Richten wir am Abend unseren Blick in den Himmel, wartet in rund 384.000 Kilometer entfernt der Mond auf uns. Dabei ist der Mond nicht nur im Durchmesser 3.500 Kilometer gross, sondern auch der fünftgrösste Mond im Orbit. Seit Jahrzehnten zieht er uns in seinen Bann und wurde vom Menschen schon ein paar Mal besucht. Jüngst sind ja die vier Astronauten der Mission Artemis 2 wieder zurück auf der Erde gelandet.
Und während die vier ihre Rückreise unbeschadet überstanden haben, schickt uns Capcom in Pragmata selbst auf eine Mondmission. Wir haben uns das Abenteuer rund um Hugh Williams und seinem Team auf dem PC angeschaut. Bevor es jedoch losgeht, gebe ich euch direkt eine Entwarnung: wie immer werde ich euch Spoilerfrei vom Action-Adventure erzählen. Dabei nehme ich euch lediglich in die ersten Spielminuten von der Geschichte mit und ergänze es mit weiteren Eindrücken vom Rest des Spiels. Aber genug geredet, lasst uns gemeinsam die Reise antreten.
Chance zur Veränderung
Dabei startet die Mission eigentlich hoffnungsvoll. Denn auf dem Mond hat das Forschungsteam der Delphi Corporation eine wahnsinnige Entdeckung gemacht, welche die Welt verändern könnte. Das gefundene Erz Lunum kann nämlich zum Lunafilament raffiniert werden und mithilfe des 3D-Druckers Lim-Replikator nahezu alles vorstellbare replizieren.
Es kommt jedoch zu einem Problem. Denn aus dem Nichts heraus bricht plötzlich der Kontakt zwischen der Erde und der Raumstation Cradle ab. Also schickt man eine weitere Crew rund um Hugh Williams in den Orbit um den Umständen nachzugehen. Dabei holt uns Pragmata mit einer lockeren Atmosphäre erstmal ab. Mal lauschen wir einem kleinen Vortrag über die Funktion des Lim-Replikators zwischen den Kollegen, mal witzelt man über die Bots ab. Dennoch hat die Atmosphäre auch etwas bedrückendes. Denn die gesamte Raumstation wirkt tot, da keine Menschenseele anzutreffen ist.
Gefahr in der Fremde
Eine leise Vorahnung warum es zum Kontaktabbruch kam, sollen wir auch kurz darauf schon bekommen. Bei einem Zwischenfall wird unsere Crew nämlich kurzerhand so drastisch dezimiert, dass sich Hugh später nur noch alleine wiederfindet – beziehungsweise fast alleine. Denn nach einem tiefen Fall befindet sich Hugh erstmal selbst in einem kritischen Zustand. Sein Anzug ist schwer beschädigt und er liegt bewusstlos herum.
Nur gut dass ein kleines Kind den verwundeten Hugh findet und seinen Anzug mithilfe von einer Reparaturkartusche wieder funktionsfähig bekommt, woraufhin der Anzug die Wunden von Hugh heilt und ihn aus seinem Koma erwachen lässt. Das Kind entpuppt sich dabei schnell als eine Pragmata – also einer Androidin. Statt ihrer sperrigen Bezeichnung gibt Hugh ihr aber zum Dank seiner Rettung den Namen Diana. Da Diana aber ebenso keine Ahnung hat was auf der Cradle überhaupt los ist, tun sich die beiden zusammen und erkunden die Station. Und schon bald erkennen sie den Grund für das Chaos.
IDUS
Denn während die beiden durch die Cradle streifen, treffen sie immer wieder auf eine feindliche KI die ihnen das Leben zur Hölle machen will. Bei der durchgedrehten KI handelt es sich um IDUS, was die Abkürzung für Intelligent Direction Unification System darstellt. Diese autonome Basis-Verwaltung scheint aus irgendeinem Grund alles Leben auf der Cradle auslöschen und niemanden zurück zur Erde entkommen lassen zu wollen.
