Hattet ihr auch schon mal die Idee, einen eigenen Supermarkt aufzubauen und zu leiten?
Wir haben uns in der Simulation „Traders Life Together“ hinter die Ladentheke gewagt, um genau das herauszufinden. Damit wir gleich auf den Punkt kommen: Die Fahrt zum Großhändler macht paradoxerweise mehr Spaß als das eigentliche Führen des Ladens. Wer hier solo einsteigt, braucht extrem starke Nerven. Statt eines tiefgründigen Management-Hits erwartet euch hier leider eher eine unfreiwillig komische Baustelle. Warum das so ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Aller Anfang ist schwer: Umfang und eine Karte ohne Plan
Schauen wir uns erst mal das Sortiment und die Möglichkeiten an. Das Spiel hat tatsächlich ein paar wenige Stärken, die hier zum Vorschein kommen. Die Auswahl an Items ist echt gut und schön divers. Mit über 300 Produkten und vernünftigen Möglichkeiten für Shop-Erweiterungen ist theoretisch genug Material vorhanden, um einen ansehnlichen Laden hochzuziehen.
Aber schon der Einstieg ist echt schwierig. Das Spiel schmeißt uns ohne viel Hilfe in die Welt und gibt uns eine Karte, die aber nicht interaktiv ist. Hier heißt es also: klassisch selbst orientieren und sich irgendwie durchbeißen. Für uns war das zwar machbar, aber für Neulinge oder Spieler, die im Jahr 2026 mehr Komfort gewohnt sind, ist das ein echtes Ärgernis.
Was später uns nicht mehr überrascht, deutet sich schon in der Charakterauswahl an: Man kann nur zwischen vier verschiedenen männlichen Avataren, die als KI-Foto uns vorgegeben werden, auswählen.
Schleppen statt Schnappen: Frustrierender Alltag auf winzigem Raum
Eigentlich sollte das Gameplay im Laden das Herzstück einer Supermarkt-Simulation sein. Die Entwickler sagen, man kann das Spiel allein oder im Online-Koop spielen. Wir haben den Solo-Modus getestet und können euch nur raten: Spielt das besser mit mehreren Leuten, denn alleine hat uns das Ganze schlichtweg keinen Spaß gemacht.
Die Features, für die sie geworben haben, klingen auf dem Papier ganz gut, aber in der Praxis sind sie einfach nur schlecht:
- Regale einräumen: Das händische, einzelne Einräumen der Waren ist enorm anstrengend und verkommt zur reinen Fleißarbeit.
- Fehlende Mechaniken: Von dem in der Beschreibung beworbenen „Snap-System“, durch das alles sauber einrasten soll, haben wir absolut nichts gefunden. Das „Placement Grid“ hilft kaum. Dementsprechend unschön und hakelig fällt auch die gesamte Gestaltung des Verkaufsraums aus.
- Kunden-KI: Dass die Kunden dann in den Laden schlurfen und immer nur eine einzige Ware kaufen, macht die ohnehin schon mühselige Arbeit fast schon obsolet.
Auch die groß beworbenen Mechaniken wie „Survival“ und „Dynamic Economy“ sind reine Buzzwords. Von echtem Survival kann hier nicht die Rede sein, und eine dynamische Wirtschaft ist bei der Größe der Welt schlichtweg sinnlos.
Die Spielwelt ist echt winzig. Sie ist sogar kleiner als die Insel aus dem alten Klassiker „LEGO Island“. Das führt zu einer Logiklücke im Gameplay-Loop. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass wir wenige Waren mit einem kleinen Auto über diese kurzen Strecken vom angeblichen „Großhandel“ in unseren kleinen Tante-Emma-Laden fahren sollen.
Das absolut Bizarre an „Traders Life Together“: Das Einzige, was in diesem Spiel wirklich interessant war und heraussticht, ist ausgerechnet das Autofahren. Die Fahrphysik der Beschleunigung und Bremsen ist echt realistisch und sogar der Spritverbrauch ist funktionstüchtig.

Asset-Flip im Nahen Osten: Eine optische Talfahrt
Wer denkt, dass die Grafik die spielerischen Schwächen ausgleicht, wird leider enttäuscht. Die Haus- und Shop-Dekorationen, die beworben werden, sind echt nicht witzig. Die Optik dieses Spiels ist echt billig und lieblos, ganz unten in der Schublade der billigen Asset-Games.
Die Umgebung sieht aus, als wäre sie im Nahen Osten. Das wäre ja eigentlich ok, wenn die Welt nur nicht so menschenleer wäre. Stattdessen ist die Insel nur mit geklonten NPCs besetzt.
Dort leben nur affenartige Männer mit völlig kuriosen Gangarten und Haltungen. Die sehen alle gleich aus, nur die Kleidung, Hautton und die Haare sind unterschiedlich. Und selbst bei dem einzigen Highlight des Spiels, dem Autofahren, bricht die Illusion schnell zusammen: Unsere Spielfigur kann sich nicht im Auto umsehen. Nur das Lenkrad bewegt sich von Geisterhand, während unsere Hände starr bleiben.
Monotones Rauschen: Die akustische Kulisse
Und beim Sound setzt sich das lieblose Gesamtbild leider nahtlos fort. Der Motorensound der Fahrzeuge ist noch im Bereich des Erträglichen und immerhin „okay“. Der Rest der akustischen Untermalung könnte besser sein. Die Game-Musik dudelt im Hintergrund vor sich hin und ansonsten gibt es klanglich kaum etwas zu entdecken. Mehr als diese grundlegenden Sounds hat das Spiel leider nicht zu bieten.
The Review
Traders Life Together
„Traders Life Together“ ist ein Paradebeispiel für ein Asset-Flip-Spiel, das zwar mit vielen Features wirbt, aber kaum etwas davon kompetent umsetzt. Die anstrengende Mechanik beim Regaleinräumen, die winzige Welt und die unfreiwillig komische Präsentation der NPCs trüben den Spielspaß enorm. Wer nicht gerade auf der Suche nach einem trashigen Koop-Erlebnis ist und sich an der überraschend soliden Fahrphysik erfreuen kann, sollte den Supermarkt wohl besser geschlossen lassen.
PROS
- Sehr gute und diverse Item-Auswahl
- Mehrere Shop-Erweiterungen möglich
- Erstaunlich realistische Fahrphysik
- Spritverbrauch bei Fahrzeugen vorhanden
CONS
- Mühsamer Solo-Modus ohne Langzeitmotivation
- Händisches Einräumen ist reine Fleißarbeit
- Kein funktionierendes Snap-System auffindbar
- Winzige Spielwelt
- Billige Asset-Flip-Optik
- Keine interaktive Karte
- Monotoner Sound
- Nur männliche klonartige NPCs

