Kann ein Remake einen der beliebtesten Serienteile modernisieren, ohne dabei seinen ursprünglichen Charme zu verlieren? Genau dieser Herausforderung stellt sich Assassin’s Creed Black Flag Resynced. Ubisoft bringt das Piratenabenteuer mit einer komplett überarbeiteten Grafik, zahlreichen Gameplay-Anpassungen und neuen Inhalten zurück. Doch nicht jede Veränderung überzeugt gleichermaßen. Während das Karibik-Abenteuer heute schöner aussieht als je zuvor und einige sinnvolle Komfortverbesserungen erhält, zeigen sich gleichzeitig auch die Grenzen des über 13 Jahre alten Spieldesigns. Am Ende erwartet uns dennoch das bislang beeindruckendste Piratenabenteuer der Reihe, auch wenn nicht jede Modernisierung den gewünschten Effekt erzielt.
Zwischen Freiheit, Piratenleben und einer persönlichen Reise
In Assassin’s Creed Black Flag Resynced schlüpfen wir erneut in die Rolle von Edward Kenway. Zu Beginn verfolgt er vor allem ein Ziel: Reichtum, Freiheit und ein besseres Leben. Während wir die Karibik bereisen, entwickelt sich Edward jedoch zunehmend weiter und beginnt, die Folgen seiner Entscheidungen zu erkennen. Seine persönliche Entwicklung steht dabei deutlich stärker im Mittelpunkt, wenn wir der Geschichte aufmerksam folgen.
Die Handlung bleibt im Kern der Vorlage treu, wurde jedoch an mehreren Stellen angepasst. Besonders auffällig ist der komplette Wegfall der modernen Abstergo- und Animus-Sequenzen aus dem Original. Stattdessen setzt Ubisoft auf neue Zwischensequenzen, zusätzliche Storymissionen sowie mehrere neue Offiziere, die eigene Hintergrundgeschichten mitbringen. Diese neuen Inhalte erweitern die Spielwelt zwar etwas, erreichen jedoch selten die Qualität oder Bedeutung der eigentlichen Hauptgeschichte.
Auch die neuen Rift-Sequenzen sorgen zwar für interessante Momente, setzen jedoch teilweise Vorwissen über das Assassin’s-Creed-Universum voraus. Gerade neue Spieler könnten dadurch an einigen Stellen eher verwirrt als neugierig werden.
Umfangreiche Spielwelt mit vielen Beschäftigungen
Mit rund 40 bis 60 Stunden Spielzeit bietet Assassin’s Creed Black Flag Resynced erneut einen enormen Umfang. Neben der Hauptgeschichte warten zahlreiche Schatzkarten, Sammelobjekte, optionale Aktivitäten, Jagdaufgaben sowie Erkundungstouren auf unzähligen Inseln.
Dabei lebt das Spiel weniger von einer Vielzahl außergewöhnlicher Nebenquests als vielmehr vom Entdeckergefühl. Immer wieder verlassen wir die Jackdaw, erkunden Höhlen, versteckte Buchten oder kleine Inseln und stoßen dabei auf neue Schätze oder Ressourcen. Auch wenn viele Aktivitäten dem bekannten Ubisoft-Prinzip folgen, bleibt die wunderschöne Karibik motivierend genug, um ständig neue Orte entdecken zu wollen.
Nicht jede neue Nebenmission überzeugt allerdings. Einige Questreihen wirken wenig bedeutend und können mit den stärkeren Momenten der Hauptgeschichte nicht mithalten. Trotzdem bleibt die Welt jederzeit lebendig und lädt zum Erkunden ein.
Piratenleben zwischen Schwertkampf und Seeschlachten
Ubisoft hat das Kampfsystem deutlich verändert. Statt ausschließlich auf Konterangriffe zu setzen, stehen nun leichte und schwere Angriffe, Paraden, Ausweichmanöver sowie Finisher im Mittelpunkt. Gelingt eine perfekte Parade oder brechen wir die Verteidigung eines Gegners, eröffnen sich schnelle und spektakuläre Eliminierungen.
