Auf der SPIEL 2026 haben wir Road Master angespielt, das Lkw-Logistikspiel von Rallyman-Erfinder Jean-Christophe Bouvier. Pick-up-and-Deliver mit vorgeplanten Aktionen, einer einzigen gemeinsamen Straße und viel Gedrängel vor den Lagerhäusern. Dazu ein Autor, der vom bekanntesten deutschen Logistikspiel erst in Essen erfahren hat.
Steckbrief
| Autor | Jean-Christophe Bouvier |
| Illustration | Tony Rochon |
| Verlag | Bouvier International |
| Erschienen | 2025 (Frankreich) |
| Spieler | 2–6 |
| Alter | ab 7 Jahren |
| Dauer | 15–45 Minuten |
| Mechanik | Pick-up & Deliver, Aktionsplanung |
| Preis | ca. 22,50 € |
| Erweiterung | Dock’N’Roll, seit 9. Oktober 2026, ca. 16,90 € |
| Deutsche Ausgabe | bisher keine |
Worum geht’s?
Jede Person steuert einen Lkw mit Platz für fünf Warenwürfel. An einer gemeinsamen Straße liegen sechs farbige Lagerhäuser (A bis F), jedes mit 15 Würfeln seiner Farbe. Lieferaufträge verlangen, bestimmte Würfel von einem Lager in ein anderes zu bringen.
Erfüllte Aufträge bringen Punkte, offene kosten am Ende Punkte. Wer zuerst die Zielmarke erreicht, löst das Spielende aus: 50 Punkte zu zweit, 30 Punkte zu sechst.
So spielt sich Road Master
Herzstück sind sieben beidseitig bedruckte Aktionsplättchen pro Person, von denen man pro Zug vier auslegt. Während die anderen fahren, plant man die nächste Reihe vor, darf sie aber jederzeit umbauen. Da jede Seite nur begrenzt vorkommt, sind zum Beispiel höchstens drei Fahrten pro Zug drin.
Auf der Straße gilt Rechtsfahrgebot. Überholen ist erlaubt, zwischen zwei Lkw muss man aber zurück nach rechts. Zwei Lkw nebeneinander sperren die Straße komplett, und genau daraus entsteht die Interaktion.
Aufträge sind unbegrenzt, aber riskant. Jeder offene Auftrag kostet am Ende Punkte. Super-Bonus-Karten verlangen Farbkombinationen aus gelieferten Würfeln, etwa drei lila und drei gelbe für +6 oder −2. Jede Karte braucht dabei eigene Würfel.
Mangelkarten bringen Unruhe in den Markt. Sechs davon stecken im Auftragsstapel und halbieren beim Aufdecken den Vorrat eines Lagers. Ist ein Lager leer, fliegen alle Aufträge seiner Farbe aus Auslage und Stapel. Für die ersten Partien darf man sie weglassen.
Spielende: Ist die Zielmarke erreicht, wird die Runde zu Ende gespielt. Dann zählen Minuspunkte für offene Aufträge und die Super-Bonus-Karten, Würfel im Lkw sind wertlos.
Fortgeschrittene Regeln
Zwei Module tauschen Aufträge einer Farbe aus und bringen je zwei Extrapunkte pro Lieferung.
• Explosive Fracht (gelb): Nach jedem Laden, Fahren, Rückwärtsfahren und vor dem Entladen zieht man eine von sechs Boom-Karten. Die erste „Halb-Boom“-Karte ist eine Warnung, die zweite sprengt den Lkw samt gesamter Ladung. Klassisches Push-your-Luck.
• Verderbliche Ware (blau): Blaue Würfel müssen im selben Zug geladen und geliefert werden, sonst verderben sie und fliegen aus dem Spiel.
Im Gespräch mit Jean-Christophe Bouvier

Am Stand konnten wir kurz mit dem Autor sprechen. Bouvier ist vor allem für die Rallyman-Reihe bekannt. Sein Label Bouvier International war ursprünglich ein erfundener Sponsor, den er in die Rallyman-Illustrationen geschmuggelt hat. Heute ist es ein echter Verlag, Road Master ist nach Ticket Gagnant der zweite Titel.
Die größte Überraschung: Von Auf Achse, dem deutschen Logistik-Klassiker, hat Bouvier nach eigener Aussage erst hier auf der Messe erfahren. Road Master ist also kein bewusster Nachfolger, sondern eine unabhängige Idee. Ganz so verwunderlich ist das nicht: Auf Achse war vor allem ein deutsches Phänomen und erschien nie auf Englisch.
Road Master und Auf Achse: zwei Logistikspiele
Zwei Logistikspiele, zwei Ansätze: Auf Achse schickt Lkw per Würfel durch ein Straßennetz, Road Master lässt sie geplant auf einer einzigen Strecke um Platz ringen. Wolfgang Kramers Auf Achse gewann 1987 das Spiel des Jahres und erschien 2007 neu bei Schmidt Spiele, mit weniger Zufall.
| Auf Achse (1987) | Road Master (2025) | |
|---|---|---|
| Autor | Wolfgang Kramer | Jean-Christophe Bouvier |
| Spielfeld | Straßennetz Deutschland und Nachbarländer | eine Straße, 6 Lagerhäuser |
| Bewegung | Würfelwurf | geplante Aktionsplättchen |
| Aufträge | per Karten, teils versteigert | offene Auslage, 1–3 pro Aktion |
| Zufall | Würfel, gezogene Städtekarten | Mangelkarten, optional Boom-Karten |
| Spieler | 2–6 | 2–6 |
| Dauer | ca. 60 Min. | 15–45 Min. |
| Alter | ab 8 | ab 7 |
Auf Achse ist das längere Reisespiel mit Landkarte und Versteigerung, Road Master das kompakte Planungsspiel für eine Dreiviertelstunde. Wer das Thema mag, kann beide gut nebeneinander im Regal haben.
Unser Eindruck vom Messestand
Wir haben Road Master zu zweit gespielt, mit explosiver Fracht. Da uns logikbasierte Regeln liegen, saßen Laden, Fahren und Entladen sehr schnell.
Die Strecke hatten wir offenbar gut im Griff: Nur einmal flog uns die Gefahrgut-Ladung (ADR) um die Ohren. Optisch macht das Spiel am Tisch viel her, Brett und Material sehen durchweg gut aus.
Ob Stau und Blockaden mit mehr Personen stärker ins Gewicht fallen, konnten wir zu zweit nicht prüfen. Die französische Kritik von undecent.fr lobt die Interaktion vor allem bei hoher Spielerzahl.