Um das zu erreichen, hetzt uns die KI Gegner ohne Ende auf den Hals. Dabei erstreckt sich die Grösse der Feinde von menschenähnlichen Robotern bis hin zu riesigen Kreaturen.
Multitasking
Um diese Feinde niederzustrecken müssen wir das Beste aus zwei Welten kombinieren. Während Hugh nämlich ganz gut mit Waffen umgehen kann, ist Diana ziemlich versiert was das Hacken von gegnerischen Protokollen angeht. Jeder Kampf stellt unsere Multitasking-Fähigkeiten auf die Probe. Während wir nämlich die Gegner hacken und sie so verwundbarer für unsere Angriffe machen, können wir gleichzeitig auch auf sie schiessen und müssen obendrauf auch noch die Bewegungen der Feinde studieren und Muster lernen.
Zur Fortbewegung während und abseits des Kampfes haben wir dazu Schubdüsen am Anzug. Diese ermöglichen im weiteren Verlauf des Spiels auch beim Freischalten neuer Fähigkeiten eine Ausweichfunktion. Diese wird auch ziemlich wichtig sein, denn wenn wir im Kampf getroffen werden, ist die Erholungszeit so hoch, dass wir komplett verwundbar für weitere gegnerische Attacken sind. Das war bis zum Freischalten der Fähigkeit für mich auch ein sehr grosser Kritikpunkt am Spiel.
Auch wenn sich dieser im weiteren Verlauf geklärt hatte, hatte ein anderer grosser Kritikpunkt dieses überhaupt nicht. Im Kampf heilen wir uns ja auch mittels der anfangs erwähnten Reparaturkartuschen. Diese können wir zwar im weiteren Verlauf wie Heiltems in Rollenspielen sowohl in Anzahl auch auch Qualität verbessern, allerdings ist die benötigte Zeit zum Heilen ekelhaft lang. Das fängt damit an, dass wir die Taste sehr lange gedrückt halten müssen und geht weiter mit der Länge der Heilanimation. Der ganze Vorgang dauert einfach viel zu lange, sodass man manchmal kein passendes Fenster von einem Boss bekommt.
Das Arsenal
Wenn wir schon von den Kämpfen reden, kommen wir direkt zu einem weiteren wichtigen Punkt: dem Arsenal. Im Feuergefecht haben wir alleine schon mit Hugh eine gute Ausstattung. Neben der Auswahl aus der Primäreinheit gibt es nämlich auch noch weitere Einheiten im Kampf. Diese unterscheiden sich auch stark von den beiden Primäreinheiten. Während sich nämlich die Munition unserer Pistole oder Sturmgewehres mit der Zeit automatisch wieder langsam füllt, läuft die Nutzung von Angriffs-, Verteidigungs- und taktischen Einheiten etwas anders.
Die roten Angriffseinheiten sind dabei schwere Waffen mit hohem Schaden und Taumeleffekt und müssen manuell nachgeladen werden. Dasselbe passiert auch mit den grünen taktischen Einheiten, welche Durchbrüche erleichtern, Blössen schaffen und das Hacken erleichtern sollen. Und dann gibt es da noch die blauen Verteidigungseinheiten, welche je nach gewählter Einheit Gegner beispielweise automatisch abschiessen können oder sie mit einem Köder ablenken.
Alle vier Waffentypen lassen sich dabei beim Erkunden auf der Raumstation finden. Beim ersten Finden bekommen wir auch ein Einheitenschemata, welche sich im Schutzraum (dazu kommen wir auch noch) im Tausch gegen Lunafilament drucken lassen. Schemata lassen sich aber nicht nur bei neuen Waffen bekommen, sondern auch bei neuen Hacking-Knotenpunkten, womit wir direkt zu Diana kommen.
