Die Entscheidung von Sony, ab Januar 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc zu veröffentlichen, sorgt weiterhin für Diskussionen. Nun hat sich auch die Europäische Union zu dem Thema geäußert. Nach Einschätzung von EU-Kommissar Michael McGrath gibt es derzeit keine rechtliche Grundlage, um Unternehmen wie Sony zu verpflichten, Spiele weiterhin auf physischen Datenträgern anzubieten.
McGrath, EU-Kommissar für Demokratie, Justiz, Rechtsstaatlichkeit und Verbraucherschutz, erklärte gegenüber Journalisten im Europäischen Parlament in Straßburg, dass Unternehmen grundsätzlich selbst entscheiden können, in welcher Form sie ihre Produkte anbieten. Voraussetzung sei lediglich, dass die geltenden Verbraucherrechte nach nationalem Recht und EU-Recht eingehalten werden.
Nach seinen Angaben fallen Entscheidungen über den Vertrieb von Spielen unter die unternehmerische und vertragliche Freiheit. Solange Verbraucherrechte gewahrt bleiben, könne die EU den Unternehmen keine bestimmte Vertriebsform vorschreiben.
Im Zusammenhang mit der Debatte verwies McGrath außerdem auf die Initiative „Stop Killing Games“. Erst im vergangenen Monat hatte die Europäische Kommission entschieden, derzeit keine neuen gesetzlichen Vorgaben vorzuschlagen, die Entwickler dazu verpflichten würden, Spiele auch nach dem Ende ihres offiziellen Supports spielbar zu halten.
Sony hatte Anfang Juli angekündigt, die Produktion neuer PlayStation-Discs ab Januar 2028 einzustellen. Spiele, die bis einschließlich 2027 erscheinen, können auch nach diesem Stichtag weiterhin auf Disc nachproduziert werden. Neue Veröffentlichungen sollen dagegen ausschließlich digital angeboten werden.
Die Ankündigung löste weltweit Kritik aus. Eine Petition, die Sony zum Umdenken bewegen soll, hat inzwischen mehr als 300.000 Unterschriften gesammelt.
Trotz des öffentlichen Protests rechnen Branchenbeobachter derzeit nicht mit einer Kehrtwende. Marktanalyst Dr. Serkan Toto geht davon aus, dass Sony an seiner Strategie festhalten wird. Seiner Einschätzung nach seien digitale Verkäufe wirtschaftlich deutlich attraktiver, während selbst ein größerer Rückgang bei den PlayStation Plus-Abonnements das Unternehmen voraussichtlich nicht zum Umdenken bewegen würde.

