Koi ist ein ruhiges Legespiel mit überraschend knappem Ressourcen-Puzzle: Ihr baut eure eigenen Zierteiche, setzt Karpfen aus Acryl hinein und schmückt sie mit 3D-Dekorationen. Wir haben das neue Spiel der Bonsai-Autoren Rosaria Battiato, Massimo Borzì und Martino Chiacchiera auf der SPIEL 2026 am Stand von KOSMOS angespielt. Ob der hübsche Teich auch spielerisch trägt, klärt unser Ersteindruck.
Steckbrief
| Autoren | Rosaria Battiato, Massimo Borzì, Martino Chiacchiera |
| Illustration | Emiliano Castellano |
| Verlag | KOSMOS (Original: daVinci Editrice / DV Games) |
| Art.-Nr. | 687465 |
| Personen | 1–4 |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Dauer | ca. 45 Minuten (Herstellerangabe Original) |
| Preis | rund 35 € im Handel (Preisvergleich, Stand Anfang Oktober 2026) |
Worum geht’s?

Ihr seid Koi-Züchter und gestaltet jeweils euren eigenen Teich. Jeder startet mit einer Quelle aus 5 Wasserfeldern und baut sie Plättchen für Plättchen aus: Wasser, Laub, Seerosen, Ufer und Laternen. Darauf setzt ihr kleine, mittlere und große Kois.
Punkte gibt es vor allem für Karpfen, denen es gut geht. Ein Koi zählt mehr, wenn Seerosen an ihn grenzen, und sein Wert verdoppelt sich, wenn er komplett von Wasser umgeben ist. Laternen punkten für jedes Feld in gerader Linie vor ihnen. Dazu kommen Schriftrollen und Dekorationen aus Aufgabenkarten. Interaktion gibt es nur indirekt: Ihr greift auf dieselbe Kartenauslage und denselben Koi-Vorrat zu, in fremde Teiche kommt ihr nicht.
So spielt sich Koi
In jedem Zug wählt ihr genau eine von zwei Aktionen: Material holen oder Material verbauen. Diese Zweiteilung ist der Kern des Spiels.
• Meditieren: Ihr nehmt eine der 5 offenen Spielkarten. Jedes Feld der Kartenablage gibt einen Bonus oben drauf, etwa Münzen, Wasser oder einen Koi-Kauf. Die Karte ganz links kostet dagegen 1 Münze. Danach rutscht die Auslage nach rechts nach.
• Arbeiten: Ihr führt eine Aktion eurer Sensei-Tafel aus, etwa 2 Wasser legen, ein Laub zur Seerose aufwerten oder einen Koi einsetzen. Zusätzlich darf jeder eurer Gehilfen einmal mitarbeiten.
Die Karten teilen sich in zwei Sorten. Gehilfen wie Züchter, Gärtnerin oder Wasserträger sind dauerhafte Zusatzaktionen beim Arbeiten. Vorteile wirken einmalig: Lager ausbauen, günstig Kois kaufen, Plättchen direkt in den Teich legen oder Schriftrollen für Endpunkte sammeln.
Der eigentliche Engpass ist das Lager. Es fasst anfangs nur 5 Plätze, ein Ufer belegt 3, ein großer Koi ebenfalls 3. Wer zu viel einsammelt, muss am Zugende abwerfen. Kois kosten außerdem Münzen (1 bis 3), sodass Geld, Platz und Aktionen ständig gegeneinander abgewogen werden.
Als Joker dienen Glücksplättchen: Abgeworfen bringen sie 1 Laub, 2 Wasser, 1 Ufer oder einen Koi-Kauf gegen 1 Münze Aufpreis. Unbenutzt sind sie am Ende 1 Punkt wert. Das Spiel endet, sobald der Nachziehstapel leer oder der Koi-Vorrat aufgebraucht ist. Danach folgt noch eine volle Runde.
Wertung und Aufgabenkarten
Die Aufgabenkarten machen aus dem Legespiel ein Wettrennen. Von 10 Karten liegen pro Partie 3 offen aus. Wer eine Anforderung erfüllt, holt sich die passende 3D-Dekoration und legt sie sofort in den Teich.
