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Home Artikel
gamescom 2026 – ÖPNV-Pläne der KVB werfen Fragen auf

gamescom 2026 – ÖPNV-Pläne der KVB werfen Fragen auf

by Jakob Link
9. August 2026
in Artikel, Event

Rund 100.000 Besucherinnen und Besucher werden Ende August täglich auf der gamescom 2026 erwartet. Wie wir bereits in unserem ausführlichen Vorbericht „gamescom 2026 – ÖPNV & Anreise“ dargelegt haben, fällt das Gaming-Großereignis in diesem Jahr mit einer beispiellosen Baustellen-Bündelung im Kölner Stadtbahnnetz zusammen. Nun liegen unserer Redaktion exklusive Einblicke in ein vorläufiges Pressestatement sowie direkte Antworten der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) auf unseren Fragenkatalog vor. Das Fazit vorab: Wer auf einen lückenlosen Masterplan gehofft hat, sollte sich warm anziehen – oder bequeme Schuhe einpacken.

Dass die Kappung der Linien 1, 7 und 9 (die Deutzer Brücke ist für Stadtbahnen gesperrt) ausgerechnet in die gamescom-Woche fällt, ist eine bittere Pille. Auf unsere Frage, wie die KVB die zu erwartende Auslastung bewerte, antwortete das Unternehmen durchaus realistisch, wenn auch bemerkenswert zurückhaltend:

„Die gamescom wird eine Herausforderung für den gesamten Verkehr. Wir leisten all das, was möglich ist und gehen davon aus, dass der öffentliche Verkehr eine akzeptable Möglichkeit für die An- und Abreise darstellen wird.“

Eine „akzeptable Möglichkeit“ – das klingt nicht zwingend nach einem gut geölten Räderwerk, das zehntausende zusätzliche Fahrgäste am Tag routiniert über den Rhein schleust. Man verweist vielmehr darauf, dass die Situation in diesem Jahr „durch verschiedene Baustellen deutlich verändert“ sei.

Der blinde Fleck: Welche anderen Großveranstaltungen?

Besonders aufhorchen ließ uns jedoch die Antwort der KVB auf die Frage, ob man mit besonderen Herausforderungen durch weitere Großveranstaltungen im Stadtgebiet rechne. Die knappe Replik der Verkehrsbetriebe:

„Weitere Großveranstaltungen stehen in den Tage nicht an.“

Diese Aussage ist aus unserer Sicht mehr als erstaunlich. Ein kurzer Blick in den Kölner Veranstaltungskalender für dieses Wochenende zeigt ein völlig anderes Bild: Parallel zur gamescom ballen sich in der Stadt Fußball- und Basketballspiele sowie größere Konzerte in der benachbarten Lanxess Arena. Dass die KVB diese Events, die erfahrungsgemäß ebenfalls die Bahnen füllen und Verkehrsknotenpunkte belasten, in ihrer Gefahrenbewertung offenbar komplett ausblendet, lässt berechtigte Zweifel an der Robustheit der Einsatzkonzepte aufkommen.

Die Ersatzbus-Mathematik: Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Doch wie genau sollen die Massen ohne die drei zentralen Stadtbahn-Linien zum Messegelände kommen? Neben dem Verweis auf die noch regulär fahrenden Linien 3 und 4 sowie die S-Bahnen der DB setzt die KVB auf Schienenersatzverkehr (SEV). Die für Messebesucher wichtigste Ader ist die Buslinie 109, die als Ersatz für die Linie 9 zwischen Neumarkt und Koelnmesse pendelt.

Betrachtet man die geplante Taktung dieser Ersatzbusse, stellt sich unweigerlich die Frage, wie das funktionieren soll.

  • Wochentags (06:00 bis 20:00 Uhr): 10-Minuten-Takt
  • Wochentags (ab 20:00 Uhr): 15-Minuten-Takt
  • Samstag (bis 9 Uhr): 15-Minuten-Takt
  • Samstag (ab 9 Uhr): 10-Minuten-Takt
  • Sonntag (ab 9 Uhr): 15-Minuten-Takt

Ein 10-Minuten-Takt bedeutet sechs Busse pro Stunde. Am Samstagmorgen vor 9 Uhr, wenn sich die Schlangen vor den Messehallen bilden, sowie am Sonntag sind es sogar nur vier Busse pro Stunde. Selbst wenn hier durchgehend Gelenkbusse zum Einsatz kommen, ist die Kapazität im Vergleich zu einer mehrteiligen KVB-Stadtbahn verschwindend gering. Die SEV-Linien 101 (Richtung Bensberg) und 107 (Richtung Zündorf), die in einem ähnlichen Takt verkehren, fahren zudem nicht direkt zur Messe, sondern über den Bahnhof Deutz.

