um das System besonders für den professionellen und organisatorischen Einsatz (z. B. in Behörden oder Unternehmen) attraktiver zu machen. Zu den konkreten Vorhaben zählen:
- Qualitätssicherung (QA): Verbesserung der Test-Infrastruktur für KDE Plasma und KDE Linux.
- Wiederherstellung und Backups: Implementierung einer „Factory Reset“-Funktion (Werkseinstellungen) für KDE Linux sowie verbesserte Daten-Backup-Systeme.
- Sicherheit & Verwaltung: Stärkung der Sicherheitsinfrastruktur für den Einsatz in Organisationen und eine bessere Konfigurationsverwaltung.
- Netzwerk & Kommunikation: Optimierung von Netzwerklaufwerken sowie End-to-End-Tests und Modernisierungen für die PIM-Suite (Personal Information Management, inkl. E-Mail-Protokolle wie IMAP4 und WebDAV).
Eine klare Kampfansage an Big Tech
Die KDE-Community hat sich sehr über die Geldspritze gefreut und die Gelegenheit genutzt, um der etablierten Konkurrenz deutliche Worte zu sagen. In der offiziellen Ankündigung haben die Entwickler erklärt, dass die Welt sich von „teurer und unsicherer Software, die von Unternehmen wie Microsoft, Google, Meta, Apple und anderen aufgezwungen wird und Spyware enthält“, abwenden wird.
KDE sagt, sie haben eine Software, die fair, öffentlich überprüfbar und frei verfügbar ist. Die Vorteile für Regierungen und Unternehmen sind klar: Es gibt keine versteckten Abos, keine Nutzerüberwachung, keinen heimlichen Verkauf von Nutzerdaten und – ein Thema, das gerade sehr präsent ist – kein heimliches Trainieren von KI-Modellen mit den Daten der Anwender.
Wie sieht die Zukunft aus, wenn wir alle Open Source nutzen? Das wird wohl nicht über Nacht passieren. Windows ist und bleibt vorerst der dominierende Platzhirsch auf den weltweiten Schreibtischen. Aber staatliche Investitionen, wie die der deutschen Sovereign Tech Agency, zeigen, dass freie Software auf Regierungsebene als kritische Infrastruktur anerkannt und ernst genommen wird. Linux wird immer wichtiger und das finden wir als Fans der digitalen Selbstbestimmung natürlich super.