Zusätzlich kommen Pistolen, Gadgets sowie neue Fähigkeiten wie Tritte oder spezielle Werkzeuge zum Einsatz. Dadurch wirken Kämpfe abwechslungsreicher und deutlich dynamischer als früher.
Allerdings zeigt sich auch, dass nicht jede Änderung gelungen ist. Das Kampfsystem bleibt insgesamt recht einfach und entwickelt über den Spielverlauf kaum zusätzliche Tiefe. Viele Gefechte laufen nach einem ähnlichen Muster ab, während größere Schlachten teilweise in hektisches Button-Mashing ausarten. Hinzu kommen gelegentliche Probleme bei der Zielerfassung oder Eingaben, wodurch Aktionen nicht immer zuverlässig ausgeführt werden.
Das Stealth-System orientiert sich weiterhin stark am Original. Das freie Ducken erweitert zwar die Möglichkeiten etwas und viele Missionen erlauben inzwischen mehr Freiheiten, wenn wir entdeckt werden. Besonders die früher oft kritisierten Verfolgungs- und Belauschungsmissionen fallen dadurch deutlich weniger frustrierend aus. Trotzdem bleibt Schleichen eher eine optionale Spielweise, da offene Kämpfe meist schneller und unterhaltsamer sind.
Das eigentliche Highlight bleibt die Jackdaw
Den größten Spaß bereiten erneut die Seeschlachten. Bereits das Original überzeugte mit seinem Schiffskampf, doch Resynced erweitert dieses System sinnvoll.
Neue Sekundärwaffen, zusätzliche Offiziere mit passiven Boni und weitere Verbesserungsmöglichkeiten verleihen den Gefechten mehr taktische Möglichkeiten. Gleichzeitig motiviert die stetige Verbesserung der Jackdaw enorm. Nach erfolgreichen Kämpfen investieren wir unsere Beute direkt wieder in stärkere Kanonen, bessere Panzerung oder weitere Schiffsausbauten.
Besonders das Entern feindlicher Schiffe zählt erneut zu den größten Stärken des Spiels. Die Mischung aus Kanonengefechten, Enterkämpfen und Ressourcenmanagement sorgt für einen motivierenden Gameplay-Kreislauf. Auch das Meer selbst wirkt lebendiger. Höhere Wellen und dynamischere Wetterbedingungen machen jede Fahrt abwechslungsreicher.
Nicht alles läuft technisch rund
Während unserer Spielzeit sind uns allerdings einige technische und spielerische Probleme aufgefallen. Das Klettern und Springen wirkt stellenweise überraschend unpräzise. Edward bleibt gelegentlich an Objekten hängen, springt in die falsche Richtung oder entscheidet sich plötzlich dazu, statt nach oben einfach nach unten zu springen. Teilweise setzt sich die Figur zudem auf Zäune oder Mauern fest, wodurch wir nur umständlich wieder herunterkommen.
Auch die Steuerung zeigt vereinzelt Aussetzer. So kam es beispielsweise vor, dass wir das Steuerrad der Jackdaw nicht verlassen konnten, weil die entsprechende Eingabe gar nicht erst angezeigt oder erkannt wurde.
Zusätzlich fällt das Wettersystem negativ auf. Kaum verlassen wir einen Sturm, befinden wir uns häufig unmittelbar im nächsten. Manchmal verweigert das Spiel sogar die Nutzung der Reisesegel mit der Begründung, ein Sturm sei aktiv, obwohl am Himmel keinerlei Unwetter zu erkennen ist. Windhosen entstehen teilweise direkt neben unserem Schiff, sodass ein Ausweichen praktisch unmöglich wird.
Ebenfalls störend sind Fehler während der Seegefechte. Gegnerische Schiffe verschwinden vereinzelt plötzlich von der Karte, sogar mitten im Kampf oder unmittelbar bevor wir sie entern könnten. Solche Momente reißen immer wieder aus der ansonsten stimmungsvollen Piratenatmosphäre.
Atemberaubende Karibik mit kleinen Schönheitsfehlern
Grafisch gehört Assassin’s Creed Black Flag Resynced ohne Zweifel zu den stärksten Serienteilen überhaupt. Die neue Version der Anvil Engine sorgt für beeindruckende Vegetation, detailreiche Städte, wunderschöne Küstenlandschaften und kristallklares Wasser.