Erschwerend kommt hinzu: Um Rückstaus zu vermeiden, wird die Haltestelle der Linie 109 an der Koelnmesse laut dem uns vorliegenden Statement „um etwa 250 Meter nach Süden verlegt“. Im gleichen Pressetext warnt die KVB bereits jetzt proaktiv davor, dass „in den Verkehrsspitzen jeweils mit spürbar längeren Fahrzeiten gerechnet werden muss.“

Die Ferien als Rettungsanker – mit eingebautem Ablaufdatum

Ein zentrales Argument der KVB, warum das System nicht kollabieren wird, ist der Zeitpunkt der Messe. Man teilte uns mit:

„Es hilft uns aber, dass dann noch Ferien sind und der Schüler- und Berufsverkehr sehr reduziert ist.“

Das ist zwar faktisch richtig, verschweigt aber ein nicht unwesentliches Detail: Die Sommerferien enden unmittelbar nach der Gamescom. Der Schulstart in NRW fällt somit auf Mittwoch, den 2. September. Das bedeutet, dass das Messe-Wochenende genau mit der großen Rückreisewelle der Urlauber zusammenfällt.

Doch damit nicht genug: Das Pressestatement der KVB offenbart ein weiteres Problem rund um diesen Termin. Da der Betriebshof Merheim wegen der Baustellen nicht durch Bahnen erreichbar ist, müssen Wartungen in die Hauptwerkstatt Weidenpesch verlagert werden. In ihrem eigenen Text räumt die KVB ein, dass dieses Ersatzkonzept nicht das übliche Pensum an Reparaturen leisten kann. Man stehe vor der Herausforderung, zum Schuljahresbeginn am 2. September überhaupt ausreichend gewartete Stadtbahnen auf die Schiene zu bekommen. Bereits jetzt wird vor möglichen Fahrplanunregelmäßigkeiten gewarnt. Ein denkbar schlechtes Omen für die ohnehin angespannte Flotte an den kräftezehrenden Messetagen unmittelbar davor. Auch bei den Park-and-Ride-Plätzen gibt es Einschränkungen. Die Anlagen in Bensberg und Brück stehen während der Messe nicht zur Verfügung.

Nachgehakt: Wir warten auf Antworten

An dieser Stelle möchten wir betonen, dass die Situation auch für die Verkehrsbetriebe eine Ausnahmesituation darstellt. Infrastrukturmaßnahmen wie der Einbau des Hochwasserschutztors an der Mindener Straße sind essenziell und können nicht beliebig verschoben werden.

Dennoch scheinen die bisherigen Antworten und Pläne den Realitätscheck für ein Event dieser Größenordnung nicht restlos zu bestehen. Aus diesem Grund haben wir am Freitagmittag, nach Erhalt erster Informationen, umgehend einen weiteren, tiefergehenden Fragenkatalog an die KVB geschickt. Darin haken wir genau bei diesen Diskrepanzen nach: der Ignoranz gegenüber Parallelveranstaltungen und der fraglichen Bus-Taktung.

Da wir den Katalog erst am Freitagmittag einreichen konnten, steht eine Antwort verständlicherweise noch aus – hier wollen wir der KVB fairerweise die nötige Zeit zur Bearbeitung einräumen. Parallel dazu haben wir auch die Deutsche Bahn und DB Regio mit detaillierten Fragen konfrontiert. Denn wenn die Stadtbahnen über den Rhein ausfallen, wird sich ein Großteil des Drucks unweigerlich auf den S-Bahn- und Regionalverkehr in Richtung Bahnhof Köln Messe/Deutz entladen. Wie die Bahn sich auf dieses Nadelöhr vorbereitet, erfahrt ihr bei uns, sobald die Antworten vorliegen.

Bis dahin bleibt uns nur, den wichtigsten (und wohl ehrlichsten) Tipp der KVB an alle gamescom-Besucher weiterzugeben:

„Als erste Empfehlung zu nennen ist: Geduld haben, damit alle sicher unterwegs sein können.“

 

Tags: gamescom 2026
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