Die Bandbreite ist groß: Eine Brücke punktet wie drei Laternen, ein Stein-Buddha bringt 4 Punkte je Koi in seiner Blickrichtung. Der Jahrhundert-Karpfen ist ein 4-Felder-Koi für 5 Münzen, der Steinpfad wächst mit jedem gekauften Abschnitt auf bis zu 18 Punkte. Im Spiel zu zweit liegt nur je eine Dekoration aus. Wer zuerst kommt, sperrt die Aufgabe für alle anderen.
Spannend ist der Zielkonflikt dahinter. Viele Aufgaben verlangen leere Wasserfelder in bestimmter Form, die Wasserschildkröte punktet sogar für freie Felder um sich herum. Gleichzeitig brauchen eure Kois genau diese Felder. Jedes Wasserplättchen ist damit eine kleine Entscheidung: Koi-Platz oder Aufgabenfläche?
Für die erste Partie empfiehlt die Anleitung, ganz ohne Aufgabenkarten zu spielen. Das senkt den Einstieg, nimmt dem Spiel aber auch seine Würze.
Material und Optik
Koi lebt von seinem Tischbild. In der Schachtel stecken 170 Teichplättchen, 21 Kois aus Acryl in drei Größen und 26 Dekorationen, die teils zusammengesteckt werden. Laternen, Brücken, Wasserfälle und der Stein-Buddha stehen dreidimensional im Teich.
Die Illustrationen von Emiliano Castellano setzen auf helles Türkis, Grün und warme Akzente. Am Ende liegt vor jedem ein kleiner, individueller Garten. Ein Anhang erklärt die Geschichte der Koi-Zucht und stellt sechs Koi-Sorten vor, von Kohaku bis Onagagoi.
Auch in der Hand überzeugt Koi. Die Acryl-Kois sind schön glatt, und das gesamte Material fühlt sich hochwertig an.
Solomodus
Allein spielt ihr gegen einen simplen Mechanismus statt gegen einen Bot. Beim Meditieren fliegt die Karte links neben eurer Wahl aus der Auslage, beim Arbeiten die Karte ganz rechts. Jeder Koi-Kauf entfernt zusätzlich einen Koi anderer Größe aus dem Vorrat. Ziel sind alle Aufgaben und mindestens 60 Punkte; ab 100 Punkten winkt der Titel Sensei.
Drei Szenarien sorgen für Abwechslung:
| Szenario | Besonderheit |
|---|---|
| Sengende Hitze | Nur komplett von Wasser umgebene Kois zählen |
| Pfad der Erleuchtung | Laterne und Stein-Buddha per Steinpfad aus mindestens 3 Abschnitten verbinden |
| Kaiserlicher Teich | 5 feste Aufgabenkarten, mindestens 4 davon erfüllen |
Unser Eindruck vom KOSMOS-Stand
Wir haben Koi auf der SPIEL nur kurz angespielt, aber sehr schnell hineingefunden. Wer Bonsai kennt, fühlt sich sofort zuhause: Das Vorgängerspiel desselben Autorentrios setzte schon auf den Wechsel aus Meditieren und Gestalten.
Koi ist ein ausgesprochen ruhiges Spiel. Es vermittelt genau das Gefühl, das ein Zen-Garten, die Koi-Zucht oder das Pflanzen eines Bonsai ausstrahlen: Man baut in Ruhe an seinem eigenen kleinen Garten.
Uns hat das eine Menge Freude bereitet. Der Solomodus legt noch einen drauf: Koi taugt damit auch für eine entspannte Partie allein zuhause.
The Review
Koi
Koi verpackt ein knappes Ressourcen-Puzzle in ein auffallend hübsches Tischbild. Die Zugstruktur ist schnell erklärt, das kleine Lager und der Kampf um leere Wasserfelder sorgen trotzdem für echte Entscheidungen. Uns hat das ruhige, fast meditative Spielgefühl viel Freude gemacht – wer Bonsai, Cascadia oder Calico mochte, sollte am Teich stehen bleiben.
PROS
- Ruhiges Spielgefühl, starkes Tischbild, hochwertiges Material mit glatten Acryl-Kois
- Schneller Einstieg dank klarer Wahl: Meditieren oder Arbeiten
- Lager als spürbarer Engpass
- Aufgabenkarten bringen Wettrennen und Abwechslung
- Solomodus mit drei Szenarien, ideal für ruhige Partien allein
CONS
- Kaum direkte Interaktion
- Jede Dekoration hat eigene Lege- und Wertungsregeln
- Auf- und Abbau mit 170 Plättchen und Steckteilen aufwendig

