Sim-Racing entwickelt sich laut NASCAR zunehmend zu einem wichtigen Karriereweg für angehende Rennfahrer und Motorsport-Fachkräfte. Das erklärte Ray Smith, Senior Director of Sim Racing bei NASCAR, in einem Interview. Demnach sei der Simulator heute weit mehr als nur ein Trainingswerkzeug oder Videospiel. Stattdessen eröffne er Möglichkeiten für Karrieren im Motorsport – sowohl auf als auch neben der Rennstrecke.
Traditionell beginnt eine Motorsport-Karriere häufig im Kartsport. Fahrer sammeln dort erste Erfahrungen, suchen Sponsoren und arbeiten sich schrittweise in höhere Rennserien vor. Nach Ansicht von Smith hat sich dieser Weg in den vergangenen Jahren verändert. Insbesondere Sim-Racing-Plattformen wie iRacing würden heute neue Möglichkeiten schaffen, um Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. Smith verglich die Entwicklung mit klassischen Karrierezentren anderer Branchen. Wer früher im Motorsport Fuß fassen wollte, sei nach Indianapolis oder Charlotte gezogen. Heute könne der Einstieg oft direkt über Sim-Racing erfolgen.
Die Auswirkungen beschränken sich laut NASCAR nicht nur auf Fahrerkarrieren. Auch in Bereichen wie Technik, Medien und Content-Erstellung hätten sich durch Sim-Racing neue Berufsmöglichkeiten entwickelt. Smith erklärte, dass mehrere ehemalige Champions aus NASCARs Sim-Racing-Wettbewerben mittlerweile als Simulationsingenieure in Teams der NASCAR Cup Series arbeiten. Darüber hinaus seien aus der Szene Journalisten, Content Creator und weitere Motorsport-Fachkräfte hervorgegangen.
Als prominente Beispiele nennt NASCAR unter anderem William Byron und Rajah Caruth. Beide nutzten Sim-Racing als wichtigen Bestandteil ihres Weges in den professionellen Rennsport. Laut Smith orientierte sich Caruth dabei direkt an Byrons Karriereweg und sah darin einen möglichen Fahrplan für den eigenen Einstieg in den Motorsport.
Ein wesentlicher Vorteil von Sim-Racing liegt nach Ansicht von NASCAR in der Zugänglichkeit. Während klassischer Motorsport oft hohe Kosten für Fahrzeuge, Reisen und Ausrüstung verursacht, können Interessierte viele Erfahrungen von zu Hause aus sammeln. Auch aktive Rennfahrer nutzen Simulatoren inzwischen regelmäßig als Trainingsinstrument. Smith verweist dabei auf Fahrer wie Caden Honeycutt und Brenden Queen, die Sim-Racing ergänzend zu ihren realen Rennaktivitäten einsetzen. Mit der zunehmenden Verbindung von E-Sport und Motorsport sieht NASCAR den Simulator deshalb nicht mehr nur als Spiel, sondern als möglichen Einstiegspunkt für die nächste Generation von Fahrern, Ingenieuren und Kreativen.

