Die europäische Wettbewerbsbehörde hat einem der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Aufkäufe in der Geschichte der Videospielbranche grünes Licht gegeben. Im Rahmen eines rund 55 Milliarden US-Dollar schweren Deals übernimmt der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) die alleinige Kontrolle über den Publisher-Riesen Electronic Arts.
Keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken aus Brüssel
Die EU-Kommission hat eine Fusionskontrolle durchgeführt und keine Bedenken hinsichtlich des fairen Wettbewerbs festgestellt. Die Auswirkungen auf den Markt für Spieleentwicklungen, den Konsolen- und PC-Vertrieb sowie die Organisation von E-Sports-Events seien zu gering, um den Binnenmarkt zu gefährden. Damit ist die erste große Hürde auf dem europäischen Markt genommen. Der Deal steuert auf seinen finalen Abschluss zu, da die EA-Aktionäre dem Verkauf bereits zugestimmt haben. Nach Vollzug wird der Publisher von der Börse genommen und in eine private Gesellschaft umgewandelt. Es handelt sich dabei um den bislang größten fremdfinanzierten Kauf (Leveraged Buyout) in der Geschichte der Branche.
Massive Kritik an „Sportswashing“ und Beteiligung der US-Politik
Der Deal hat die EU-Hürde rechtlich genommen, wird aber kritisiert. Der saudi-arabische PIF tätigt seit Jahren Milliarden-Investitionen in globale Gaming-Schwergewichte.
Menschenrechtsorganisationen werfen dem Königreich vor, mit diesen Aufkäufen sein Image aufzupolieren. Auch die Co-Investoren sorgen für Gesprächsstoff. Neben der Private-Equity-Firma Silver Lake ist auch Affinity Partners an dem Konsortium beteiligt: die Investmentgesellschaft von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.
Auch in den Reihen der Angestellten regt sich Widerstand. Gewerkschaften der Games-Branche laufen gegen die Übernahme Sturm und wandten sich an die US-Handelsbehörde FTC, um den Megadeal in den USA doch noch zu stoppen.
Was bedeutet das für Spieler und die bekannten Marken?
Electronic Arts ist einer der einflussreichsten Publisher weltweit. Unter dem Dach des Konzerns entstehen populäre Spiele wie „EA Sports FC“ und „Apex Legends“, aber auch Serien wie „Die Sims“ und BioWares „Mass Effect“ und „Dragon Age“.
Der Hauptsitz des Unternehmens in Kalifornien bleibt erhalten, doch die Unternehmensstruktur ändert sich grundlegend. Durch den Rückzug von der Wall Street entfällt der Druck der vierteljährlichen Finanzberichte. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Wechsel auf die inhaltliche Ausrichtung, die Studios und die Monetarisierung der Franchises auswirken wird.
Über Electronic Arts Geschichte haben wir eine Artikelreihe geschrieben.

