Jeder Spieler kennt dieses Logo. Wenn das markante „EA Sports – It’s in the game“ aus den Lautsprechern dröhnt, weckt das bei Millionen von Menschen unweigerlich Erinnerungen. Electronic Arts ist nicht einfach nur ein Publisher, sondern eine Konstante, ein unübersehbarer Titan, der die Videospielindustrie geprägt hat wie kaum ein zweiter.
Wenn man heute in den Kommentarspalten der Gaming-Community den Namen „EA“ liest, schlägt einem keine Nostalgie entgegen. Stattdessen dominieren Frust, Zynismus und Wut. EA ist der Inbegriff des seelenlosen Leviathan des Gamings – ein Konzern, der für Lootbox-Exzesse, kaputte Live-Service-Spiele und rücksichtsloses Profitdenken steht.
Der „EA-Fluch“ ist ein schwerwiegender Vorwurf, der nicht ignoriert werden kann.
Wer durch die Hallen der PC- und Konsolengeschichte wandert, stößt unweigerlich auf einen gigantischen, unsichtbaren Friedhof. Auf den Grabsteinen stehen die Namen der brillantesten und innovativsten Entwicklerstudios, die unsere Industrie je hervorgebracht hat. Westwood. Maxis. Origin Systems. Bullfrog. Pandemic. Visceral Games. Sie alle erschufen Meisterwerke, sie alle wurden von Electronic Arts für astronomische Summen aufgekauft – und sie alle wurden letztendlich von der kalten Unternehmensmaschinerie zermahlt, bis nur noch ihre leblosen Marken (IPs) im Archiv verrotteten.
Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte es passieren, dass ein Unternehmen, das einst antrat, um die Rechte von Spieleentwicklern zu schützen, genau das Monster wurde, vor dem es sie eigentlich bewahren wollte?
Die Antwort auf diese Fragen ist alles andere als ein einfacher schwarz-weißer Wirtschaftskrimi. Es ist eine jahrzehntelange Tragödie aus visionärem Genie, verpassten Chancen, Hybris und dem unstillbaren Hunger nach Wachstum.
In dieser siebeteiligen Artikelreihe begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die Geschichte von Electronic Arts. Wir sezieren jedes Jahrzehnt für sich:
Kapitel 1: Die 1980er: Die romantischen Anfänge
Kapitel 2: Das goldene Zeitalter und der Beginn des Studio-Friedhofs.
Kapitel 3: Das Monopol, der Aufstand und der verzweifelte Kampf um die Seele
Kapitel 4: Der Lootbox-Kollaps und die schlimmste Firma Amerikas
Kapitel 5: Identitätskrise, der FIFA-Bruch und der kalte Atem der KI
Kapitel 6: Stand 2026 – Kulturkampf, KI und der leise Tod von Legenden
Epilog: Wie EAs Erbe außerhalb des Konzerns weiterlebt
Dies ist die Geschichte des modernem Gamings. Es ist eine Chronik des Aufstiegs, des Falls und der eiskalten Kommerzialisierung von Kunst.
Die Reihe heißt „Platzende Luftblasen“, da EA eine Marke nimmt, versucht diese so Groß wie möglich aufzublasen, wie eine Seifenblase die wir Größer als alle andere machen wollen und dann platzt sie. Vielleicht schwebt die Blase noch ein wenig durch die Gegend, aber auch die wird Platzen. Was übrigbleibt, sind die Reste der Flüssigkeit, die auf den Boden knallen und trocknen, ähnlich wie die Ideen, Formen, Marken und die Entwickler.
Willkommen auf dem Friedhof der Electronic Arts. Beginnen wir am Anfang.