Bevor wir mit Hugh nämlich einfach alle möglichen Gegner im Kugelhagel begraben, sollten wir mit Diana ein bisschen an den Protokollen pfuschen. Während wir den Gegner im Visier haben, wechseln wir mittels dem gedrückt halten der „Alt-Taste“ in den Hacking-Modus. Sofort erscheint eine Matrix voller bunter Felder. Mal sind diese blau und verlängern die Dauer des erfolgreichen Hacks. Mal sind sie rot und setzen unseren Hack zurück. Mal sind sie grau und können nicht passiert werden und mal sind diese gelb mit spezifischen Symbolen. Diese gelben Felder sind sogenannte Hacking-Knotenpunke und haben weitere Spezialeffekte. Das geht beispielsweise vom zusätzlichen Schwächen der Verteidigung über das Verwirren und übernehmen eines Feindes bis zum Erhitzen des Bots.
Beim erfolgreichen Hacken legen wir auch die Schwachpunkte der Bots frei. Während wir sonst nur geringen Schaden beim Gegner machen können, ist das Treffen der Schwachpunkte nicht nur effektiv beim Austeilen von Schaden, sondern lässt den Gegner auch schneller überhitzen. Überhitzt der Gegner dabei komplett, liegt er regungslos auf dem Boden und ist anfällig für kritischen Schaden.
Übertaktung und Module
Auf alle Aspekte einzugehen würde nicht nur den Rahmen etwas sprengen, sondern auch gewisse Sachen vorweg nehmen. Daher würde ich lediglich noch zwei Aspekte ansprechen wollen, bevor wir uns ein bisschen um die Spielwelt kümmern. Der erste Aspekt schliesst am vorigen Abschnitt an und bezieht sich explizit auf die Kämpfe.
Denn als weiterer Teil unseres Arsenals hat Diana auch das Overdrive-Protokoll zur Verfügung. Dabei übertaktet sie beim Hacken die gegnerischen Bots und lähmt vollständig deren Bewegung, deaktiviert die Panzerung und fügt im Laufe der Zeit Schaden zu. Das kann sowohl bei den grossen Bossen helfen aber auch bei grösseren Gegnergruppen, um durchatmen zu können, kritischen Schaden auszuteilen oder auch selbst ein Fenster zur Heilung zu schaffen.
Auch Hugh bekommt natürlich noch kleinere Boni in Form von Anzugsmodulen. Diese können beispielweise in Kisten versteckt sein und gewähren Spezialeffekte wie mehr Leben, mehr Lunafilament von Gegnern, dem Erhöhen von Waffenschaden oder verbessern bestimmter Fähigkeiten.
Die Cradle
Auch wenn wir uns im Orbit befinden, ist die Spielwelt keineswegs nur trist und grau. Ganz im Gegenteil sogar. Bei unserem Abenteuer erkunden wir eine abwechslungsreiche Spielwelt, zu der ich aber nichts spoilern möchte. Aber wir können verschiedene Areale erkunden, die manchmal auch Erinnerungen wecken könnten.
Dabei hat die Cradle verschiedene Sektoren mit zahlreichen Geheimnissen zu bieten. Dazu zählen aber nicht nur Dokumente und Übertragungen, welche uns erzählen was auf der Cradle passiert ist. Sondern es gibt auch Loot in Form von Kisten, Modulen, Kartuschenhaltern und sogenannter Read Earth Memory Gegenständen. Vor allem letztgenannte bilden ein wichtiges Element in der Geschichte. Dazu kommen wir aber im Kontext des Schutzraumes ein bisschen zu sprechen.
Auf der Cradle verteilt befinden sich immer wieder Rettungsluken. Diese bringen uns auf direktem Wege zum Schutzraum und lassen uns ein wenig verschnaufen. Leider können wir damit aber immer nur zum Schutzraum teleportieren und nicht auch zu anderen Luken. Okay, das macht zwar vielleicht Lore technisch Sinn, ist aber nervig wenn man später noch das ein oder andere verpasste Geheimnis erkunden möchte. Mit der Reise zum Schutzraum werden aber auch die Gegner wieder zurückgesetzt. Das kennt man ja beispielweise aus Soulslikes von der Bonfire-Mechanik.