Besonders Nassau, Havanna oder Kingston profitieren enorm von der grafischen Überarbeitung. Dichte Dschungel, realistische Beleuchtung sowie Raytracing verleihen der gesamten Spielwelt deutlich mehr Atmosphäre. Auch die Unterwasserbereiche sehen beeindruckend aus und laden immer wieder dazu ein, freiwillig abzutauchen.
Das dynamische Wetter sowie der Tag-Nacht-Wechsel verändern die Stimmung der Spielwelt ständig. Zwar treten dabei gelegentlich sichtbare Übergänge oder plötzlich auftretende Stürme auf, insgesamt sorgt das System jedoch für eine deutlich lebendigere Welt.
Verbesserte Erkundung
Auch das Erkunden profitiert von einigen Änderungen. Neue Höhlen, überarbeitete Inselabschnitte und zusätzliche Unterwasserbereiche sorgen dafür, dass selbst Veteranen immer wieder Neues entdecken können.
Das Parkour-System fühlt sich grundsätzlich flüssiger an als früher und Edward bewegt sich mit viel Tempo über Dächer, Bäume und Schiffsseile. Gleichzeitig verhindern die bereits erwähnten Ungenauigkeiten jedoch regelmäßig einen wirklich perfekten Spielfluss.
Auch die Kameraperspektive fällt teilweise etwas ungünstig aus. Sie sitzt relativ nah am Charakter und erschwert gelegentlich die Übersicht während der Fortbewegung.
Atmosphärischer Sound mit technischen Schwächen
Musikalisch bleibt Assassin’s Creed Black Flag Resynced eine echte Stärke. Vor allem die bekannten Seemannslieder der Crew erzeugen erneut eine fantastische Piratenstimmung. Gemeinsam mit den Umgebungsgeräuschen der Karibik entsteht eine dichte Atmosphäre, die hervorragend zur offenen Spielwelt passt.
Auch die Sprecherleistungen wirken insgesamt hochwertig und transportieren die wichtigsten Momente der Geschichte überzeugend.
Technisch mussten wir allerdings einige Probleme feststellen. Immer wieder liefen Lippenbewegungen und Sprachausgabe nicht synchron zueinander. Zusätzlich kam es vereinzelt vor, dass einzelne Tonspuren scheinbar gar nicht abgespielt wurden oder Audioeffekte plötzlich unvollständig wirkten. Diese Fehler treten zwar nicht dauerhaft auf, können die ansonsten starke Präsentation aber spürbar beeinträchtigen.
The Review
Assassin's Creed Black Flag Resynced (PS5)
Assassin's Creed Black Flag Resynced ist ein starkes, aber nicht fehlerfreies Remake. Die Karibik sieht beeindruckend aus, die Seeschlachten machen weiterhin enorm viel Spaß und die Jackdaw bleibt das Herzstück des Spiels. Gerade als Piratenabenteuer funktioniert Resynced auch heute noch hervorragend. Gleichzeitig merkt man dem Spiel seine alten Grundlagen an. Das Klettern ist stellenweise hakelig, das neue Kampfsystem bleibt zu simpel und einige technische Probleme stören die Immersion. Auch der Wegfall der modernen Story-Abschnitte lässt die Erzählung an manchen Stellen etwas unfertig wirken. Trotzdem bleibt Assassin's Creed Black Flag Resynced ein atmosphärisches Abenteuer, das besonders dann glänzt, wenn wir mit unserer Crew über das Meer segeln, Schiffe entern und die Karibik erkunden.
PROS
- Wunderschöne lebendige Karibik mit beeindruckender Unterwasserwelt
- Starke Seeschlachten
- Motivierendes Aufrüsten
- Tolle Atmosphäre mit guten Sprechern
- Mehr Erkundungen und Missionen
CONS
- Hakeliges Klettern und Springen
- Simples Kampfsystem
- Schwache Nebenmissionen
- Ton Probleme
- Despawnende Schiffe und unfaire Stürme

