Die Diskussion um digitale Spiele und das Ende physischer Datenträger hält weiter an. Nachdem Sony angekündigt hat, ab Januar 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc zu veröffentlichen, äußerte sich nun ein ehemaliger PlayStation-Manager bei Insider Gaming zu den Chancen und Herausforderungen des digitalen Vertriebs.
Der frühere Sony-Manager Gordon Thornton, der fast 18 Jahre für Sony Interactive Entertainment tätig war und unter anderem den Ausbau des PlayStation Stores verantwortete, sieht den Wandel hin zu digitalen Spielen als langfristige Entwicklung. Heute arbeitet Thornton als Chief Commercial Officer beim Zahlungsdienstleister ZBD.
Treueprogramme sollen Spieler stärker binden
Nach Ansicht Thorntons spielen Belohnungssysteme künftig eine noch wichtigere Rolle. Er verweist dabei auf Microsoft Rewards als Beispiel für ein Programm, das Spieler aktiv motiviert und gleichzeitig einen Mehrwert für das Unternehmen schafft.
Das inzwischen eingestellte PlayStation Stars habe dieses Ziel seiner Meinung nach nicht ausreichend erreicht. Statt allgemeiner Rabattprogramme sollten Belohnungen künftig stärker mit dem eigentlichen Spielerlebnis verknüpft werden. Denkbar seien beispielsweise Anreize, die direkt an Fortschritte oder Aktivitäten innerhalb eines Spiels gekoppelt sind.
Thornton ist überzeugt, dass solche Systeme sowohl die langfristige Spielerbindung als auch die Einnahmen eines Spiels erhöhen können. Als Beispiel nennt er Projekte seines aktuellen Arbeitgebers, bei denen entsprechende Belohnungsmechaniken zu einer höheren Nutzerbindung und steigenden Umsätzen geführt hätten.
PlayStation Store dominiert den digitalen Markt
Auch beim Thema digitaler Vertrieb sieht Thornton den PlayStation Store gut aufgestellt. Nach seinen Angaben entfallen bereits heute rund 80 bis 85 Prozent der Verkäufe auf den digitalen Store. Der stationäre Handel spiele vor allem in den ersten Wochen nach Veröffentlichung eines Spiels noch eine größere Rolle, verliere danach jedoch zunehmend an Bedeutung.
Insbesondere ältere Spiele würden nahezu ausschließlich über digitale Plattformen verkauft. Gleichzeitig habe sich das Einkaufsverhalten vieler Spieler verändert. Statt ein Spiel direkt zum Vollpreis zu kaufen, würden viele gezielt auf Rabattaktionen im PlayStation Store warten.
Preise werden laut Ex-Manager von den Publishern festgelegt
Ein häufiger Kritikpunkt an einem rein digitalen Markt sind mögliche Preissteigerungen und eine stärkere Marktstellung von Sony. Thornton widerspricht dem Vorwurf, Sony lege die Preise eigenständig fest.
Seiner Aussage nach bestimmen die Publisher die unverbindlichen Verkaufspreise ihrer Spiele selbst. Sony fungiere im PlayStation Store lediglich als Vertriebsplattform und entscheide nicht allein über die Preisgestaltung.
Physische Spiele verlieren aus seiner Sicht an Bedeutung
Der ehemalige Sony-Manager geht davon aus, dass sich der Markt weiter in Richtung digitaler Distribution entwickeln wird. In wichtigen Märkten wie Europa und den USA habe der digitale Vertrieb den klassischen Handel bereits weitgehend abgelöst.
Auch bei den Preisen erwartet Thornton keine Unterschiede zwischen physischen und digitalen Versionen. Die Preisgestaltung orientiere sich nicht an Produktions- oder Vertriebskosten, sondern an der allgemeinen Vermarktungsstrategie der Publisher. Zusätzliche Einnahmen aus digitalen Angeboten könnten gleichzeitig dazu beitragen, die steigenden Entwicklungskosten moderner Spiele zu finanzieren.