Ein Ort voll Schutz
Ja, es ist endlich so weit: wir kommen auf den Schutzraum zu sprechen. Als zentraler HUB ist er nicht nur ein Ort, an dem wir vor den Gefahren der Cradle und der IDUS sicher sind, sondern auch das ein oder andere machen können. So gibt es zum Beispiel hier die Möglichkeit neue Ausrüstung zu drucken und verbessern, Fähigkeiten freizuschalten oder unsere Upgrades durchzuführen. Je nach Upgrade müssen wir entweder mit Lunafilament, Upgrade-Komponenten oder Lunum bezahlen.
Der Schutzraum ist aber auch der Ort, an dem wir mit Diana interagieren können. Dabei unterhalten sich die beiden ein bisschen und lernen sich noch besser kennen. Dadurch verbessert sich die Beziehung unter den beiden noch weiter und vor allem hat es einen ungeahnten positiven Effekt: ich als Spieler entwickel eine Verbindung zu den beiden Charakteren. Das ist für mich die grösste Stärke an Pragmata. Der Spieler wird emotional in die Geschichte gezogen und fühlt sich ebenfalls mit Hugh und Diana verbunden.
Neben den Gesprächen sind die zuvor angesprochenen Read Earth Memory Gegenstände, die im Spiel immer nur mit REM abgekürzt werden, ein wichtiges Element. Dabei handelt es sich nämlich um Gegenstände, die wir im alltäglichen Leben aus unserer Kindheit noch kennen. Seien es Spielzeugautos, Wasserpistolen, eine Schaukel oder mehr. Diana lernt nicht nur, womit unsereins als Kind gespielt hat, sie spielt selbst damit. Und neben den REMs, die wir mittels REM-Replikators für Diana drucken, können wir auch mit ihr Verstecken spielen. Diana erlebt in diesem geschützem Raum eine menschliche Kindheit und sowohl Hugh als auch wir werden dafür belohnt. Wie das aussieht, lass ich euch aber lieber selbst erfahren.
Der Schutzraum bietet aber noch viel mehr. Je nach Lizenzstufe des Raumes, die sich im weiteren Verlauf durch das Besiegen der Bosse automatisch erhöht, können wir eine Datenbank mit Infos zu den feindlichen Bots freischalten, neue Outfits erhalten oder uns auch an Trainings-Simulationen probieren.
Mit der Mondbahn können wir uns dabei durch die verschiedenen Sektoren der Cradle bewegen. Am entsprechenden Terminal können wir zudem unsere Ausrüstung festlegen, Module aktivieren und uns anhand der Sektoren-Informationen einen Überblick über verpasste Geheimnisse ansehen. Wer also alles erkunden möchte, findet hier einen guten Anhaltspunkt.
Und da ich nun mal gerne alles mitnehme, hat mich das Spiel auch gut auf Trab gehalten. Nach knapp 19 Stunden hatte ich die Hauptgeschichte abgeschlossen. Daraufhin gab es nicht nur einen weiteren Schwierigkeitsgrad und den New Game Plus-Modus, sondern auch noch Bonus-Inhalte zum Spielen. Diese haben nicht nur knapp 4 Stunden weitere Inhalte parat, sondern auch ein alternatives Ende im Gepäck gehabt.
The Review
Pragmata (PC)
Mit Pragmata hat uns Capcom ein wirklich tolles Action-Adventure Spiel geliefert. Alleine schon das Gameplay war leicht zu lernen und hat Spass gemacht. Mit der Entwicklung der Charaktere und der emotionalen Involviertheit als Spieler, hat sich das Spiel noch lange in meinem Kopf eingebrannt. Wer Lust hat sich in eine spannende Geschichte mit gutem Gameplay entführen zu lassen, der macht mit Pragmata alles richtig.
PROS
- Einfache Steuerung
- geiles Level- und Boss-Design
- abwechslungsreiches Gameplay samt Minispielen
- Charakterentwicklung und-bindung
- Bonus Inhalte samt alternativem Ende
CONS
- langsames Heilen
- Teleport nur zum Schutzraum

