Die gamescom präsentiert sich auf zahlreichen Werbemotiven gerne mit den aufwendigsten Kostümen der Szene. Cosplayer sind eine wichtige Komponente des Messe-Marketings und tragen dazu bei, die Veranstaltung für Besucherinnen und Besucher attraktiver zu gestalten. Die in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Bilder vermitteln ein lebhaftes Bild der Veranstaltung. Doch wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, dass es einige Punkte gibt, die verbessert werden könnten, insbesondere was die Wertschätzung der Menschen betrifft, die durch ihre Arbeit diese Messe erst lebendig machen.
Im Regen stehen gelassen – buchstäblich
Während für die „Promis“ und Influencer für jeden noch so kurzen Weg auf dem Gelände ein Shuttle bereitgestellt wird, gestaltet sich die Situation für die Teilnehmer der großen Cosplay-Wettbewerbe als deutlich herausfordernder. Cosplayer, die ihre Rüstungen mit viel Hingabe und Zeitaufwand selbst angefertigt hatten, mussten leider feststellen, dass sie bei den widrigen Wetterbedingungen im Außengelände ungeschützt waren. Diese Kostüme sind wahre Kunstwerke, die nicht für den Outdoor-Einsatz oder lange Spaziergänge konzipiert sind. Die Tatsache, dass die Messegesellschaft offenbar Schwierigkeiten hat, die grundlegende Logistik für ihre Bühnen-Highlights zu organisieren, wirft Fragen hinsichtlich der realen Wertschätzung auf.
Wer den Weg unbeschadet ins Innere schaffte, den erwartete das nächste organisatorische Desaster. Anstatt angemessener Vorbereitungsräume mussten Teilnehmer stundenlang in einfachen Fluren ausharren. Was das für hochkomplexe Kostüme bedeutet, illustriert der Fall der Cosplayerin „doctress_pool„, die als Samus auftrat: Durch die endlosen Verzögerungen gaben die Batterien der aufwendigen LED-Beleuchtungen in den Rüstungen den Geist auf, noch bevor die Cosplayer überhaupt die Bühne betraten. Ein essenzieller Teil der visuellen Performance war somit durch die reine Fehlplanung der Veranstalter schlichtweg erloschen.
Technische Bankrotterklärung auf der Bühne
Der Frust der Profis entlädt sich jedoch nicht nur in den miserablen Wartebedingungen, sondern im kompletten Versagen der Bühnentechnik. Wochenlang reichten Teilnehmer ihre detaillierten Regiepläne ein. Licht, Ton, Timing, alles wurde von der Messe bis zur letzten Stunde bestätigt. Auf der Bühne selbst funktionierte dann laut Teilnehmerberichten absolut gar nichts davon. Wenn monatelange Arbeit in einer dreiminütigen Performance gipfeln soll und die Technikabteilung jeden vorab bestätigten Cue verfehlt, ist das ein Desaster für jeden Performer und eine Enttäuschung für jeden Zuschauer.
Die Reaktion der gamescom auf die massive Kritik enttäuscht auf ganzer Linie. Auf Instagram reagierte der offizielle Account mit einem klassischen PR-Baukasten-Kommentar: Man nehme das Feedback „sehr ernst“, bedaure die „getrübte Erfahrung“ und verweise auf einen baldigen „Feedbackbogen“. Für eine Community, die Zehntausende Euro und unzählige Arbeitsstunden in Kostüme investiert, um das Rahmenprogramm der Messe aufzuwerten, ist ein standardisierter Fragebogen nach solchen Erlebnissen schlichtweg ungenügend.
Die gamescom muss sich entscheiden: Will sie weiterhin eine Heimat der Cosplay-Kultur sein oder ihre talentiertesten Aushängeschilder endgültig vertreiben? Ein Shuttle für eine zentnerschwere Rüstung und ein funktionierendes Bühnenlicht wären ein guter Anfang, um zu beweisen, dass die Entschuldigung mehr ist als nur eine leere Instagram-Floskel.
Die schleichende Entfremdung in den Hallen
Doch nicht nur die Profis hinter den Kulissen spürten in diesem Jahr einen eisigen Wind. Auch für die Tausenden Hobby-Cosplayer auf dem regulären Messegelände hat sich die Atmosphäre spürbar gedreht. Wo in den vergangenen Jahren noch begeisterte Fotowünsche und ein starkes Gemeinschaftsgefühl den Messealltag prägten, herrschte dieses Mal oft eine kühle Distanz.
Viele Cosplayer berichteten von einer spürbaren, unterschwelligen Ablehnung durch Teile des regulären Publikums. Es waren keine lautstarken Pöbeleien, sondern die subtilen Gesten: genervtes Ausweichen, abwertendes Mustern und regelrecht angewiderte Blicke, wenn ein detailreiches Kostüm im dichten Gedränge der Hallen den Strom der Besucher minimal verlangsamte.
Diese schleichende Stigmatisierung wirft eine unangenehme Frage auf: Verwandelt sich die gamescom von einem inklusiven Fest der Popkultur zunehmend in eine rein auf Konsum getrimmte Gaming-Messe, in der alles als störend empfunden wird, was nicht dem schnellen Anspielen von Blockbustern dient?
Für die Cosplay-Community, die das besondere Flair der Messe über ein Jahrzehnt lang maßgeblich mitgeprägt hat, ist diese neue, abweisende Grundstimmung im Publikum ein bitterer Schlag. Wenn die buntesten Gäste plötzlich wie lästige Fremdkörper behandelt werden, verliert die Veranstaltung genau die Seele, mit der sie nach außen hin so gerne wirbt.

