Die gamescom 2026 ist Geschichte und der im Vorfeld viel diskutierte Stresstest für den Kölner Nahverkehr hat die Stadt mit voller Wucht getroffen. Wir waren mittendrin, haben mit Einheimischen gesprochen und die Realität auf den Straßen und Bahnsteigen abseits der optimistischen Behörden-Statements dokumentiert. Was bleibt, ist ein extrem gemischtes Bild aus positiven Überraschungen und massiven planerischen Ausfällen.
Die KVB und das leere Versprechen der Flexibilität
Um mit dem Positiven zu beginnen: Der Schienenersatzverkehr der Linie 109 zur Messe hat erstaunlich gut funktioniert. Doch dieser Erfolg wurde offensichtlich auf dem Rücken des restlichen Netzes erkauft. Andere Verbindungen wurden eklatant vernachlässigt. Die Buslinie 150 verkehrte wegen „zu hohem Verkehrsaufkommen“ kurzerhand nur noch zwischen Mülheim Bahnhof und Thermalbad und mied damit exakt den Messebereich, wo sie dringend gebraucht worden wäre. Noch dramatischer war die Situation auf der Ersatzbus-Linie 101. Von den frühen Morgenstunden bis tief in die Nacht war diese Strecke von Donnerstag bis Samstag maßlos überfüllt. Kölnerinnen und Kölner berichteten uns von absurden Pendelzeiten: Statt der üblichen halben Stunde waren viele bis zu vier Stunden unterwegs. Von den im Vorfeld versprochenen Bussen, die „auf Zuruf“ bei hohem Aufkommen flexibel eingesetzt werden sollten, fehlte jede Spur. Eine dringend notwendige Anpassung des Fahrplans blieb aus. Zu diesem desolaten Bild passte auch die Präsenz der KVB-Servicekräfte: Wir haben schlichtweg keine gesehen.
Stresstest an den Knotenpunkten und der Samstag-Clash
Interessanterweise wurden die erwarteten Nadelöhre Neumarkt und Heumarkt erstaunlich gut gemanagt. Am Bahnhof Köln Messe/Deutz war die Lage zwar extrem angespannt, aber gerade noch im Rahmen. Der absolute Schwachpunkt war jedoch der Kölner Hauptbahnhof, der unter den Menschenmassen schlichtweg kapitulierte. Die Befürchtungen rund um Parallelveranstaltungen haben sich glücklicherweise nur teilweise bewahrheitet. Weder die Konzerte in der LANXESS arena noch die kleineren Fußballspiele fielen spürbar ins Gewicht. Doch der Samstag mit dem Heimspiel des 1. FC Köln brachte das Fass zum Überlaufen. Der Verkehr kam zwar nicht vollständig zum Erliegen, aber Busse und Bahnen barsten aus allen Nähten. Die wahren Leidtragenden dieser Ballung waren dabei ironischerweise weder Gamer noch Fußballfans, sondern schlichtweg Arbeitnehmer, die in diesem Chaos ihren Weg zur Schicht bewältigen mussten.
Sonderzüge als Rettung und ein sonntägliches Stellwerk-Drama
Ein ausdrückliches Lob verdient go.Rheinland. Die im Vorfeld angekündigten 18 Sonderzüge aus dem Ruhrgebiet erwiesen sich für viele Anreisende als absolute Rettung. Zwar war die Fahrt durch die baustellenbedingten Umleitungen und stetig zusteigenden Fahrgäste lang und beschwerlich, doch das Konzept ging auf. Die Deutsche Bahn punktete immerhin mit der sichtbaren Präsenz von ausreichend Service- und Sicherheitskräften, die bei der Orientierung wirklich helfen konnten.
Der Tiefpunkt folgte jedoch am Sonntag: Eine Stellwerksstörung legte die Schnellfahrstrecke nach Frankfurt lahm, von Messe/Deutz fuhr kein ICE mehr. Am Hauptbahnhof ging auf und an den Gleisen nichts mehr. Hier prallten die gamescom-Abreisewelle und der Urlaubsrückreiseverkehr ungeschützt aufeinander. Das resultierende Chaos mit monströsen Verspätungen war letztlich eine direkte Folge der jahrzehntelangen Sparmaßnahmen bei der DB, für die Messe und Stadt in diesem Moment wenig konnten, die den Frust der Abreisenden aber auf die Spitze trieb.
Am Ende dieses denkwürdigen Messewochenendes lässt sich ein klares Zeugnis ausstellen. Der Aufgabenträger go.Rheinland sichert sich für seine vorausschauenden Sonderzüge eine starke 2. Die Deutsche Bahn landet trotz des sonntäglichen Systemausfalls dank ihres präsenten Personals bei einer soliden 4. Die KVB hingegen rasseln mit fehlender Flexibilität, alleingelassenen Randbezirken und unsichtbarem Servicepersonal glatt durch und kassieren eine unmissverständliche 6.

